Die Geschichte des IBN – und sein Beitrag zur Entwicklung der Baubiologie

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Die Geschichte der heute weltweit anerkannten Baubiologie begann in den 1960er-Jahren. Ihre Entwicklung wurde maßgeblich durch das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN und seine Vorläufer geprägt. Ausgangspunkt waren insbesondere damals neu eingeführte Baustoffe und Bauweisen sowie die zunehmenden Erkenntnisse über Schadstoff- und Umweltbelastungen in Gebäuden und Innenräumen. Als langjähriger Institutsleiter kennt Winfried Schneider die Geschichte des IBN und der Baubiologie wie kein anderer. Wer könnte die bewegende und beeindruckende Entwicklung des IBN und der Baubiologie daher besser schildern als er?

Autor
Winfried Schneider

Winfried

Schneider, IBN

Architekt und ehemaliger Geschäftsführer des Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

1968: Arbeitsgemeinschaft Gesundes Bauen und Wohnen

Mein Vater Prof. Dr. Anton Schneider (1931-2015), Gründer des IBN, war damals Professor für Holzbiologie, Holzphysik, Werkstoffprüfung, Marktforschung und ab 1972 erstmalig weltweit auch Baubiologie an der Hochschule Rosenheim. Schon damals hielt er es für unverantwortlich – wie zu dieser Zeit leider meist üblich – Bauholz mit hochgiftigen Holzschutzmitteln wie PCP, Lindan oder Teerölen zu behandeln. Stattdessen setzte er sich für die Weiterentwicklung des konstruktiven Holzschutzes sowie für die Erforschung ungiftiger und umweltfreundlicher Holzschutzmittel ein. Da er mit diesen Anliegen an seiner Hochschule überwiegend auf Widerstand stieß, suchte er nach anderen Wegen. Bereits 1968 gründete er gemeinsam mit Architekten, Ingenieuren, Medizinern und Naturwissenschaftlern die interdisziplinäre „Arbeitsgemeinschaft Gesundes Bauen und Wohnen“.

Entwicklung baubiologischer Farben und Oberflächenbehandlungsmittel

Wie oben beschrieben, erhielt Prof. Dr. Anton Schneider an seiner Hochschule keine ausreichende Unterstützung, zu gesundheitlich und ökologisch verträglichen Farben, Oberflächenbehandlungsmitteln und Holzschutzmitteln zu forschen. Also verlegte er kurzerhand seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den heimischen Keller und Garten. Als Kind durfte ich ihm dabei oft helfen, beispielsweise bei folgenden Arbeiten:

  • Pigmente und Naturöle rühren und erhitzen
  • Bienenwachse und Carnaubawachs schmelzen
  • etwa 15 x 15 cm große Holztäfelchen zwischen Glasplatten vorbereiten und in diese Holzwurmlarven einsetzen, um deren Entwicklung von der Larve über die Puppe bis zum Käfer live beobachten zu können
  • Bestimmung von Holzschädlingen sowie deren Bekämpfung in Gebäuden
  • Teststände mit dutzenden Mustertafeln aus Holz bauen, um die von ihm entwickelten Oberflächenbehandlungsmittel unter realen Witterungsbedingungen zu testen.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten wichtige Grundlagen für die Entstehung der ersten Naturfarbenfirmen, wie Naturhaus, Steinmeyer oder Livos (aus Livos ging später auch Auro hervor). Nach und nach kamen weitere baubiologisch ausgerichtete und heute oft längst etablierte Produktions- und Baufirmen, Naturbaustoffhandlungen sowie Dienstleistungs-, Beratungs- und Untersuchungsstellen hinzu.

1975: Entstehung des Begriffes „Baubiologie“

Nach und nach wurde der Arbeitsgemeinschaft deutlich, dass von Gebäuden neben giftigen Holzschutzmitteln zahlreiche weitere gesundheitliche Risiken ausgehen können. Damit zeichnete sich ein neues, eigenständiges Fachgebiet ab, für das es zu dieser Zeit noch keinen passenden Begriff gab. Nach langem Ringen fiel die Entscheidung auf den damals völlig neuen Begriff „Baubiologie“ (mehr zu den Hintergründen siehe folgenden Infokasten).

Wie entstand der Begriff „Baubiologie“?

