Villa im Energieverbund mit Passivhaussiedlung

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Passivhรคuser mit Pelletheizung: Eine Grรผnderzeitvilla wurde im Verbund mit zehn Wohn-Neubauten aufwรคndig energetisch saniert. Die Heizzentrale mit Pelletkessel, Solarthermie und groรŸem Speicher versorgt Villa und Neubauten รผber ein Nahwรคrmenetz. In sieben Jahren Nutzung hat sie sich bewรคhrt.

Autor

Achim

Pilz

freier Journalist, Kurator, Juror und Berater, Baubiologe IBN und Chefredakteur des Baubiologie Magazin.

In Purkersdorf bei Wien sanierte das Architekturbรผro Reinberg eine Grรผnderzeitvilla vom Ende des 19. Jahrhunderts. Begleitend zur Sanierung errichteten sie fรผnf Neubauten mit zehn Wohnungen. Der Wรคrmebedarf der gesamten Siedlung wird CO2-frei รผber eine gemeinsame Anlage aus Pelletheizung, thermischen Kollektoren und groรŸem, zentralen Wรคrmespeicher gedeckt.

Reprรคsentative Villa

Die denkmalgeschรผtzte Villa im Zentrum der Siedlung wurde in vier Wohnungen unterteilt. Auch unter dem ursprรผnglich nicht ausgebauten Dach wird jetzt gewohnt. Der gesamte Dachstuhl ist jetzt aus Brettsperrholz. Das massive Holzdach ist von innen bis unter den Giebel zu sehen. Das warme Holz wirkt wohnlich und puffert Luftfeuchtigkeit. Sรผdseitig wurde das Dach mit groรŸformatigen Dachkollektoren eingedeckt. Die sorgfรคltige und detaillierte energetische Planung, Luftdichtigkeit und Lรผftungswรคrmerรผckgewinnung รผber dezentrale Lรผftungsgerรคte reduzieren den Heizwรคrmebedarf auf 20 kWh/m2a.

Der hรถhere Heizwรคrmebedarf gegenรผber den gleichzeitig realisierten Neubauten ergibt sich aus der grรถรŸeren Raumhรถhe und aus den nicht รผberall passivhausgerecht verbesserbaren Details im Bestand, insbesondere im Keller und Fundamentbereich. Ursprรผnglich war geplant, eine bestehende Veranda als Wintergarten zu verglasen und in das Lรผftungskonzept einzubinden. Sie hรคtte den Mehrbedarf an Wรคrme gut kompensieren kรถnnen. Aus Kostengrรผnden entfiel die Veranda. Ebenfalls aus Kostengrรผnden wurde der Altbau mit Polystyrol gedรคmmt, ein Kompromiss, der auch wegen den Auflagen des Denkmalschutzes nรถtig wurde.

1 Das neue Villen-Dach aus Vollholz veredelt den Raum
2 In den Neubauten sind Wรคnde und Decken aus Brettsperrholz
3 Der Schichtenspeicher und der Lagerraum fรผr die Pellets finden im ehemaligen Pfรถrtnerhรคuschen Platz

Proportionen

Bei der Sanierung der Villa wurden die Proportionen der reprรคsentativen Innenrรคume ebenso erhalten, wie die des รคuรŸeren Erscheinungsbildes. Die bestehende relativ einfache und schon zur Erbauungszeit vorgefertigte Fassadengliederung wurde genau dokumentiert und grรถรŸtenteils abgebrochen. Dann erhielt die gesamte Fassade ein dickes Wรคrmedรคmmverbundsystem (WDVS). AbschlieรŸend wurde die ursprรผngliche Oberflรคche aus Kalkputz und Kalkfarbe im ursprรผnglichen Farbton (so weit eruierbar) wieder hergestellt. Innovative Teile der Sanierung wie Fenster und Putz wurden รผber das Forschungsprogramm โ€žHaus der Zukunftโ€œ gefรถrdert. Das gesamte Projekt wurde aus Mitteln der Niederรถsterreichischen Wohnbaufรถrderung finanziert.

