Erdberührte Bauteile: XPS oder Schaumglasdämmung?

Welche Wärmedämmung empfehlen Sie aus baubiologischer Sicht für den Perimeterbereich, also für die außenliegende Wärmedämmung erdberührter Bauteile wie Bodenplatten, Keller- oder Souterrrainwände?

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Antwort

Aufgrund hoher Anforderungen an Wasser- und Druckbeständigkeit werden für den Perimeterbereich, aber auch z. B. für Gründachaufbauten, vor allem zwei Materialien eingesetzt: XPS (Extrudierter Polystyrolschaum) und Schaumglas. Beide sind vom DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) für Anwendungen bei Bodenfeuchte sowie bei drückendem Wasser zugelassen.

XPS wird aus Erdöl hergestellt und enthält zusätzlich Treibmittel sowie Flammschutzstoffe. Auf der Baustelle wird es zugeschnitten und meist vollflächig verklebt. Es ist deutlich günstiger als Schaumglas, hat aber einige Nachteile: Die Herstellung und Verarbeitung birgt ökologische und toxikologische Risiken (Benzol,  Styrol). Im Brandfall können giftige Gase entstehen. Außerdem kann es nur thermisch entsorgt, also verbrannt werden.

Schaumglas besteht aus aufgeschäumtem Recyclingglas, wird ebenfalls vor Ort zugeschnitten und meist mit Bitumenkleber befestigt, wodurch auch dampfdichte Fugen möglich sind. Es ist schadstofffrei, nicht brennbar, langlebig und recycelbar. Allerdings ist die Herstellung energieintensiv und es ist deutlich teurer als XPS.

Aus baubiologischer Sicht haben also beide Materialien Nachteile. Deshalb ist ein Verzicht oder zumindest geringer Einsatz von Perimeterdämmung zu bevorzugen. Ausreichende Wärmedämmung ist z. B. auch mit einigen Mauersteinen möglich. Unterkellerungen sind nicht immer zwingend erforderlich. Vor allem Tiefgaragenbauten in Gebieten mit hohem Grundwasserstand sollten kritisch hinterfragt werden, da sie große Mengen an Stahlbeton und Perimeterdämmung erfordern. Im Gegensatz dazu kann bei nicht unterkellerten Bauwerken, die auf einem Sockel oder auf Stützen stehen,  i.d.R. komplett auf Perimeterdämmung verzichtet werden.

BU Anbringung von Schaumglasplatten am Gebäude des Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

Neben XPS und Schaumglas werden im Perimeterbereich vereinzelt auch EPS und Glasschaumschotter eingesetzt. Diese sind jedoch nur bei nicht drückendem Wasser oder mit funktionierender, dauerhaft gewarteter Drainage (Zusatzkosten) zulässig. Die genauen Einsatzbedingungen sind der jeweiligen DIBt-Zulassung zu entnehmen.

Weitere Materialeigenschaften in der Übersicht:

 SchaumglasplattenXPS-Platten
HerstellungAuf Basis von Recyclingglas und QuarzsandAuf Basis von Erdöl
Lieferstärken50 -200 mm30-400 mm
BrandverhaltenA1 (A1)E (B2 bis B1)
Druckfestigkeit700 – 1600 kPa300 – 700 kPa
Wärmeleitfähigkeit0,037 – 0,060 (W/mK)0,028 – 0,042 (W/mK)
Wasserdampfdiffusionswiderstandµ = ∞ (also dampfdicht)µ = 100 – 200
Rohdichte100 – 165 kg/m³25 – 45 kg/m³
EigenschaftenWärmedämmung mäßig, hoher Preis, diffusionsdicht, keine Feuchteaufnahme, hohe Druckfestigkeit, Zulassung im Grundwasser bis 12 m Tiefe, chemikalienresistent, nicht brennbar, rein mineralisch, extrem langlebig, UV-resistentWärmedämmung sehr gut, kostengünstig, feuchteunempfindlich, druckfest, besonders leicht, Zulassung im Grundwasser bis max. 3,5 m Tiefe, UV-empfindlich, bei Durchfeuchtung geringere Dämmwerte
InhaltsstoffeSand 15%, Feldspat 20%, recycelte Inhaltsstoffe (Altglas) 50-60%, Sonstiges 5-15%Polystyrol 90-95%, Treibmittel 5-8%, Flammschutzmittel 0,5-3%, Additive <1%
Ökobilanz Treibhauspotenzial26 kg CO2-Äq. (Quelle: LEGEP Grafik Holger König)11 kg CO2-Äq. (Quelle: LEGEP Grafik Holger König)
Energieverbrauch Produktion (Graue Energie)21 MJ/kg (Quelle: nachhaltiges-bauen.de)110 MJ/kg (Quelle: nachhaltiges-bauen.de)
Aktueller RecyclingstatusBei Bitumenanhaftungen nur Wiederverwertung im Straßenbau als Schaumglasschotter möglich, als Bauschutt deponierbarKeine Wiederverwertung, Verbrennung in Abfallverbrennungsanlagen und Zementwerken
Quellenangaben

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