Villa im Energieverbund mit Passivhaussiedlung
In Purkersdorf bei Wien sanierte das Architekturbรผro Reinberg eine Grรผnderzeitvilla vom Ende des 19. Jahrhunderts. Begleitend zur Sanierung errichteten sie fรผnf Neubauten mit zehn Wohnungen. Der Wรคrmebedarf der gesamten Siedlung wird CO2-frei รผber eine gemeinsame Anlage aus Pelletheizung, thermischen Kollektoren und groรem, zentralen Wรคrmespeicher gedeckt.
Reprรคsentative Villa
Die denkmalgeschรผtzte Villa im Zentrum der Siedlung wurde in vier Wohnungen unterteilt. Auch unter dem ursprรผnglich nicht ausgebauten Dach wird jetzt gewohnt. Der gesamte Dachstuhl ist jetzt aus Brettsperrholz. Das massive Holzdach ist von innen bis unter den Giebel zu sehen. Das warme Holz wirkt wohnlich und puffert Luftfeuchtigkeit. Sรผdseitig wurde das Dach mit groรformatigen Dachkollektoren eingedeckt. Die sorgfรคltige und detaillierte energetische Planung, Luftdichtigkeit und Lรผftungswรคrmerรผckgewinnung รผber dezentrale Lรผftungsgerรคte reduzieren den Heizwรคrmebedarf auf 20 kWh/m2a.
Der hรถhere Heizwรคrmebedarf gegenรผber den gleichzeitig realisierten Neubauten ergibt sich aus der grรถรeren Raumhรถhe und aus den nicht รผberall passivhausgerecht verbesserbaren Details im Bestand, insbesondere im Keller und Fundamentbereich. Ursprรผnglich war geplant, eine bestehende Veranda als Wintergarten zu verglasen und in das Lรผftungskonzept einzubinden. Sie hรคtte den Mehrbedarf an Wรคrme gut kompensieren kรถnnen. Aus Kostengrรผnden entfiel die Veranda. Ebenfalls aus Kostengrรผnden wurde der Altbau mit Polystyrol gedรคmmt, ein Kompromiss, der auch wegen den Auflagen des Denkmalschutzes nรถtig wurde.

Das neue Villen-Dach aus Vollholz veredelt den Raum
In den Neubauten sind Wรคnde und Decken aus Brettsperrholz
Der Schichtenspeicher und der Lagerraum fรผr die Pellets finden im ehemaligen Pfรถrtnerhรคuschen Platz1 Das neue Villen-Dach aus Vollholz veredelt den Raum2 In den Neubauten sind Wรคnde und Decken aus Brettsperrholz3 Der Schichtenspeicher und der Lagerraum fรผr die Pellets finden im ehemaligen Pfรถrtnerhรคuschen Platz
Proportionen
Bei der Sanierung der Villa wurden die Proportionen der reprรคsentativen Innenrรคume ebenso erhalten, wie die des รคuรeren Erscheinungsbildes. Die bestehende relativ einfache und schon zur Erbauungszeit vorgefertigte Fassadengliederung wurde genau dokumentiert und grรถรtenteils abgebrochen. Dann erhielt die gesamte Fassade ein dickes Wรคrmedรคmmverbundsystem (WDVS). Abschlieรend wurde die ursprรผngliche Oberflรคche aus Kalkputz und Kalkfarbe im ursprรผnglichen Farbton (so weit eruierbar) wieder hergestellt. Innovative Teile der Sanierung wie Fenster und Putz wurden รผber das Forschungsprogramm โHaus der Zukunftโ gefรถrdert. Das gesamte Projekt wurde aus Mitteln der Niederรถsterreichischen Wohnbaufรถrderung finanziert.
