Baukosten senken mit baubiologischen Materialien

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In den letzten Monaten sind die Baukosten stark gestiegen. Insbesondere der Klimawandel, Corona und nun der Krieg in der Ukraine führ(t)en zu einem überhitzten Baumarkt, gestörten Lieferketten, Spekulation, steigenden Energiepreisen und wenig erfreulichen geopolitische Aussichten. Die Baubiologie bietet und fordert seit Jahrzehnten Lösungen auch zum preiswerten Bauen und Sanieren. Dieser Beitrag ist ein persönliches Statement des Autors Michael Mark, erfahrener Baufachmann und Inhaber einer Baubiologischen Beratungsstelle IBN.

Krieg in der Ukraine

In der Ukraine spielt sich derzeit eine unfassbare Tragödie ab. Massive Verbrechen gegen die Menschlichkeit verursachen unermessliches Leid. Den Menschen in der Ukraine und denen die geflohen sind und noch fliehen müssen, gilt unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Wir stehen an der Seite aller, die diesen Krieg und Terror ablehnen. Damit sind auch die zahlreichen Bürger*innen Russlands gemeint, ob sie nun in ihrem Land oder außerhalb leben, die mit dem Krieg und seinen Verbrechen nicht einverstanden sind.

Respekt und Unterstützung für alle, die rund um die Uhr daran arbeiten, durch umsichtiges politisches Handeln einen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Der Gedanke, dass ein solcher seitens der Aggressoren provoziert werden soll, kommt einem zuweilen.

Das soeben Beschriebene ist das wirklich Schlimme. In der Bedeutung kann man damit die aktuellen Verwerfungen in der Baubranche, von denen nachstehend die Rede sein wird, keinesfalls vergleichen.

Gestiegene Baupreise 

In den letzten Monaten sind die Kosten für viele Baustoffe stark gestiegen. Beim Baustahl gehen die Preissteigerungen mit einer Verknappung des Marktangebotes einher. Bei uns in Mitteleuropa kamen in Friedenszeiten gut 30 % des benötigten Baustahls aus der Ukraine, Belarus und Russland. Durch den Krieg sind die Lieferketten gestört, unterbrochen oder fallen gänzlich aus. Eines der größten ukrainischen Stahlwerke zur Herstellung von Baustahlmatten, gelegen in Mariupol, wurde durch die russischen Angriffe ruiniert.

Auch der in Mitteleuropa hergestellte Stahl erlebt kräftige Preissteigerungen; laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sind die Preise für Betonstahl in Stäben innerhalb eines Jahres um rund 60 % gestiegen. Das ist eine direkte Folge der höheren Energiekosten und die logische Konsequenz aus der Tatsache, dass Stahlerzeugung sehr energieintensiv ist. Die deutlich angewachsenen Energiekosten sind zum Teil ebenfalls auf den Krieg und die geopolitische Lage zurückzuführen sowie auf die wenig erfreulichen Aussichten, welche der Markt bei vermuteten Lieferstopps und/oder Embargos befürchtet.

Der Vollständigkeit halber muss ergänzt werden, dass im fossilen Energiebereich auch Spekulationen, künstliche Marktverknappung, politische Interessen und ökologische Gesichtspunkte (z.B. CO2-Besteuerung) eine preisbeeinflussende Rolle spielen.

Nach meinen Beobachtungen und jüngsten Erfahrungen mit angebotenen Stahlbeton-Konstruktionen gab es Preissprünge von bis zu 30 % binnen weniger Monate.

Seit 2021 sind wir auch mit stark gestiegenen Holzpreisen (Link zum Beitrag „Steigende Holzpreise“ siehe Infokasten unten) konfrontiert. Die Ursachen dafür sind auch nicht eindimensional, sondern eine Mischung aus Knappheit/Verknappung, geopolitische Entscheidungen, Nachfrage, Corona-Pandemie und ökologischen Miseren. Kleinere mit der regionalen Forst- und Waldwirtschaft gut vernetzte Betriebe waren und sind hier oft im Vorteil.

