Mulino della Compagnia: Sanierung einer alten Mühle – Masterthesis

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Eine seit 70 Jahren verlassene Mühle wurde dank einer baubiologischen Sanierung in Verbindung mit einem gemeinschaftlichen Wohn- und Arbeitskonzepts nachhaltig und zukunftsweisend wiederbelebt.

Autorin
Architektin Rebecca Müller – Autorin im Baubiologie Magazin des IBN

Rebecca

Müller

Architektin, 50022 Greve in Chianti (IT)

Wie kann Architektur die Gesundheit der Erde und der Menschen erhalten?

Als Themen für meine Masterthesis habe ich die Baubiologie und die Altbausanierung gewählt, da ich diese Kombination als die nachhaltigste Art des Bauens ansehe (Anm. der Redaktion: Eine Masterthesis ist eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, die Studierende im Masterstudium anfertigen).

Wesentliche Ziele der Baubiologie sind die Schaffung eines gesunden Raumklimas, die Einsparung von Ressourcen, die Förderung eines energieeffizienten Gebäudebetriebs, der Aufbau regionaler Versorgungsnetzwerke und die Gestaltung eines naturnahen Lebensumfeldes. In diesem Sinne fordert die Baubiologie eine ganzheitliche Planungsstrategie und Projektentwicklung unter Verwendung ökologischer, nachwachsender und wiederverwendbarer Materialien.

1 Aspekte der Baubiologie

Altbausanierung

Die Nachhaltigkeit von Gebäuden verbessert sich, wenn deren Nutzungsdauer durch Sanierung verlängert wird. Die Erhaltung bestehender Gebäudesubstanz minimiert den Materialverbrauch und das Müllaufkommen. Außerdem lassen sich durch die Wiederbelebung verlassener Orte kulturelle Denkmäler erhalten.

Das Bestandsgebäude

Die „Mulino della Compagnia“ war eine mit Wasser angetriebene Mühle im Chianti (Toskana), welche bis 1951 bewohnt war. Erste Aufzeichnungen, dass diese Bebauung als Wohnstandort genutzt wurde, finden sich um 1597. Erweitert und modernisiert wurde sie 1908. 2004 wurde sie teilsaniert. Das Gebäude befindet sich in einer Talsenke auf 275 m ü. NN, isoliert in einer Waldlichtung, kann aber aus dem benachbarten Dorf in fünf Fahrminuten erreicht werden. Das dazugehörige Land von 20 Hektar Fläche wurde früher landwirtschaftlich genutzt.

Die verlassene Mühle entspricht der traditionellen Bauweise des Chiantis. Das monolithische Natursteinmauerwerk aus Alberese (Kalkstein) und Galestro (Kalkstein-Schiefer), sowie die Fenster und Stürze aus Holz und aus Pietra Serena (hellgrauer Sandstein). Gebrannte Lehmziegel dienen als Dacheindeckung und Bodenbelag.

2 Südwestseite
3 Obergeschoss
4 Visualisierung/3D Rendering

Ein neues Nutzungskonzept in alten Gemäuern

In meiner Masterthesis geht es mir darum, neben den ökologischen Sanierungstechniken ein Konzept für die Wiederbelebung dieses Ortes zu entwickeln. Dafür habe ich die Potenziale des Ortes analysiert und ein Nutzungskonzept entwickelt, welches auf Basis folgender Entwurfsparameter neues Leben schaffen soll:

  •  Nachbarschaft und soziales Miteinander
  • Wohnen und Arbeiten am selben Ort
  • Rekultivierung durch diverse Landwirtschaft.

Das Planungs- und Ausführungskonzept sieht vor, zwei Wohneinheiten, Gemeinschaftsräume, einen Veranstaltungssaal für Kurse und Seminare, eine Werkstatt, sowie im Außenraum eine Versammlungsstätte im ehemaligen Wasser-Sammelbecken unterzubringen. So entsteht ein Ort, der sich für Gäste öffnet und seinen Bewohner*innen die räumlichen Voraussetzungen für diverse Betätigungen bereitstellt.

5 Obergeschoss fertig ausgebaut
6 Trennung von Rückzug/Wohnen im Obergeschoss und Teilen/Arbeiten im Untergeschoss
7 Grundriss Erdgeschoss (134 m2): „Arbeiten und Teilen“ – Wohnkonzept mit Nutzungsmischung
8 Grundriss Obergeschoss (Wohnung West = 70 m², Wohnung Ost = 82,5 m²): „Wohnen und Rückzug“ – minimierte Privatwohnfläche lässt Raum für Gemeinschaftsflächen
9 Längsschnitt
10 Querschnitt
11 Ansicht Südost
12 Ansicht Südwest

Kälte-, Hitze- und Feuchteschutz

Die Sanierungsarbeiten bestehen größtenteils aus Dämm- und Abdichtungsarbeiten. Hierfür wird Lehm als Grundbaustoff verwendet. Ungebrannter Lehm schafft ein herausragendes Raumklima durch seine diffusionsoffenen und hygroskopischen Eigenschaften sowie durch die Fähigkeit, Schadstoffe aus der Raumluft zu binden. So kann er Feuchtigkeit aus den Bestandsmauern aufnehmen und wieder abgeben und sorgt für eine ideale Raumluftfeuchte. Dämmungen werden mit Leichtlehm und Holzfasern ausgeführt. Abdichtungsmaßnahmen der erdberührten Wände und der Bodenplatte erfolgen mit Stampflehm. Die Verwendung von natürlichen Materialien sichert eine gesunde, schadstofffreie Raumluft und steigert damit die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohnerschaft. Außerdem können diese Baumaterialien natürlich gewonnen und an ihrem Lebensende recycelt oder kompostiert werden, was die Gesundheit der Erde erhält.

13 Detail Abdichtung der Außenwände zum Erdreich
14 Detail Innendämmung der Außenwände

Quellenangaben

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1 Kommentar

  1. Eine schöne Masterarbeit, der man die Realisation wünscht.
    Endlich mal eine Abdichtung mit Ton!
    Weiter so.

    Antworten

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Bilder: Rebecca Müller

Autorin
Architektin Rebecca Müller – Autorin im Baubiologie Magazin des IBN

Rebecca

Müller

Architektin, 50022 Greve in Chianti (IT)

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Soll "Beratungsstellen" beworben werden?: ja

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