Anfang der 1970er-Jahre wurde ein allgemein verständlicher Begriff für gesundes Bauen und Wohnen gesucht. Etliche teilweise sehr akademisch klingende Begriffe standen zur Diskussion, darunter „Holistisches Bauen“, „Biologische Bauordnungslehre“ oder „Integrale Bio-logische Architektur“, aber auch der damals völlig neue Begriff „Baubiologie“, bestehend aus den Wortbestandteilen Bau, Bio und Logie.

Mein Vater las damals die verschiedenen Vorschläge im Kreise der Familie vor. Als er den Begriff „Baubiologie“ nannte, reagierte meine Mutter wie elektrisiert: „Das ist es! Das müsst ihr nehmen“.

Meine Mutter war nicht vom Fach, sondern Grundschullehrerin. Und wenn sie von etwas überzeugt war, ließ sie nicht locker. Auch in den Folgetagen setzte sie sich mit Nachdruck für den Begriff „Baubiologie“ ein. Ihr wichtigstes Argument: Dieser Begriff sei nicht nur einprägsam, sondern auch für Menschen außerhalb der Fachwelt leicht verständlich.

Mit ihrer Beharrlichkeit konnte sie schließlich die Arbeitsgemeinschaft überzeugen. Damit war der Begriff „Baubiologie“ geboren und fand 1976 Eingang in dem Namen des neu gegründeten „Institut für Baubiologie IB“.

BAUBIOLOGIE
BauBiosLogos
Haus, HautLeben, NaturLehre, Kunde, Wissen
Heim, HeimatLebenskraftGanzheit, Kultur
GeborgenheitnaturbezogenHarmonie, Vitalität
Hütte, Hut, behütetBelebte WeltEinheit von Körper, Geist und Seele

1976: Institut für Baubiologie IB

Buch „Das Gesunde Haus“
Dr. med. Hubert Palm, 1975

Rein ehrenamtlich konnte die „Arbeitsgemeinschaft Gesundes Bauen und Wohnen“ die vielen Aufgaben und Herausforderungen nicht mehr bewältigen. Zudem war allen Mitgliedern klar, dass wissenschaftliche und messtechnische Grundlagen sowie professionelle Strukturen erforderlich sind. So entstand nach und nach der Plan, in Rosenheim ein Institut zu gründen, also eine „wissenschaftliche Organisation der Lehre und Forschung“. Ausgehend von dem damals völlig neu geprägten Begriff „Baubiologie“ erhielt das Institut die Bezeichnung „Institut für Baubiologie IB“. 

Wichtige Grundlage für die Institutsarbeit war das 1975 erschienene Buch „Das gesunde Haus“ von Dr. med. Hubert Palm, der schon damals erkannte, dass unsere gebaute Umwelt Ursache vieler sogenannter Zivilisationskrankheiten ist.

Warum wurde für das „Institut für Baubiologie IB“ die Rechtsform GmbH gewählt?

In den ersten Jahren des neu gegründeten Instituts für Baubiologie IB erhob die BASF gegen das Institut eine Millionenklage mit der Begründung von „Absatzverlusten“, nachdem ein damaliger Mitarbeiter im Rahmen eines öffentlichen Vortrages auf die Mängel und Gefahren von Baumaterialien auf Basis von Polystyrol hinwies. Hinzu kam eine Klageandrohung von Desowag-Bayer, damaliger Hersteller von Holzschutzmitteln.

Neben der Privatinsolvenz bestand die Gefahr eines schnellen Endes des Instituts und damit möglicherweise der Baubiologie insgesamt. Glücklicherweise verwies das Gericht in beiden Fällen auf das im deutschen Grundgesetz verbriefte „Recht auf freie Meinungsäußerung“ und wendete die Klage ab.

Da auch künftig mit weiteren Klagen gerechnet werden musste – wie auch die weitere Geschichte des IBN bis heute zeigt – entschied man sich für die Rechtsform einer GmbH, also einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

1977 – 1979: Wichtige Bausteine als Grundlage der Institutsarbeit

Fernlehrgang Baubiologie

Kurs 04 „Baubiologische Bauweise“
2026
Kurs 09 „Bauweise und Bauart“
1981

Wie bereits erwähnt, stieß das Thema Baubiologie an den Hochschulen in den 1970er-Jahren noch auf wenig Resonanz. Auch der zunächst eingeschlagene Weg über Politik und Bauwirtschaft erwies sich als wenig erfolgversprechend. Daher entschied man sich bewusst für einen Weg „von unten nach oben“: Zunächst sollte das Bewusstsein für die Baubiologie in der Bevölkerung gestärkt und damit die Nachfrage nach baubiologischen Produkten, Bauweisen und Dienstleistungen gefördert werden. Das wachsende Interesse und die steigende Nachfrage sollten anschließend genutzt werden, um den Einfluss auf Politik und Wirtschaft zu verstärken. Eine Strategie, die sich als erfolgreich erwies, aber einen langen Atem erforderte.

