Wie alte Trinkwasserleitungen sanieren?

Für alte Trinkwasserleitungen werden als schnelle Sanierungsmethode Innenbeschichtungen mit Epoxidharz, GFK – also glasfaserverstärkten Kunststoffen – oder Zementmörtel angeboten. Wie sind diese Verfahren aus baubiologischer Sicht zu bewerten?

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Antwort

Innenbeschichtungen („Relining“) werden eingesetzt, um korrodierte Trinkwasserleitungen ohne vollständigen Austausch weiter nutzen zu können. Technisch funktioniert das folgendermaßen: Um die Rohre abzudichten, die Korrosion zu stoppen und dadurch die Nutzungsdauer zu verlängern, werden sie gereinigt und anschließend mit Epoxidharz-, Zementmörtel- oder anderen Kunststoffsystemen ausgekleidet. Der Vorteil liegt auf der Hand: kein kostspieliger und zeitaufwändiger Austausch der bestehenden Leitungen. 

Aus baubiologischer Sicht sind diese Verfahren jedoch kritisch zu betrachten, insbesondere im direkten Kontakt mit Trinkwasser. Schließlich geht es nicht nur um die Sanierungsmaterialien, sondern auch um die Kombination mit vorhandenen Materialien, die Verarbeitungsqualität und das Langzeitverhalten. Fehler in der Ausführung können zu Ablösungen, Unterwanderung, Biofilmbildung oder hygienischen Schwachstellen führen. Auch eine mögliche gesundheitsbelastende Trinkwasserbelastung z. B. auf Basis von Restmonomeren oder Aushärteprodukten wird kontrovers diskutiert, insbesondere bei unvollständig kontrollierten Systemen.

Laut Trinkwasserverordnung dürfen in Deutschland Materialien die Trinkwasserqualität nicht nachteilig beeinflussen. Bewertet und zugelassen werden Werkstoffe u. a. durch das Umweltbundesamt. Zusätzlich definieren technische Regeln des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) sowie einschlägige Normen (DIN EN 806, DIN 1988, TRWI…) Anforderungen an Hygiene, Materialeignung und Verarbeitung. Entscheidend ist: Nicht jedes am Markt angebotene Beschichtungssystem erfüllt automatisch diese aktuellen Anforderungen, eine genaue Produktprüfung ist unabdingbar.

Ein weiteres Problem ist die langfristige Sicherheit. Hersteller versprechen oft eine Lebensdauer von 20 bis 50 Jahren, doch diese sind stark abhängig von Rohrzustand, der Zusammensetzung des Trinkwassers sowie der Ausführungsqualität. Bei bereits geschädigten Leitungen (z. B. Lochkorrosion) bleibt die strukturelle Schwächung des Systems bestehen – die Beschichtung „überdeckt“ dann eher das Problem, anstatt es nachhaltig zu beheben.

Aus baubiologischer und hygienischer Sicht gilt daher: In den meisten Fällen solle die vollständige Erneuerung der Trinkwasserinstallation bevorzugt werden, da diese die höchste Sicherheit bzgl. Planung, Toxizität und Hygiene bietet. Sollte das in gut begründeten Einzelfällen nicht möglich bzw. wirtschaftlich vertretbar sein, sollten die Rohrsanierungsarbeiten von Baubiologischen Messtechniker/innen IBN oder anderen dafür qualifizierten Fachleuten begleitet werden. 

Diese Frage beantwortete Josef Frey, Architekt und Mitarbeiter im IBN

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