Fokus Fenster

โ€žMan kann durchaus auch alte Fenster energetisch sanierenโ€œ, betont Georg W. Reinberg, einer der Leiter des ausfรผhrenden Architekturbรผros. Auch wenn die Berechnungen dazu relativ kompliziert waren. Die sรผdlichen โ€“ reprรคsentativen โ€“ Kastenfenster der Villa sehen heute von auรŸen aus wie frรผher. Neben den Rahmen ist auch die รคuรŸere Einscheibenverglasung original. โ€žWir wollten das Bild von den alten Fenstern ganz erhaltenโ€œ, erklรคrt der Architekt. โ€žEin einfaches Glas gibt ein anderes Bild als eine Isolierverglasung.โ€œ Entsprechend der Dรคmmschichtdicke wurden sie nach auรŸen verschoben. In die sanierten Flรผgel innen wurden hรถherwertige Isolierglรคser eingesetzt. Die Fenster nach Norden wurden innenseitig renoviert. Ihre AuรŸenflรผgel wurden durch auรŸenbรผndige, nach auรŸen รถffnende Niedrigenergiefenster ersetzt. Weitere Fenster in neu geschaffenen ร–ffnungen sind moderne Passivhausfenster aus Holz.

Neubauten

Die Neubauten sind fรผr passive Solarnutzung optimiert. Die Gebรคude sind sรผdorientiert und รถffnen sich mit groรŸen Verglasungen zur Sonne. Es gibt drei unterschiedliche Gebรคudetypen: eine sรผdliche Zeile an der StraรŸe mit vier Einheiten, ein Doppelhaus, drei Einfamilienhรคuser und einen Anbau an die Villa. Das Erdgeschoss der Neubauten ist hangseitig aus Beton. Die Wohnbereiche sind aus Brettsperrholzplatten mit auรŸen liegender Wรคrmedรคmmung, die durch eine hinterlรผftete Holzverschalung geschรผtzt ist. Aus Brandschutzgrรผnden sind die Holzbauten mit Steinwolle gedรคmmt.

1 Durch die Topografie gewinnt die Siedlung
2 Denkmalgeschรผtzte Villa und die auf passive Solarnutzung optimierten Neubauten erhalten รผber ein Nahwรคrmenetz die Wรคrme von Sonne und Holz
3 Die aktiven Komponenten des Energiekonzepts. Die als Verschattung geplante Photovoltaik wurde aus Kostengrรผnden nicht realisiert

Standardisierte Pellets

Wรคhrend in der Villa der Pelletkessel untergebracht wurde, liegen das Pelletlager und der Wรคrmespeicher in dem nahe gelegenen ehemaligen Pfรถrtnerhรคuschen. Es kann von der StraรŸe aus gut mit Pellets versorgt werden. Aus dem Lager werden die Pellets weiter in den Kessel im Keller der Villa geblasen. โ€žDa haben wir zuerst Angst gehabt, dass der Weg zu lang istโ€œ, erinnert sich der Architekt. Der Weg betrรคgt zwar keine drei Meter, weist aber einige Kurven auf. Dennoch funktioniert die Fรถrderung mit Druckluft sehr gut. Georg W. Reinberg ist ร–kologie sehr wichtig. โ€žHackschnitzel sind eigentlich รถkologisch besserโ€œ, merkt er an. โ€žNoch besser wรคre ein Stรผckgutofen, weil da noch weniger Verarbeitungsenergie drin steckt, aber da ist die Automatisierung noch nicht ausgereift. Pellets sind am besten, wenn man sich um wenig kรผmmern will.โ€œ 2013, 14 und 15 wurden jeweils durchschnittlich 27.340 kg Pellets verbraucht.

Energiekonzept

Das Energiekonzept setzt โ€“ entsprechend den Prinzipien des Passivhauses โ€“ auf sehr gute Wรคrmespeicherung. Eine gute Dรคmmung, Fenster und Tรผren in Passivhausqualitรคt, hochwertige Detaillรถsungen, luftdichte Konstruktionen und eine kontrollierte Lรผftung mit Wรคrmerรผckgewinnung minimieren den Heizwรคrmebedarf. Die Wohnungen werden รผber ein Zweileitersystem mit Warm- und Heizwasser versorgt, so dass nur ein Zรคhler je Wohnung nรถtig ist. Die Siedlung erreicht damit den Passivhausstandard nach niederรถsterreichischen Regeln. Fรผr die Sanierung entspricht das nicht ganz dem Standard des deutschen Passivhaus-Instituts. Wesentlich fรผr das Nachhaltigkeitskonzept ist auch der Einsatz von massiven Holzelementen fรผr die Wรคnde der Neubauten sowie die Dรคcher des Altbaus und der Neubauten. Das Holz ist CO2-Speicher und senkt den Verbrauch an grauer Energie. Die ร–kobilanz ist dadurch sehr gut und vielen modernen Passivhรคusern รผberlegen.