Voraussetzung dafür war eine gemeinsame Wissensgrundlage für alle relevanten Fachleute, also beispielsweise Architekten, Ingenieure, Techniker, Handwerker, Naturwissenschaftler, Mediziner oder Mitarbeiter von Baufirmen und Behörden. Zu diesem Zweck wurde ein weltweit zugänglicher Fernlehrgang zur Qualifizierung von Baubiologen konzipiert.

Bereits 1976 nahmen die ersten Teilnehmer am Fernlehrgang Baubiologie IBN teil. Fahrt nahm der Fernlehrgang dann 1977 auf, als er die staatliche Zulassung erhielt. Seitdem haben rund 20.000 Menschen am Fernlehrgang teilgenommen und seitdem wird das Lehrangebot von erfahrenen Fachleuten kontinuierlich weiterentwickelt und um neue Erkenntnisse und Anforderungen erweitert.

Während die Herausforderung für den Fernlehrgang im 20. Jahrhundert vorrangig darin lag, die Menschen aufzurütteln und ein Bewusstsein für gesundheitliche und ökologische Probleme zu entwickeln, liegt der Schwerpunkt des Fernlehrgangs heute darin, praxisnah aufzuzeigen, wie man heute nach baubiologischen Kriterien bauen, sanieren und wohnen kann.

„Das besondere Ziel der Baubiologie, eine gesunde, menschenwürdige und ökologisch intakte Wohnumwelt zu schaffen, lässt sich nur durch entsprechende Bildung und Fachkenntnisse in der Bevölkerung verwirklichen.“

Prof. Dr. Anton Schneider, Gründer des IBN, 1992

Schriftenreihe Gesundes Wohnen

„Das Haus – Ursache allergischer Erkrankungen“, 1979

Neben dem Fernlehrgang Baubiologie und ergänzenden Weiterbildungsseminaren, die sich vor allem an Baufachleute richteten, sollte auch ein Informationsangebot für Menschen ohne fachliche Vorkenntnisse entstehen, etwa für Bauherren, Immobilienbesitzer oder Mieter. Zu diesem Zweck wurde die „Schriftenreihe „Gesundes Wohnen“ herausgegeben. Sie umfasste überwiegend kompakte und preisgünstige Broschüren zu praxisnahen Themen, darunter:

  • Einführung in die Baubiologie
  • Gesünder Wohnen durch baubiologisches Bauen
  • Ursachen allergischer Krankheiten
  • Gesundes Wohnklima durch Strahlungsheizung
  • Solararchitektur
  • Baubiologie in Frage und Antwort
  • Zukunftsfähige ökosoziale Bau- und Siedlungsformen
  • Stress durch Strom und Strahlung (Buch mit über 1.000 Seiten)

Bestseller der Baubiologie: Stress durch Strom und Strahlung

Die erstmals 1992 erschienene Ausgabe der Schriftenreihe mit dem Titel „Stress durch Strom und Strahlung“ entwickelte sich mit über 30.000 Exemplaren zu einem großen Erfolg. Dafür dürften insbesondere drei Gründe ausschlaggebend gewesen sein:

„Stress durch Strom und Strahlung“
Wolfgang Maes, 1992
  1. Als Journalist verstand es der Autor Wolfgang Maes (1948-2019), das auf den ersten Blick eher trockene Thema anhand zahlreicher Fallbeispiele lebendig, praxisnah und allgemein verständlich aufzubereiten
  2. Die Belastung durch Elektrosmog nahm stetig zu
  3. Kritische und zugleich verständliche Informationen zum Thema Elektrosmog und zu den Anliegen elektrosensibler Menschen waren zu dieser Zeit kaum verfügbar.

