Interview mit Heidi Stöhr – Baubiologische Beratungsstelle IBN

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Heidi Stöhr ist erfahrene Baubiologin IBN und kennt sich als gelernte Zimmerin bestens mit leimfreien Holzkonstruktionen aus. Als konsequente Ökologin hat sie in ihrer Region auch die „Grüne Hausnummer“ mitinitiiert und Kinder über gutes Lüften aufgeklärt.

Bau-Biologisches Bauen + Sanieren Heidi Stöhr

Große Gasse 2+9
DE-91793 Alesheim

DIE FRAGEN STELLTE

Achim

Pilz

freier Journalist, Kurator, Juror und Berater, Baubiologe IBN und Chefredakteur des Baubiologie Magazin.

Heidi, wann und warum wurdest du Baubiologin IBN?

Um meine beruflichen Erfahrungen durch fundiertes Hintergrundwissen zu ergänzen.

In welchen Bereichen hast du berufliche Erfahrungen gesammelt?

1976 habe ich als Zimmerin gelernt. Da waren laut DIN-Norm die sogenannten Holzschutzmittel zwingend vorgeschrieben. Entsprechend habe ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn ungeschützt nicht nur mit Holzschutzmitteln, sondern auch mit weiteren giftigen Baustoffen gearbeitet. Davon habe ich gesundheitliche Probleme wie Allergien bekommen.

In den 1990ern haben wir dann Holzhäuser gebaut, aber noch konventionell, also beispielsweise mit formaldehydhaltigen OSB-Platten und Folien. Das waren Häuser, in denen wir selbst nicht wohnen wollten. Deshalb haben wir uns auf die Suche gemacht, was man besser machen kann, wie wir mehr ökologische Baustoffe einsetzen können. Seit 2005 verarbeiten wir leimfreie Massivholzwände von Thoma Holz immer häufiger – mittlerweile sind die leimfreien Decken auch mit eingebauten Leitungen für Heizung und Kühlung erhältlich. 2009 habe ich mich mit dem Fernlehrgang des IBN als Baubiologin IBN qualifiziert. Danach haben wir auch weitere Bereiche wie etwa Dämmstoffe überdacht und ökologischer ausgeführt – zum Beispiel mit Thermohanf.

Welche ökologischen Baustoffe setzt ihr sonst noch ein?

Beispielsweise leimfreies Holz für Konstruktion und Oberflächen. Volles Holz ist volles Holz. Und in einem massiven Holzboden ist halt kein Leim drin. Wir verwenden Flächensysteme zum Heizen und Kühlen aus Lehm; für die Akustik mineralisierte Holzschüttung und Schafwollpaneele und für die Oberflächen Natuharzröle. Schafwolle empfehle ich, um Formaldehyd abzubauen, zum Beispiel auf den Rückwänden von Möbeln. Auch Fensteranschlüsse stopfen wir mit Schafwolle aus. Mir ist sehr wichtig, Menschen aufzuklären, was heute anders und besser gemacht werden kann.

Seit wann gibt es deine Baubiologische Beratungsstelle IBN?

Seit 2009.

1 Zu Informationsveranstaltungen über Sanierung und Neubau kommen auch ganze Familien
2 Besonders anschaulich wird baubiologisches Bauen anhand von Modellen
3 Präsentation meiner baubiologischen Beratungsstelle IBN auf einer Messe, auf der ich persönlich über natürliche Baustoffe, nachhaltige Neubauten und Sanierungen sowie gesundes Wohnen informiere
4 CO2-Messgerät für die Räume der Dorfschule
5 Gesamte Belegschaft der Baubiologischen Beratungsstelle IBN und der Firma Ortner und Stöhr inclusive Nachwuchs

Was waren deine lohnendsten Weiterbildungen?

Schon die zur Baubiologin IBN. Denn da ging es um die ganzheitlichen Zusammenhänge – von der Farbe bis zum Türeinbau. Das ist mir ein Herzensanliegen. Darauf aufbauend habe ich auch die Weiterbildung zur Baubiologischen Raumgestaltung IBN gemacht.

Setzt du die Baubiologische Raumgestaltung in deinem Berufsalltag ein?

Ja. Mitunter werde ich danach gefragt. Meist sind es Anfragen zu Inhaltsstoffen von Farben, manchmal auch zu Farbgestaltung. Ästhetik interessiert mich sehr. Wir haben einmal sogar ein Haus im goldenen Schnitt gebaut.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem IBN entwickelt?

Sie war immer sehr gut. Heute freue ich mich, dass das Institut eine junge Führungskraft hat. Das bedeutet für mich, dass das Ganze Zukunft hat.

Wer sind weitere wichtige Kooperationspartner von dir?

Bei der Zimmerei Ortner und Stöhr bin ich geringfügig angestellt. Dort mache ich Angebote und Abrechnungen. Außerdem prüfe ich neue Materialien. So haben wir beim Fenstereinbau immer Schafwolle aus der Region verwendet. Eines Tages waren dort 20 Prozent Stützfaser aus Kunststoff drin. Deshalb haben wir dann eine Schafwolle einer anderen Firma verwendet.

