Lichtverschmutzung

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Dauerstress für Flora und Fauna am Beispiel der LED-Straßenbeleuchtung. Der Earth Overshoot Day fiel 2018 auf den 1. August. So früh wie nie zuvor war damit jener Tag des Jahres erreicht, an dem der weltweite Ressourcenverbrauch die Regenerationsfähigkeit der Erde übersteigt.

Viele Förderprogramme des Bundes zielen darauf ab, diesen Negativtrend zu stoppen. Diesen Konzepten zur Reduzierung der CO2 Emissionen fehlt jedoch der ganzheitliche Ansatz, wie Zukunftslotse Thomas Strobel am Beispiel der LED-Straßenbeleuchtung kritisiert.

Das Bundesumweltministerium hat ein Förderprogramm verlängert, das den LED-Einsatz in der Straßenbeleuchtung subventioniert. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 9 Mio. Straßenleuchten mit einem Jahresverbrauch von rund 4 Mrd. Kilowattstunden. Nach Angaben der Deutschen Energie- Agentur entfallen auf diese Beleuchtung 30 bis 50 % des Strombedarfs der Kommunen. Seit Jahren und gegen Bedenken der Wissenschaft zum Stichwort Lichtverschmutzung begünstigt der Bund über finanzielle Zuschüsse die Neuanschaffung von Straßenleuchten auf Basis lichtemittierender Dioden – kurz LED. Diese Beleuchtungssysteme zeichnen sich zwar durch einen geringen Energieverbrauch aus, haben jedoch umweltrelevante Unzulänglichkeiten.

1 Dauerstress für Flora und Fauna: Die nächtliche Lichtverschmutzung steigt weiter an
2 Zukunftslotse Strobel vor einer Biotop-Fläche im bayerischen Bodenmais: Aus Naturschutz-Gründen nicht zu betreten – aber nachts beleuchtet …

Eine ökologisch bedenkliche Komponente der LED-Leuchten, ist ihr relativ hoher Anteil an blauem Licht. Dieses kann bei höheren Wirbeltieren zu Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus sowie zu zeitlichen und saisonalen Verzerrungen in Ökosystemen führen. Es hemmt beispielsweise die Produktion des Hormons Melatonin und kann so zu Störungen des Schlafes, des Stoffwechsels und der Immunabwehr führen.

Dr. Sibylle Schroer, Koordinatorin des Projektes „Verlust der Nacht“, sagt: „Viele Kommunen investieren in neue Beleuchtungstechnologie, ohne sich mit den verfügbaren Möglichkeiten auseinander zu setzen. LED-Beleuchtung ist nur dann empfehlenswert, wenn die Potenziale der Technologie – etwa die nutzungsangepasste Intensität der Beleuchtung – tatsächlich ausgeschöpft werden, z. B. mit zeitlich variablen Dimmern.“

Bei Neuinstallationen wird jedoch die hohe Effizienz der LED-Beleuchtung selten berücksichtigt. Um sie energiesparend zu verwenden, sollte die Intensität des Lichts verringert werden. Weil das oft nicht ausreichend geschieht, ist die Energieersparnis oft enttäuschend und es kommt zu Bürgerprotesten gegen das zu helle Licht.

Vergleich zwischen verschiedenen Beleuchtungssystemen:
Der blaue Lichtanteil wirkt sich auf den Tag-Nacht Rhythmus höherer Wirbeltiere aus

Es gibt durchaus ökologisch unbedenkliche, wirtschaftlich sinnvolle Alternativen zu den unter Energiesparpriorität geförderten LED-Leuchten. Die Rede ist beispielsweise von hoch effizienten Natriumdampflampen (NAV). Deren Licht hat einen äußerst geringen Blaulichtanteil und lässt sich mit Dimmtechnik im Energieverbrauch auf das niedrige LED-Niveau drosseln. Zudem sind NAV-Leuchten billiger und garantieren den Kommunen dank relativ kurzer Amortisationszeit erhebliche Entlastungen im Haushalt. Trotz dieser Vorteile wird der NAV-Einsatz vom Bund jedoch nicht gefördert.

Statt einzelne Produkte zu fördern, sollte der Staat Forschung und Entwicklung zu geeigneten Technologien und Anlagen gegen den Lichtmüll unterstützen: Etwa in Richtung neuer Beleuchtungssysteme mit Filtern, die das Lichtspektrum durch eine Reduzierung des Blau-Anteils natürlicher machen und eine stark gedimmte Minimalbeleuchtung ermöglichen, die über einen Bewegungssensor erst bei Annäherung heller wird. Aussichtsreich erschiene auch die Nutzung von Elektro- oder Biolumineszenz als Basis einer energiesparenden, lichtarmen Grundbeleuchtung. So ließe sich der Erdüberschusstag auf dem Jahres-Kalender vielleicht wieder ein Stück nach hinten verschieben. Das setze allerdings auch eine gesamtheitlich konzipierte, auf wachsende Nachhaltigkeit gerichtete Förderpolitik des Bundes voraus.

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1 Comment

  1. Auch Kleinstädte können großes bewirken. Fulda, eine Stadt in Osthessen, ist eine Vorreiter Stadt, was Lichtverschmutzung angeht. Sie wurde als einzige Stadt in Deutschland von der international Dark Sky Association in den USA als “Sternenstadt” ausgezeichnet.
    Es wurden bereits zahlreiche Leuchten auf umweltfreundliche LED umgerüstet und nachts wird das Licht um 50% gedimmt.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bild 1: www.nasa.gov
Titelbild, Bild 2: Strobel
Diagramme: IGB, Forschungsverbund “Verlust der Nacht”

Autor

Uwe

Manzke

freier Journalist bei der IWP Wissenschaftsredaktion in Berlin

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