Auf Grundlage seiner Erfahrungen aus Tausenden von Hausuntersuchungen entwickelte Wolfgang Maes gemeinsam mit dem IBN auch den „Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM“ sowie die Weiterbildung von „Baubiologischen Messtechnikern“ (mehr dazu weiter unten). Damit leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung der Baubiologie und wurde zu einem der prägenden Baubiologen seiner Zeit.

Fachzeitschrift Wohnung + Gesundheit

1. Ausgabe der Zeitschrift
Wohnung + Gesundheit, 1979

Was zunächst ebenfalls noch fehlte, war eine zentrale Informationsplattform, die über aktuelle Entwicklungen informierte, baubiologische Projekte vorstellte und den fachlichen Austausch sowie die Vernetzung ermöglichte. Diese Lücke sollte die 1979 erstmals erschienene Fachzeitschrift „Wohnung + Gesundheit“ schließen. Nach 170 Ausgaben fand sie 2019 im online verfügbaren „IBN Wissenspool“ ihre Fortsetzung.

25 Leitlinien der Baubiologie

Aufgrund ihres ganzheitlichen Ansatzes beleuchtet und verbindet die Baubiologie viele wichtige Themen rund um ein gesundes, naturnahes, nachhaltiges und schön gestaltetes Lebensumfeld. Um die wichtigsten Themen übersichtlich und kompakt darzustellen, entstanden Anfang der 1980er-Jahre die „25 Grundregeln der Baubiologie“. 2018 wurden sie gemeinsam mit erfahrenen Baubiolog/innen überarbeitet, an heutige Anforderungen angepasst und in „25 Leitlinien der Baubiologie“ umbenannt.

1980: Baubiologische Beratungsstellen

Mit dem rasch wachsenden Interesse an baubiologischen Themen begann das IBN ab 1980, ein überregionales und vom IBN autorisiertes Netzwerk „Baubiologischer Beratungsstellen IBN“ aufzubauen. Zunächst umfasste es rund 20 Anlaufstellen, deren Aufgabe vor allem darin bestand, die Baubiologie durch regionale Öffentlichkeitsarbeit bekannter zu machen.

Heute gehören dem Netzwerk rund 80 Beratungsstellen im In- und Ausland an. Ihr Leistungsspektrum reicht von Beratungen, Planungen, Bauausführungen und Messungen bis hin zu vielfältigen Fragestellungen rund um gesundes und nachhaltiges Bauen, Sanieren, Wohnen und Arbeiten.

Das Netzwerk der Beratungsstellen setzt sich zusammen aus Baufachleuten wie Architekten, Ingenieuren, Technikern, Handwerkern, Mitarbeitern von Baufirmen sowie Naturbaustoffhändlern oder Messtechnikern. Als solche bringen sie ihre Erfahrungen in das Netzwerk sowie in die Informations- und Weiterbildungsangebote des Instituts ein. Auf diese Weise besteht ein lebendiger Austausch, vom dem beide Seiten sowie alle Kunden sowie Lehrgangs- und Seminarteilnehmer profitieren.

Jahrestagung der Baubiologischen Beratungsstellen IBN, Sommer 2025

Baubiologische Beratungsstellen IBN: Eigenständige Unternehmen statt Franchise-Vertriebssystem

Das Netzwerk der Baubiologischen Beratungsstellen IBN fungiert bewusst als eigenständige Unternehmen und nicht als Franchise-Vertriebssystem, *) Dafür sprechen vor allem folgende Gründe:

  • Ein individuell auf die jeweilige Beratungsstelle zugeschnittenes Leistungsangebot ermöglichen
  • Eigene Kompetenz statt enger Bindung an Franchisegeber
  • Fachliche Zusammenarbeit anstatt zentraler Steuerung
  • unternehmerische Selbständigkeit.

Dabei ist dem IBN besonders wichtig, dass die Beratungsstellen fachlich eigenständig, unabhängig und neutral arbeiten – nur diese Autonomie schafft die Voraussetzung dafür, dass sich die Baubiologie offen, praxisnah und ohne starre Vorgaben eines Franchisesystems weiterentwickeln kann.

*) Ein Franchisesystem ist ein Geschäftsmodell, bei dem ein Unternehmen (Franchisegeber) anderen selbstständigen Unternehmern (Franchisenehmern) erlaubt, seine Marke, sein Geschäftskonzept und seine Strukturen gegen Gebühren zu nutzen.