Nahwรคrmenetz

Der Pelletkessel im Keller der Villa heizt das Wasser auf ca. 80 ยบC. รœber ein Nahwรคrmenetz wird es in den groรŸen Schichtenspeicher im Pfรถrtnerhรคuschen eingelagert, ebenso die Wรคrme einer 60 m2 groรŸen Solarthermieanlage auf dem Dach der Villa. Diese deckt ca. ein Drittel des gesamten Wรคrmebedarfes der Siedlung. Das Nahwรคrmenetz versorgt die Wohnungen mit 65 ยบC warmem Wasser. รœber eine Wohnungsรผbergabestation erwรคrmt es das Warmwasser im Durchlaufprinzip und versorgt รผber das gleiche Leitungssystem die Radiatoren. Jede einzelne Wohnung ist zudem mit einem dezentralen Lรผftungsgerรคt mit Wรคrmerรผckgewinnung, jedoch ohne Nachheizung ausgestattet. โ€žWir sehen, dass so die individuelle Steuerung einfacher istโ€œ, begrรผndet der Architekt die Wahl. Die Heizleistung der Radiatoren ist groรŸ genug fรผr die Neubauten mit ihren groรŸen Sรผdfenstern und die hohen Rรคume im Altbau. Zudem kรถnnen die Rรคume so individuell temperiert werden. Vor รœberhitzung durch Sonne schรผtzen innen liegende Rollos. Dort wo bauphysikalisch notwendig, wurden auรŸen liegende Verschattungen eingebaut. รœberall wurde eine Nachrรผstung vorgesehen, die inzwischen weitgehend umgesetzt ist. Damit ist die Siedlung eine vorbildliche Lรถsung, die zeigt, wie durch die Vernetzung von Alt und Neu Synergien erzeugt werden kรถnnen. Insgesamt 14 komfortable, weitgehend baubiologische Wohnungen sind so entstanden.

Baudaten Passivhaussiedlung in Wien/Purkersdorf, ร–sterreich

BauherrAufbauwerk der รถsterr. Jungarbeiterbewegung
ArchitektenArchitekturbรผro Reinberg ZT GmbH, Wien, reinberg.net
Bauzeit VillaEnde 19. Jahrhundert
Sanierung und Neubauten2009
WohnnutzflรคchenSanierung ca. 560 m2, Neubauten 1.136 m2
PelletkesselUSV D 80 kW, KWB
Thermische Kollektoren60 m2
Schichtenspeicher3.500 Liter
Quellenangaben

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3 Kommentare

  1. Das ist ein sehr interessanter Artikel zum Thema Pelletkessel. Ich habe mir schon einige Beitrรคge dazu durchgelesen.

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  2. wunderbar. Hoffentlich sind Speicher und naher Wald gemeinsam so hitzeresilient, dass nicht gekรผhlt werden muss. Innerstรคdtisch sind Pellets keine Lรถsung, dafรผr ist das Grundwasser so heiรŸ, dass man bald direkt in die FuรŸbodenheizung damit fahren kann (Innsbruck teils 19ยฐC, Wien angeblich 17ยฐC). Mein nur teilsaniertes Althaus mit 12 Wohnungen kรถnnte 5 sanierte Nachbarhรคuser mit der genehmigten Entnahmemenge heizen und kรผhlen. Wir geben derzeit mit 10,7ยฐC das Wasser retour, kรถnnte also leicht noch einmal genutzt werden, alle 6 Jahre steigt die Temperatur um 1ยฐC, wenn der Trend anhรคlt (immer mehr Gebรคude kรผhlen ins Grundwasser). Pellets sind, bis die letzten Fichten unter 1.200 m abgestorben sind, eine gute รœbergangslรถsung. Wer dem Wald ร„ste, Rinde und Blรคtter entnimmt, entzieht ihm massiv Mineralstoffe!

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  3. Sehr schรถnes Projekt

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Fotos und Grafik: Architekturbรผro Reinberg ZT

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Achim

Pilz

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Gibt es "Passende Literaturtipps"?: ja

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