6 Mit einem Laserscanner erfassen wir auch denkmalgeschützte Bestandsgebäude präzise
7 Ein Einfamilienhaus wird zu fünf energieeffizienten und natürlich gestalteten Wohneinheiten
8 Ökologische und denkmalgerechte Sanierung eines Dreiseithofs, bei der auch der historische Dachstuhl, das Fachwerk und die Altane aus Eichenholz fachgerecht instandgesetzt wurden
9 Anbau einer Physiotherapiepraxis in leimfreier Massivholzbauweise und Fassade aus Mondphasenholz
10 Wohnraumerweiterung für drei Generationen unter einem Dach. Holzständerkonstruktion mit Diagonalschalung, Zellulosedämmung, Fassade aus heimischer Lärche und Holz-Aluminium-Fenstern

Wie macht ihr Werbung?

Wir machen fünf- bis sechsmal im Jahr Informationsveranstaltungen für Sanierungen und Neubau, bei denen wir unsere selbst gemachten Modelle zeigen. Von Thoma Haus haben wir für unsere Präsentationen, der angewandten Baubiologie und unserem ganzheitlichen Ansatz die Auszeichnung „GreenDots“ bekommen.

Eine schöne Aktion war die Verteilung von CO2-Messgeräten in unserer Dorfschule. Dabei habe ich den Kindern erzählt, warum gute Raumluft wichtig ist und wie richtiges Lüften dazu beiträgt.

In Fertighäusern sind Luft, Staub und Materialien häufig stark belastet. Hast du schon welche saniert?

Ja, einige. Bei einem Projekt habe ich als Baubiologische Beratungsstelle IBN Materialproben entnommen und auf dieser Grundlage Sanierungsempfehlungen gegeben. Die praktische Umsetzung erfolgte durch einen anderen Betrieb. Ein Fertighaus aus den 70er Jahren hat unsere Zimmerei mit aromadichten Folien saniert. Das war ein schwieriger Fall. Es ist sehr schön geworden und auch sehr gut. Bei einem Fall mit PCB habe ich Luftproben genommen. Dort haben wir die Decken runtergenommen, OSB-Platten und Mineralwolle-Dämmung ausgebaut und durch Naturdämmstoffe ersetzt.

11 Das Erdgeschoss des wohngesunden Hauses ist gemauert, das Obergeschoss aus leimfreiem Thoma Holz100 konstruiert und mit heimischer Lärche verkleidet.
12 Innenraum mit Lehmputz und zentralem Grundofen. Außenwände aus Massivholz und massive Eichendielen wirken warm und behaglich
13 Wohnraum mit 30,6 Zentimeter starken, leimfreien Massivholz-Außenwänden. Die Innenwände erhielten eine Lehmwandheizung
14 Natürlich, langlebig und wohngesund: Loggia mit Dielen aus Lärchenholz, mineralischer Putzfassade und leimfreier Massivholzdecke

Hattest du die Mineralwolle beprobt?

Nein, das war nicht nötig. Wir wussten, dass sie vor 1996 eingebaut wurde und aufgrund ihres Alters Fasern enthalten kann, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen.

Wie wichtig ist dir der Baubestand?

Der Baubestand ist mir sehr wichtig. Man kann nicht die Ortschaften ausbluten lassen und immer mehr neues Land versiegeln. Auch Denkmäler finde ich sinnlich und schön.

Arbeitet ihr auch in der Denkmalsanierung?

Ja, zum Beispiel gab es einmal ein wunderschönes Projekt mit Fachwerk und Lehmsteinen. Die Zimmerei hat den Auftrag bekommen, weil bekannt ist, dass wir schon lange baubiologisch arbeiten. Wir bekommen deshalb auch viele Bewerbungen von jungen Leuten. Sie wissen, dass wir umweltbewusst und nachhaltig bauen.

15 Beispiel einer nachhaltigen Sanierung: Das ca. 100 Jahre alte Dach wurde entkernt und die Deckung erneuert. Die Fenster blieben erhalten
16 Die Deckenbalken wurden statisch verstärkt und mit einer Schüttung aus mineralisiertem Holz akustisch ertüchtigt. Drei Balken erhielten ein neues Kopfstück
17 Die Zwischenwände bestehen aus Holzständern. Sie werden mit Thermohanf gedämmt und mit Gipsfaserplatten beplankt
18 Massives Eichenparkett kommt ganz ohne Leim aus
19 Die Oberfläche des Eichenparketts wurde mit Auro Naturharzöl geölt
20 Die Möbel aus Holz passen gut zu dem Eichenparkett und den sichtbaren Balken der Decke

Was war dein interessantestes Projekt?

Die „Grüne Hausnummer“ (Anmerkung der Redaktion: Auszeichnung für energieeffizientes und umweltgerechtes Bauen und Sanieren) war für mich ein echtes Leuchtturmprojekt, für die Baubiologie und für das, wofür ich brenne, weil wir damit viele Menschen erreichen. 2014 hatte ich im Landratsamt vorgeschlagen, dass im Kreis Altmühl-Franken eine grüne Hausnummer eingeführt wird, damit auch gesunde Baustoffe und die Baubiologie bekannter werden. Wir hatten einen Fragenkatalog erstellt, den Bewerber ausfüllen konnten. Mit dazu gehörten viele Dinge, wie auch Gartengestaltung. Ich freue mich, dass es seitdem bei uns die grüne Hausnummer gibt. Bei jeder Verleihung war ich mit in der Jury.

Was möchtest du deinen jungen baubiologischen Kolleginnen und Kollegen mitgeben?

Es ist wichtig, so wenig wie möglich Schadstoffe zu hinterlassen und auch zu Elektrosmog aufzuklären. Das wird manchmal zu unkritisch gesehen.

Quellenangaben

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Titelbild: Baubiologie Stöhr/Fa. Ortner & Stöhr GmbH

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