1983: Gründung des Instituts für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN

Im Vorstand des Instituts für Baubiologie IB gab es leider unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Institutsarbeit weitergeführt werden soll: Ein Teil der Mitglieder wollten die Baubiologie stärker marktorientiert ausrichten, ein anderer weitgehend an den bis dahin praktizierten ideellen Grundsätzen „im Interesse der Verbraucher“ festhalten.

Letztendlich ließen sich die Gräben nicht überwinden. Während das IB unter dem neuen Namen „Institut für Baubiologie Rosenheim IBR“ weitergeführt wurde, gründete Prof. Dr. Anton Schneider in Neubeuern südlich von Rosenheim ein wirtschaftlich und organisatorisch vom IBR unabhängiges neues Institut: das „Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN“.

In den folgenden Jahren wuchs das IBN und mit ihm die Baubiologie kontinuierlich und auch international. Baubiologen IBN gründeten in enger Zusammenarbeit mit dem IBN weltweit zahlreiche Organisationen, Verbände und Institute. In Deutschland entstanden beispielsweise 1998 der „Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB“ und 2002 der „Verband Baubiologie VB“. Institutsgründungen erfolgten u. a. in Australien, Frankreich, Italien, Japan, Österreich, der Schweiz, Spanien, der Türkei und den USA.

Viele dieser Institutionen bestehen bis heute. Einige bieten den Fernlehrgang Baubiologie und damit die Qualifizierung zum Baubiologen in anderen Sprachen an – aktuell auf Englisch, Französisch, Spanisch und Japanisch.

Welche Gründe gab es für den Zusatz „+ Ökologie“ im neuen Institutsnamen des IBN?

Der Zusatz „Ökologie“ trug einer Entwicklung Rechnung, die Anfang der 1980er-Jahre immer offensichtlicher wurde: Die menschliche Lebens- und Wirtschaftsweise beeinflusst nicht nur die Gesundheit, sondern ebenso auch Umwelt und natürliche Lebensgrundlagen. Themen wie Ölkrise, Luftverschmutzung, Waldsterben, Ozonloch, Klimawandel machten diese Zusammenhänge immer deutlicher. Das IBN griff diese Zusammenhänge schon damals auf und machte sie zu einem essenziellen Bestandteil seiner Arbeit.

1984: Baubiologische Gutachten für Baustoffe und Bauweisen

In den 1980er-Jahren war die Auswahl an praxistauglichen baubiologisch empfehlenswerten und zugleich baurechtlich zugelassenen Baustoffen noch begrenzt. Entwickler neuer Produkte und Gründer von Baufirmen suchten deshalb den fachlichen Rat des IBN.

Gleichzeitig rückten gesundheitliche und ökologische Risiken durch Asbest, Formaldehyd, Lösemittel, Weichmacher, Pestizide und andere Schadstoffe stärker ins öffentliche Bewusstsein. Dadurch wuchs auch bei etablierten Herstellern das Interesse an unabhängigen und fachlich fundierten Bewertungen ihrer Produkte und Bauweisen.

Das IBN bot entsprechende Bewertungen sowie Gutachten an, führte in einem eigenen kleinen Labor Messungen durch und verband diese mit konkreten Empfehlungen, wie sich Produkte, Bauteile und Bauweisen im Hinblick Verarbeitung, Gesundheit und Umweltverträglichkeit verbessern lassen.

1992: Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM

1992 wurde von der „Baubiologie Maes“ gemeinsam mit dem IBN die erste Version des „Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM“ einschließlich den „Baubiologischen Richtwerten für Schlafbereiche“ veröffentlicht. Dieser fachlich fundierte und wissenschaftlich orientierte Standard dient seitdem weltweit als wichtige Orientierungshilfe rund um biologisch kritische Umwelteinflüsse in Innenräumen und wird von der SBM-Standardkommission stetig weiterentwickelt.

Seitdem gibt es auch – aufbauend auf den Fernlehrgang Baubiologie – die durchaus anspruchsvolle Weiterbildung zum Baubiologischen Messtechniker IBN. Sie untersuchen Gebäude, Wohn- und Arbeitsräume sowie Grundstücke auf mögliche gesundheitlich relevante Umweltbelastungen. Sie messen und bewerten u. a. Schadstoffe, Schimmel, Raumklima sowie elektromagnetische Felder und Wellen und geben Empfehlungen zur Reduzierung oder Beseitigung auffälliger Belastungen.

