Was ist wirtschaftlicher: Solarthermie oder Photovoltaik?

Auf unser Dach möchten wir Sonnenkollektoren zur Warmwasser- und Wärmeversorgung montieren lassen. Ein befreundeter Elektroingenieur riet uns stattdessen zu einer Photovoltaikanlage. Diese wäre effektiver und man könne mit dem Stromertrag nicht nur Warmwasser für Brauchwasser und Heizung erzeugen, sondern den gewonnenen Strom auch anderweitig nutzen. Hat er recht?

5 Kommentar(e)

Antwort

Strom aus der Sonne für die Wärmeversorgung wird zunehmend als der neue Hit dargestellt. Vergleichsberechnungen und praktische Erfahrungen zeigen jedoch, dass sich mit Photovoltaik (PV) bei gleicher Dachbelegung im Vergleich zu Sonnenkollektoren (= solarthermischen Anlagen) i.d.R. nur etwa die halbe Wärmemenge vom Dach holen lässt. Dies zeigt sich auch am folgenden Beispiel einer Wohnanlage in Wien.

1 Dach der Wohnanlage mit Sonnenkollektoren, Wien, Hauffgasse. Das Haus ist an die Fernwärme angeschlossen, die Solaranlage dient der Nachheizung über die Zirkulationsleitung
2 Warmwasser aus PV-Strom oder Solarthermie im Wärmenetz: Vergleich am Beispiel der Wohnanlage in Bild 1

Dieses Ergebnis zeigt, dass bei Solarthermie die halbe Dachfläche reicht, um den gleichen Ertrag zu liefern wie bei PV-Strom, der die ganze Dachfläche benötigt – noch dazu zu günstigeren Kosten. Entsprechend verdoppelt sich der Wärmeertrag, falls das ganze Dach für Solarthermie genutzt wird.

Der Vergleich zeigt, dass die Photovoltaik mit Solarthermie nicht immer mithalten kann. Bei jedem Projekt sollte deshalb genau ermittelt werden, was die effektivere Lösung ist.

Die Photovoltaik ist dennoch ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende, da wir nicht nur warmes Wasser benötigen, sondern auch Strom, nicht zuletzt auch für Elektroautos. Häufig empfiehlt es sich deshalb, sowohl Sonnenkollektoren als auch PV-Module zu installieren. 

Diese Frage beantwortet Ihnen:
Roger Hackstock, Geschäftsführer Verband Austria Solar (roger.hackstock@austriasolar.at):

“Wenn es darum geht, möglichst viel Sonne vom Dach ins Haus zu holen, hat Solarthermie meist die Nase vorn.”

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5 Kommentare

  1. Und Hybridkollektoren? Immerhin wird Kühlung für die PV immer notwendiger. Leider werden viele Neubauten mit derart vielen Kaminöfen ausgestattet, dass PV aufgrund der vielen Verschattungen kaum mehr Fläche bekommt, das ist den thermischen egal. Aber grundsätzlich ja, meine thermischen werde ich bald nach 30 Jahren gegen PV tauschen, hoffentlich Hybrid – wenn mir jemand zur Lebensdauer Bescheid geben kann?

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  2. PV macht im Gesamtsystem am meisten Sinn mit einer Wärmepumpe. Und in der Konfiguration werden aus den 39.000 kWh Stromertrag dann 156.000 kWh Wärmeertrag. Da macht Solarthermie wirtschaftlich keinen Sinn mehr.

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  3. Solarthermie oder Photovoltaik ist nicht die richtige Frage, sondern womit können wir Menschen besser leben.

    Fachlich richtig gebaute Solarthermieanlagen sind in den meisten Fällen (Häuser mit Warmwasserverbrauch) die weit besser Energienutzung. Der Einfluss direkte/indirekte Sonnenstrahlung ist durch geteilte Anlagen leicht in den Griff zu bekommen (Ost-, West- und Süd-Ausrichtung).
    Indach-Sonnenkollektoren (keine Kaltluftkühlung) in Verbindung mit ausreichend großem Pufferspeicher können oft 80 % der Energie eines Hauses liefern. Zudem können Wandheizungen (mit gesunder Strahlungswärme 30 – 60°) direkt damit betrieben werden.
    Photovoltaik-Anlagen auf Nebenflächen (kein Wohndachflächen) im Gleichstrombereich mit Akkupuffer (Bleigel-Akku sind hier völlig ausreichend bei 99 % Recycling) sind recht sinnvoll, um Energie für Pumpen und Steuerung bereitstellen zu können.
    Überschüsse können für Elektroräder ect. genutzt werden.

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  4. In der Praxis wird jeder zugeben müssen, dass die Warmwasser-Speicher bei vielen Gebäuden vor allem in den Sommermonaten relativ bald voll sind und jeder weitere Energieeintrag sinnlos verpufft. Mit einer Photovoltaikanlage kann ich den gesamten Strom irgendwie verwenden – und das wird in Zukunft immer besser werden. Wer heute noch eine Solarthermie-Anlage auf einem Neubau empfiehlt, denkt deshalb möglicherweise zu kurzfristig.

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  5. Sie haben leider vergessen, den Einfluss direkte/indirekte Sonnenstrahlung zu berücksichtigen.
    PV funktioniert auch bei indirekter Strahlung, Solarkollektoren dagegen nur bei direkter Strahlung.
    Eine Kombi-Intallation PV + Solarkollektoren macht dennoch Sinn; zum Beispiel für ein Einfamilienhaus zwei Solarkollektoren mit 300-Liter-Warmwasserspeicher und den Rest der Dachfläche mit PV belegen.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Abbildung 1: myPV GmbH
Abbildung 2: Austria Solar, 2022

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