Aufzüge in der energetischen Sanierung
Fünf Punkte, die Energieberater, Planer und Baubiologen über Aufzüge im Bestand wissen sollten.
1. Energieverbrauch – kaum erfasst, dennoch relevant
Im Energieausweis nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist der Energieverbrauch für Aufzüge nicht enthalten. Aufzüge zählen zur Betriebstechnik, also nicht zur Gebäudehülle oder Anlagentechnik im engeren Sinn. Wer deren Energieverbrauch einordnen will, findet eine sachliche Grundlage in der Energieeffizienzklasse nach ISO 25745. Diese Norm bewertet Aufzüge nach ihrem Energiebedarf pro Nutzungszyklus und ermöglicht einen objektiven Vergleich zwischen Bestand und modernisierter Anlage. Viele Betreiber kennen die Energieeffizienzklasse ihrer Anlage nicht.
2. Antriebstechnik – sie macht den Unterschied
Hydraulikantriebe – in Bestandsgebäuden bis in die 1990er-Jahre weit verbreitet – wandeln Bremsenergie vollständig in Wärme um. Moderne Traktionssysteme mit regenerativem Antrieb gewinnen diese Energie zurück und speisen sie ins Hausnetz ein. So werden bis zu 75 Prozent der eingesetzten Bremsenergie zurückgewonnen und stehen für Stromverbraucher wie Beleuchtung oder Pumpen zur Verfügung. Ergänzend schalten intelligente Steuerungen die Anlage in Leerlaufphasen in einen Standby-Betrieb; der Verbrauch sinkt dabei um bis zu 80 Prozent gegenüber dem Dauerbetrieb. Bei Anlagen mit hoher Laufzeit, wie zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen, großen Mehrfamilienhäusern oder Verwaltungsgebäuden, ist dieser Faktor erheblich.


Arbeiten im Aufzugschacht und an der Elektronik zur Optimierung der Bremsenergie-Rückgewinnung sowie der Standby-Zeiten
3. Modernisierungstiefe – Teilmaßnahmen erzielen den Großteil der Einsparung
Eine vollständige Erneuerung der Anlage ist in vielen Fällen nicht erforderlich. Bei Standardaufzügen ab etwa 20 Jahren empfiehlt sich zunächst die Prüfung einer Teilmodernisierung. Dabei werden Antrieb und Steuerung ersetzt. Der energetisch relevante Anteil der Einsparung entsteht genau hier. Der Schacht, die Führungsschienen und die Kabine bleiben erhalten.
Ein Komplettaustausch wird sinnvoll, wenn Hydraulikanlagen älter als 20 Jahre oder nicht-standardisierte Anlagen älter als 40 Jahre betrieben werden; hier lohnt der Gesamtvergleich zwischen Betriebskosten der Bestandsanlage und Investition in eine neue Anlage.
4. Materialität und Ökobilanz – was in der Anlage steckt
Für energetisch ausgerichtete Sanierungsplanungen ist nicht nur der Betriebsverbrauch relevant, sondern auch der Energieverbrauch für die verwendeten Materialien. Für Aufzugsmodelle liegen inzwischen Umwelt-Produktdeklarationen nach ISO 14025 vor. Dieses Instrument ist Planenden aus anderen Produktbereichen vertraut und ermöglicht eine Bewertung von Materialeinsatz, Recyclinganteil und ökologischem Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Leichtbaumaterialien in Kabine und Mechanik reduzieren die bewegte Masse und damit den Energiebedarf jedes Fahrzyklus. Bis zu 90 Prozent der Komponenten entsprechend optimierter Anlagen sind wiederverwertbar. Stahl macht den größten Anteil der materialgebundenen Emissionen aus; der Recyclinganteil in der Lieferkette ist daher ein relevanter Parameter bei der Bewertung. Eine Modernisierung verlängert darüber hinaus die Lebensdauer der bestehenden Anlage und schiebt die Herstellung einer neuen Anlage samt den damit verbundenen Emissionen weit hinaus. Materialerhalt ist somit die nachhaltigere Entscheidung.
5. Integration in die Sanierungsplanung – eine offene Lücke
Dämmung, Fenster, Heizungsanlage folgen in der Sanierungsberatung etablierten Prüfroutinen. Der Aufzug gehört bislang nicht dazu, obwohl er in vielen Gebäuden zu den energieintensivsten Einzelaggregaten zählt. Eine vollständige energetische Bestandsaufnahme sollte deshalb die Anlage einschließen. Die Parameter Baujahr, Antriebsart, vorhandene oder fehlende Energieeffizienzklasse nach ISO 25745 und Betriebszeiten reichen für eine erste Einschätzung aus, ob eine Modernisierung wirtschaftlich und energetisch sinnvoll ist. Je nach Förderprogramm können Maßnahmen zur Modernisierung von Aufzügen förderfähig sein. Die konkreten Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten sollten im jeweiligen Einzelfall geprüft werden.
Weltweit stehen schätzungsweise zehn Millionen Aufzüge und Rolltreppen vor ihrer energetischen Erneuerung. KONE arbeitet an der Entwicklung von Aufzügen, die über ihren gesamten Lebenszyklus netto keine Emissionen verursachen. Jede Modernisierung reduziert Energieverbrauch und Emissionen unmittelbar. Gerade im Gebäudebestand liegt ein erheblicher Hebel für die Erreichung von Klimazielen und die nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen. Aufzüge sollten daher künftig selbstverständlich in die energetische Sanierungsplanung integriert werden.
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