2014: Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

Das Institutsgebäude in Neubeuern war Anfang der 1980er-Jahre mit kleinem Budget errichtet worden und entsprach nach über 30 Jahren nicht mehr heutigen Anforderungen – etwa bezüglich Materialauswahl, Energieeffizienz oder Gestaltung. Da eine Sanierung oder ein Umbau nicht möglich war, begann die Suche nach einem neuen Standort. Gefunden wurde schließlich ein bestehendes Gebäude in Rosenheim, das umfangreich saniert und um ein Geschoss erweitert wurde. Dieses Gebäude sehen wir als Leuchtturmprojekt der Baubiologie: Vieles, was die Baubiologie ausmacht, kann hier besichtigt, getestet und unmittelbar erlebt werden.

Mit dem Umzug erhielt das IBN einen neuen Namen – aus „Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN“ wurde „Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN“. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ beschreibt die Arbeit des IBN stimmiger, weil er neben der Ökologie auch die wichtigen Bereiche Ökonomie und Soziales berücksichtigt. Schließlich war es stets Ziel des IBN, baubiologisches Bauen und Wohnen so zu gestalten, dass es für möglichst viele Menschen bezahlbar und umsetzbar ist.

IBN-Gebäude in Rosenheim

Welche Gründe gab es, im Institutsnamen des IBN den Zusatz „+Ökologie“ durch „+ Nachhaltigkeit“ zu ersetzen?

2014 wurde aus dem „Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN“ neu das „Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN“. Dafür gab es zwei wesentliche Gründe:

  • Zum einen stand das „N“ im bisherigen Institutsnamen für den Standort Neubeuern. Mit dem Umzug von Neubeuern nach Rosenheim war eine Anpassung des Namens unausweichlich.
  • Zum anderen war bereits seit vielen Jahren die Überlegung gereift, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ das Selbstverständnis und die Arbeit des IBN treffender beschreibt. Während „Ökologie“ vor allem Umweltaspekte in den Mittelpunkt stellt, umfasst „Nachhaltigkeit“ darüber hinaus auch ökonomische und soziale Gesichtspunkte. Damit bringt der neue Name den ganzheitlichen Ansatz des IBN deutlicher zum Ausdruck.

2017: Baubiologische Zertifizierung für Bauweisen, Gebäude und Räume

Seit 1984 erstellt das IBN für Baustoffe, Bauteile und Bauweisen Stellungnahmen und Gutachten. Ein Gutachten ist jedoch nicht mit einer Zertifizierung gleichzusetzen: Ein Gutachten ist differenziert und kann sowohl positive als auch kritische Aspekte enthalten. Ein Zertifikat dagegen geht darüber hinaus und ist mit einer klaren Empfehlung verbunden.

IBN und Baubiologie heute

Die Geschichte der Baubiologie war von Beginn an von einer wechselvollen Entwicklung geprägt: Neben zahlreichen Erfolgen und positiven Entwicklungen gab es immer auch Rückschläge, Widerstände, Anfeindungen oder falsche Behauptungen.

Seit etwa 2010 sehe ich im Greenwashing eine der größten Herausforderungen der Baubiologie. Manche Formen des Greenwashings sind offensichtlich und selbst für Laien leicht zu erkennen. Schwieriger und häufiger sind subtilere Formen, bei denen selbst Fachleute genauer hinsehen müssen. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn gesundheitlich oder ökologisch relevante Eigenschaften von Baustoffen nur schwer auffindbar oder wenig transparent dargestellt werden oder Bewertungssysteme und Kriterien von Institutionen erstellt werden, die finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft erhalten.

„Die Reaktionen auf die Gründung des Instituts für Baubiologie verliefen vor allem seitens der Wirtschaft in drei Phasen:

1. Phase: Ignorieren/Totschweigen – solange die Baubiologie bedeutungslos war

2. Phase: Bekämpfen – mit zunehmendem Bekanntheitsgrad

3. Phase: Integrieren – Nutzung als Wirtschaftsfaktor mit sowohl positiver als auch negativer Motivation„

Prof. Dr. Anton Schneider, Gründer des IBN, 1992

Heute sind das IBN und die Baubiologie international bekannt und anerkannt. Dieser Weg war angesichts des nicht immer einfachen Umfelds alles andere als selbstverständlich. Dass sich das Institut über Jahrzehnte entwickeln und weit über Deutschland hinaus etablieren konnte, ist auch dem großen Engagement seiner Mitarbeiter sowie Wegbegleiter zu verdanken – darunter Fachautoren, Referenten und Seminarleiter. Sie alle haben die die Arbeit des Instituts unterstützt, mitgetragen und weiterentwickelt. Dafür gilt ihnen unsere Anerkennung und unser herzlicher Dank!

