Wie Algen an Fassaden vermeiden?
Antwort
Aufgrund der Wärmedämmung kommt außen weniger Wärme von innen an. Dadurch bleiben die Fassaden länger feucht, was die Wachstumsbedingungen für Mikroorganismen wie Algen und Moose verbessert. Organische Kunstharzputze, dünne Putzstärken und Dämmstoffe, die wenig oder keine Feuchtigkeit aufnehmen können, verbessern die Wachstumsbedingungen weiter.
Zur Verhinderung von Algenbewuchs enthalten handelsübliche Fassadenputze und Farben häufig Biozide (chemische Wirkstoffe zur Abtötung von Mikroorganismen). Ein häufig auftretendes Problem dabei ist, dass diese Biozide v. a. durch Regenwasser ausgewaschen werden. Dadurch nimmt der Biozidgehalt in der Fassade im Laufe der Zeit ab – je nach Produkt und Verarbeitung kann es deshalb nach etwa 2 bis 6 Jahren zu Algen- und Moosbewuchs kommen. Zudem gelangen die ausgewaschenen Biozide in Böden und Gewässer und können somit die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen beeinträchtigen.

Algenbewuchs an Fassade
Wärmedämmverbundsysteme, die nach baubiologischen Kriterien ausgeführt sind, bieten hingegen dauerhafte und umweltfreundliche Lösungen:
Diffusionsoffene, kapillaraktive Systeme
Mineralische Dickputze und Anstriche (z. B. Silikat- oder Kalksysteme) sowie Dämmstoffe aus Naturfasern oder Mineralschaumplatten können Feuchtigkeit schneller aufnehmen und wieder abgeben. Dadurch trocknen die Oberflächen schneller, was das Wachstum von Mikroorganismen hemmt.
Speicher- und PufferfähigkeitDickere Putze sowie Holzfaser- oder Mineralschaumplatten fördern die Oberflächentrocknung durch ihr deutlich höheres Wärmespeichervermögen. Dadurch bleiben die Fassaden länger warm und trocknen schneller aus.
Optimierte Bauphysik und Planung
Große Dachüberstände und architektonische Details, die konstruktiven Spritzwasserschutz bieten, verringern die Feuchtigkeitsbelastung der Fassadenoberflächen.
Fassadengestaltung
Der Reflexionsgrad dunkler Fassadenfarben bei Sonneneinstrahlung ist geringer als bei hellen Farben (Beispiele: Weiß ca. 80-90 %, Beige/Sandfarben ca. 50-65 %, Mittelgrau/Rot ca. 30-50 %). Dadurch nehmen dunklere Fassaden mehr Wärme auf, bleiben länger warm und trocknen schneller aus (Achtung: Hellbezugswert und Zulassung der Farben stets mit Hersteller abklären!). Zudem fällt bei dunkleren Farben ein leichter Algenbewuchs weniger auf.
Fazit
Durch die vorgestellten auch baubiologisch empfehlenswerten Maßnahmen können Algen und Moose reduziert und im Idealfall vermieden werden – ganz ohne den Einsatz umweltbelastender Biozide. Ergänzend empfehlen wir vor jeder geplanten WDVS-Maßnahme von hierfür geeigneten Baufachleuten prüfen zu lassen, ob sie unter Berücksichtigung bauphysikalischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte wirklich Sinn macht!
Diese Frage beantwortete Ihnen Josef Frey, Architekt und Mitarbeiter im IBN
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Der Beitrag von Herrn Frey spricht mir als Produktmanager für WDVS bei KEIMFARBEN aus der Seele. Die beschriebenen Probleme mit Algen und ausgewaschenen Bioziden sind bei konventionellen Systemen leider vorprogrammiert. Ich bin jedoch überzeugt: Wir müssen das Problem nicht biologisch mit der „chemischen Keule“ bekämpfen, sondern bauphysikalisch lösen.
Für mich stehen dabei drei mineralische Prinzipien im Vordergrund, die KEIM-Systeme auszeichnen:
Das „Löschblatt-Prinzip“: Statt Feuchtigkeit auf der Oberfläche stagnieren zu lassen (wie bei kunstharzgebundenen Putzen), nehmen unsere mineralischen Systeme Tauwasser kapillar auf und geben es extrem schnell wieder ab. Eine trockene Fassade entzieht Mikroorganismen die Lebensgrundlage.
Natürlicher Schutz: Durch die natürliche Alkalität von Silikatputzen erreichen wir einen Schutz gegen Algenbewuchs, der nicht ausgewaschen wird. Das ist dauerhaft wirksam und schont gleichzeitig das Grundwasser, da keine Biozide in den Boden gelangen.
Thermische Speichermasse: Wir setzen auf massivere, mineralische Schichtstärken. Diese speichern Wärme deutlich besser, wodurch die Fassade nachts weniger stark abkühlt. Weniger Abkühlung bedeutet weniger Tauwasser – und damit weniger Risiko für Bewuchs.
Mein Fazit:
Wer heute ein Haus dämmt, sollte nicht nur an den U-Wert denken, sondern an die gesamte Lebensdauer. Mineralische WDVS sind für mich die einzige konsequente Antwort auf die Forderung des IBN nach ökologischen und dauerhaft schönen Fassaden. Nachhaltigkeit bedeutet hier: Einmal richtig bauen, statt alle paar Jahre biozid nachzubeschichten.
Guten Tag,
ich finde den Artikel sehr wichtig. Noch immer werden viele Dämmfassaden nach den üblichen Mustern ausgeführt: Dämmplatte, Armierungsspachtel, Oberputz und wasserababweisende Farben.
„Algen und andere Mikroorganismen sind im Außenbereich natürliche Erscheinungen. An Fassaden ist sichtbarer Bewuchs jedoch meist vor allem ein Hinweis auf länger feuchte Oberflächen. Entscheidend ist deshalb nicht nur eine diffusionsoffene, sondern ausdrücklich auch eine kapillaraktive Fassadensystematik. Ebenso wichtig sind mineralische Ausführungen, ausreichende Schichtstärken, konstruktiver Feuchtigkeitsschutz sowie eine objekt-, standort- und klimazonengerechte Farbtonwahl. Auch Mikroklima, Verschattung, Schlagregen, Tauwasser und Exposition beeinflussen das Risiko deutlich. Mineralische Silikatfarben können innerhalb eines bauphysikalisch stimmigen Gesamtaufbaus ein sinnvoller Baustein sein. Maßgeblich bleibt jedoch immer das Zusammenwirken von Untergrund, Konstruktion, Standort und Feuchtemanagement.“
Andreas Höhne
Baubiologe IBN
Sachverständiger für Bau- Nässe Schäden
Hallo zusammen,
das bringt es genau auf den Punkt. Die Erfahrung zeigt, dass „ökologisch“ ausgeführte Anstriche und Dämmsysteme viel besser funktionieren.
Helmut Giesa
Baubiologe IBN
Alpen
Dem Thema und Aussagen über Algenbildung an Fassaden kann ich nur zustimmen.
Tolle Info.
lg Günther Bernhardt, 93326 Abensberg