Auch andere energieintensiv hergestellte Baumaterialien wie Mauersteine und Dachplatten aus gebranntem Ton oder Aluminium verteuern sich. Erdölbasierte Produkte, wie die große Gruppe der Dämmstoffe aus Polystyrol, werden kräftig im Preis anziehen. Aktuell sind hier binnen kurzer Zeit Preissteigerungen von 10 – 15 % zu beobachten.

Die Preise für die Haustechnik stiegen laut dem Bayerischem Landesamt für Statistik innerhalb weniger Monate um rund 20 %.

Stellungnahme aus baubiologischer Sicht

Die ökologischen Probleme, sprachlich oft global mit dem Schlagwort „Klimakrise“ beschrieben, hängen sehr stark mit dem Verbrennen fossiler Rohstoffe (Öl, Gas, Kohle) zur Stromerzeugung, Gebäudeheizung/-kühlung, für den Verkehr und zur Güterproduktion zusammen. Die Herstellung von Baustoffen ist dabei ein wesentlicher Faktor.

Baustoffe, die mit hohem Energieaufwand produziert werden, verteuern sich deshalb in der aktuellen Lage ganz besonders stark. Neben dem Stahl, der ja meist als Bewehrung innerhalb des Betons eingesetzt wird, ist auch der Beton selbst betroffen, da der dafür benötigte Zement mit großem Energieeinsatz hergestellt wird.

Die Baubiologie empfiehlt seit jeher den weitgehenden Einsatz von Baumaterialien wie Lehm oder solche aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Stroh, Hanf, Flachs, Schilf u.v.m. Diese benötigen weit weniger Primärenergie (auch „graue Energie“ genannt) für ihre Herstellung. Daher sind sie wesentlich resistenter gegen Energiekostensteigerungen und werden nun auch preislich zunehmend interessanter. Das ist wirtschaftlich. Baustoffe aus der Region müssen nicht hunderte oder gar tausende Kilometer transportiert werden, auch das spart viel Energie.

Bei nachwachsenden Dämmstoffen waren die Preissteigerungen in etwa den letzten 12 Monaten mit 6 – 8 % vergleichsweise unterdurchschnittlich.

Für ihren Wachstumsprozess (Photosynthese) entziehen die Pflanzen der Atmosphäre CO2 und wirken demnach als Kohlenstoffspeicher, insbesondere auch wenn sie baulich langfristig verwendet werden. Der landwirtschaftliche Anbau von Pflanzen für Bauzwecke kann zu einer Agrarwende im positiven Sinne beitragen. Das alles ist nachhaltig.

Bekanntermaßen begünstigen die Naturstoffe ein ausgeglichenes, angenehmes Raumklima und haben insgesamt eine bessere Ökobilanz, sind also beispielsweise am Ende ihrer Nutzungsphase (nach vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten) leichter in den Naturkreislauf zurückzuführen als ihre synthetischen Pendants. Das ist wohngesund und ökologisch sinnvoll.

Damit ist der ganzheitliche Ansatz der Baubiologie erfüllt: wohngesund, nachhaltig, wirtschaftlich und sozial. Eben gut für Mensch und Natur.

Die aktuelle geopolitische Situation, die anhaltende ökologische Krise und die zunehmende Verbreitung sogenannter Zivilisationskrankheiten führen uns allen vor Augen, wie wichtig eine alternative Art des Wirtschaftens und Bauens ist. Ja, wie bedeutend die Baubiologie ist.

Zur großen Abhängigkeit von fossilen Energiequellen und deren (z.T. zweifelhaften) Lieferanten gibt es durchaus Alternativen: ein wesentlich sparsamerer Umgang mit Energie in allen Belangen, energieeffizientere Bauweisen und Produktionsmethoden, ökologischere Verkehrsmittel und zudem eine Strom- und Wärmeerzeugung auf erneuerbarer Basis. Alles das ist möglich, wenn wir wollen. Die Baubiologie will!

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Titelbild: Adobe Stock, Nuthawut

Autor

Michael

Mark

Leiter einer Baubiologischen Beratungsstelle IBN in 9141 Eberndorf (Österreich) und 77963 Schwanau (Deutschland)

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