Zukunft der Baubiologie

In den 1960er und 1970er-Jahren bestand die Herausforderung darin, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass unsere gebaute Umwelt Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt hat, Wissen darüber verfügbar zu machen und Menschen dafür zu gewinnen.

Heute stehen wir in gewisser Weise wieder vor einer ähnlichen Aufgabe – allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Informationen sind nicht mehr knapp, sondern praktisch unbegrenzt verfügbar. Durch Künstliche Intelligenz (KI) wird diese Entwicklung noch einmal erheblich beschleunigt. Die Herausforderung besteht deshalb zunehmend darin, Informationen einzuordnen, Qualität und Verlässlichkeit zu beurteilen, Orientierung zu geben und die unterschiedlichen Menschen und Fachdisziplinen der Baubiologie miteinander zu verbinden.

Darin sehe ich eine zentrale Aufgabe des IBN für die Zukunft: „Orientierung geben, Wissen zugänglich machen und Menschen miteinander verbinden.“ Wir freuen uns, wenn Sie diesen Weg engagiert mittragen und mitgestalten!

Stefan Sellner, Geschäftsführer seit 01.01.2026

Wesentliche Wegmarken des Instituts seit 1968

1983 wurde das IBN in seiner heutigen Form gegründet. Seine Geschichte ist jedoch eng verbunden mit der Vorgeschichte und seinen Vorläufern:

1968   Start der „Arbeitsgemeinschaft Gesundes Bauen und Wohnen“

1976   Gründung des „Institut für Baubiologie IB“

1977    Staatlich zugelassener „Fernlehrgang Baubiologie“ mit Qualifikation als Baubiologe/in IBN

1978   Start der Schriftenreihe „Gesundes Wohnen“

1979   Erstausgabe der Fachzeitschrift WOHNUNG+GESUNDHEIT

1980   Gründung des Netzwerks „Baubiologischer Beratungsstellen“

1981   25 Leitlinien der Baubiologie

1983   Gründung des „Institut für Baubiologie + Ökologie Neubeuern IBN“.

1984   Start Baubiologische Gutachten für Baustoffe und Bauweisen

1992   Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM einschl. Weiterbildungsseminare

2007   Seminare „Baubiologie + Energie“ (energieeffizientes Bauen und Sanieren)

2010   Seminare „Baubiologische Raumgestaltung“

2014   Umzug des IBN nach Rosenheim mit neuem Namen „Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN“

2017   Zertifizierung für Bauweisen, Gebäude und Räume

2019   Online-Informationsportal „Baubiologie Magazin“

2026   Neuer Geschäftsführer des IBN: Stefan Sellner

Geschäftsführung des IBN

1983 – 2010Prof. Dr. Anton Schneider (1931-2015) – Gründer des IBN
1993 – 2014Rupert Schneider – bereits zuvor im bzw. für das IBN tätig
2010 – 2025Winfried Schneider – ebenfalls bereits zuvor im bzw. für das IBN tätig
seit 2026Stefan Sellner – bereits zuvor Baubiologische Beratungsstelle IBN
Bis 2025 lag die Geschäftsführung in der Familie Schneider – zeitweise wurde sie gemeinsam ausgeübt
Quellenangaben

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Über die Baubiologie

Die Baubiologie beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt. Wie wirken sich Gebäude, Baustoffe und Architektur auf Mensch und Natur aus? Dabei werden ganzheitlich gesundheitliche, nachhaltige und gestalterische Aspekte betrachtet.

25 Leitlinien

Für einen schnellen, aufschlussreichen Überblick haben wir in 25 Leitlinien der Baubiologie die wichtigsten Parameter herausgearbeitet, sortiert und zusammengefasst. In 17 Sprachen, als PDF oder als Plakat erhältlich.