Fokus Fenster
โMan kann durchaus auch alte Fenster energetisch sanierenโ, betont Georg W. Reinberg, einer der Leiter des ausfรผhrenden Architekturbรผros. Auch wenn die Berechnungen dazu relativ kompliziert waren. Die sรผdlichen โ reprรคsentativen โ Kastenfenster der Villa sehen heute von auรen aus wie frรผher. Neben den Rahmen ist auch die รคuรere Einscheibenverglasung original. โWir wollten das Bild von den alten Fenstern ganz erhaltenโ, erklรคrt der Architekt. โEin einfaches Glas gibt ein anderes Bild als eine Isolierverglasung.โ Entsprechend der Dรคmmschichtdicke wurden sie nach auรen verschoben. In die sanierten Flรผgel innen wurden hรถherwertige Isolierglรคser eingesetzt. Die Fenster nach Norden wurden innenseitig renoviert. Ihre Auรenflรผgel wurden durch auรenbรผndige, nach auรen รถffnende Niedrigenergiefenster ersetzt. Weitere Fenster in neu geschaffenen รffnungen sind moderne Passivhausfenster aus Holz.
Neubauten
Die Neubauten sind fรผr passive Solarnutzung optimiert. Die Gebรคude sind sรผdorientiert und รถffnen sich mit groรen Verglasungen zur Sonne. Es gibt drei unterschiedliche Gebรคudetypen: eine sรผdliche Zeile an der Straรe mit vier Einheiten, ein Doppelhaus, drei Einfamilienhรคuser und einen Anbau an die Villa. Das Erdgeschoss der Neubauten ist hangseitig aus Beton. Die Wohnbereiche sind aus Brettsperrholzplatten mit auรen liegender Wรคrmedรคmmung, die durch eine hinterlรผftete Holzverschalung geschรผtzt ist. Aus Brandschutzgrรผnden sind die Holzbauten mit Steinwolle gedรคmmt.

Durch die Topografie gewinnt die Siedlung
Denkmalgeschรผtzte Villa und die auf passive Solarnutzung optimierten Neubauten erhalten รผber ein Nahwรคrmenetz die Wรคrme von Sonne und Holz
Die aktiven Komponenten des Energiekonzepts. Die als Verschattung geplante Photovoltaik wurde aus Kostengrรผnden nicht realisiert1 Durch die Topografie gewinnt die Siedlung2 Denkmalgeschรผtzte Villa und die auf passive Solarnutzung optimierten Neubauten erhalten รผber ein Nahwรคrmenetz die Wรคrme von Sonne und Holz3 Die aktiven Komponenten des Energiekonzepts. Die als Verschattung geplante Photovoltaik wurde aus Kostengrรผnden nicht realisiert
Standardisierte Pellets
Wรคhrend in der Villa der Pelletkessel untergebracht wurde, liegen das Pelletlager und der Wรคrmespeicher in dem nahe gelegenen ehemaligen Pfรถrtnerhรคuschen. Es kann von der Straรe aus gut mit Pellets versorgt werden. Aus dem Lager werden die Pellets weiter in den Kessel im Keller der Villa geblasen. โDa haben wir zuerst Angst gehabt, dass der Weg zu lang istโ, erinnert sich der Architekt. Der Weg betrรคgt zwar keine drei Meter, weist aber einige Kurven auf. Dennoch funktioniert die Fรถrderung mit Druckluft sehr gut. Georg W. Reinberg ist รkologie sehr wichtig. โHackschnitzel sind eigentlich รถkologisch besserโ, merkt er an. โNoch besser wรคre ein Stรผckgutofen, weil da noch weniger Verarbeitungsenergie drin steckt, aber da ist die Automatisierung noch nicht ausgereift. Pellets sind am besten, wenn man sich um wenig kรผmmern will.โ 2013, 14 und 15 wurden jeweils durchschnittlich 27.340 kg Pellets verbraucht.
Energiekonzept
Das Energiekonzept setzt โ entsprechend den Prinzipien des Passivhauses โ auf sehr gute Wรคrmespeicherung. Eine gute Dรคmmung, Fenster und Tรผren in Passivhausqualitรคt, hochwertige Detaillรถsungen, luftdichte Konstruktionen und eine kontrollierte Lรผftung mit Wรคrmerรผckgewinnung minimieren den Heizwรคrmebedarf. Die Wohnungen werden รผber ein Zweileitersystem mit Warm- und Heizwasser versorgt, so dass nur ein Zรคhler je Wohnung nรถtig ist. Die Siedlung erreicht damit den Passivhausstandard nach niederรถsterreichischen Regeln. Fรผr die Sanierung entspricht das nicht ganz dem Standard des deutschen Passivhaus-Instituts. Wesentlich fรผr das Nachhaltigkeitskonzept ist auch der Einsatz von massiven Holzelementen fรผr die Wรคnde der Neubauten sowie die Dรคcher des Altbaus und der Neubauten. Das Holz ist CO2-Speicher und senkt den Verbrauch an grauer Energie. Die รkobilanz ist dadurch sehr gut und vielen modernen Passivhรคusern รผberlegen.
Nahwรคrmenetz
Der Pelletkessel im Keller der Villa heizt das Wasser auf ca. 80 ยบC. รber ein Nahwรคrmenetz wird es in den groรen Schichtenspeicher im Pfรถrtnerhรคuschen eingelagert, ebenso die Wรคrme einer 60 m2 groรen Solarthermieanlage auf dem Dach der Villa. Diese deckt ca. ein Drittel des gesamten Wรคrmebedarfes der Siedlung. Das Nahwรคrmenetz versorgt die Wohnungen mit 65 ยบC warmem Wasser. รber eine Wohnungsรผbergabestation erwรคrmt es das Warmwasser im Durchlaufprinzip und versorgt รผber das gleiche Leitungssystem die Radiatoren. Jede einzelne Wohnung ist zudem mit einem dezentralen Lรผftungsgerรคt mit Wรคrmerรผckgewinnung, jedoch ohne Nachheizung ausgestattet. โWir sehen, dass so die individuelle Steuerung einfacher istโ, begrรผndet der Architekt die Wahl. Die Heizleistung der Radiatoren ist groร genug fรผr die Neubauten mit ihren groรen Sรผdfenstern und die hohen Rรคume im Altbau. Zudem kรถnnen die Rรคume so individuell temperiert werden. Vor รberhitzung durch Sonne schรผtzen innen liegende Rollos. Dort wo bauphysikalisch notwendig, wurden auรen liegende Verschattungen eingebaut. รberall wurde eine Nachrรผstung vorgesehen, die inzwischen weitgehend umgesetzt ist. Damit ist die Siedlung eine vorbildliche Lรถsung, die zeigt, wie durch die Vernetzung von Alt und Neu Synergien erzeugt werden kรถnnen. Insgesamt 14 komfortable, weitgehend baubiologische Wohnungen sind so entstanden.
Baudaten Passivhaussiedlung in Wien/Purkersdorf, รsterreich
| Bauherr | Aufbauwerk der รถsterr. Jungarbeiterbewegung |
| Architekten | Architekturbรผro Reinberg ZT GmbH, Wien, reinberg.net |
| Bauzeit Villa | Ende 19. Jahrhundert |
| Sanierung und Neubauten | 2009 |
| Wohnnutzflรคchen | Sanierung ca. 560 m2, Neubauten 1.136 m2 |
| Pelletkessel | USV D 80 kW, KWB |
| Thermische Kollektoren | 60 m2 |
| Schichtenspeicher | 3.500 Liter |
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Das ist ein sehr interessanter Artikel zum Thema Pelletkessel. Ich habe mir schon einige Beitrรคge dazu durchgelesen.
wunderbar. Hoffentlich sind Speicher und naher Wald gemeinsam so hitzeresilient, dass nicht gekรผhlt werden muss. Innerstรคdtisch sind Pellets keine Lรถsung, dafรผr ist das Grundwasser so heiร, dass man bald direkt in die Fuรbodenheizung damit fahren kann (Innsbruck teils 19ยฐC, Wien angeblich 17ยฐC). Mein nur teilsaniertes Althaus mit 12 Wohnungen kรถnnte 5 sanierte Nachbarhรคuser mit der genehmigten Entnahmemenge heizen und kรผhlen. Wir geben derzeit mit 10,7ยฐC das Wasser retour, kรถnnte also leicht noch einmal genutzt werden, alle 6 Jahre steigt die Temperatur um 1ยฐC, wenn der Trend anhรคlt (immer mehr Gebรคude kรผhlen ins Grundwasser). Pellets sind, bis die letzten Fichten unter 1.200 m abgestorben sind, eine gute รbergangslรถsung. Wer dem Wald รste, Rinde und Blรคtter entnimmt, entzieht ihm massiv Mineralstoffe!
Sehr schรถnes Projekt