Innendämmung mit gesprühtem Hanfkalk
Hanfkalk als Innendämmung
Hanfkalk erfüllt durch seine spezifischen Materialeigenschaften alle Anforderungen an eine Innendämmung. Das Material ist:
- mineralisch: Durch den Zusatz von Kalk ist Hanfkalk mineralisch gebunden. Der Kalk sorgt für eine gute Feuchtigkeitsregulierung und durch seinen hohen ph-Wert für eine gute Schimmelresistenz.
- diffusionsoffen: Hanfkalk ist „atmungsaktiv“, das heißt, Wasserdampf kann durch das Material „hindurchwandern“ (diffundieren) und auf diese Weise entweichen. Dadurch wird die Raumluftfeuchtigkeit ausgeglichen, was zu einer besseren Raumluftqualität beiträgt.
- kapillaraktiv: Der Baustoff kann Wasser in flüssiger Form aufnehmen und an die Oberfläche transportieren, sodass etwaige eindringende Feuchtigkeit verdunsten kann. Damit schützt Hanfkalk die Bestandswand und Holzkonstruktionen vor auftretender Feuchtigkeit.
- hohlraumfrei: Mit bewährten Verarbeitungsmethoden kann die erforderliche Hohlraumfreiheit gewährleistet werden, wodurch Konvektion, Kondensation und Wärmebrücken in der Konstruktion vermieden werden. In der Praxis hat sich das Sprühverfahren bewährt, da es besonders zeiteffizient und damit wirtschaftlich ist.
Hanfkalk sprühen
Beim Sprühverfahren wird vor Ort angemischter Hanfkalk mit einer speziellen Sprühmaschine (normale Putzmaschinen sind hierfür nicht geeignet!) mittels Druckluft auf die Wände aufgetragen, ähnlich wie beim Spritzbetonverfahren. Durch die Verarbeitung mit Druckluft wird das lose Material zuverlässig hohlraumfrei verdichtet und füllt auch Unebenheiten oder Verwinkelungen gut aus. Der Vorteil des Sprühverfahrens liegt in der deutlich schnelleren Ausführung zu manuellen Verfahren, wie dem Mauern: Es können bis zu 10 m³ pro Tag verarbeitet werden, was der 2- bis 6-fachen Geschwindigkeit gegenüber dem Mauern entspricht. Das Verfahren benötigt jedoch eine projektindividuelle Vorbereitung, spezielle Maschinen und geschulte Fachkräfte.
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Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus
Bei der Sanierung eines denkmalgeschützten, etwa 275 Jahre alten Fachwerkhauses im Jahr 2024 sind die Vorteile einer Innendämmung mit gesprühtem Hanfkalk deutlich geworden. Um das Gebäude mit den Eichenbalken wieder bewohnbar zu machen, musste der energetische Standard deutlich erhöht werden. Die Innendämmung aus Hanfkalk überzeugt hier zum einen mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,066 W/mK, zum anderen mit einer hohen Flexibilität und Schnelligkeit durch die Verarbeitung im Sprühverfahren. Damit können U-Werte von bis zu 0,24 W/m²Kerreicht werden.
In nur vier Tagen wurden im Obergeschoss und Dachgeschoss des Fachwerkhauses eine Innendämmung aus Hanfkalk ausgeführt, die im Mittel 14 cm stark ist. Der Hanfkalk wurde hierbei in eine Unterkonstruktion aus Holz gesprüht, die das Material an der Wand hält und die Ausbaulasten (z.B. Regale, Küchenschränke, etc.) trägt. Durch den hohen Druck beim Auftragen wurden die unebenen Bestandsmauerwerke zuverlässig hohlraumfrei ausgefüllt. Für die Ausführung der rund 140 m² gesprühten Hanfkalks erhielten die Bauherren eine Förderung des Bundes.

Gesprühter Hanfkalk füllt auch verwinkelte Konstruktionen zuverlässig hohlraumfrei aus. 
Die Unterkonstruktion im Bestandsgebäude für den gesprühten Hanfkalk.
Der Hanfkalk wird mit einer speziellen Sprühmaschine mit hohem Druck auf die Wand aufgebracht.
Auch auf unebene Bruchsteinwände kann die Innendämmung aus Hanfkalk aufgetragen werden.
Direkt nach dem Auftrag ist die Oberfläche noch uneben, diese wird anschließend abgezogen.
Die abgezogene Wand hat eine ebene Oberfläche mit der charakteristischen Struktur von Hanfkalk. Der Putz kann direkt aufgetragen werden.
Eine spezielle Sprühmaschine wirft den Hanfkalk mit hohem Druck an die Bestandswand. 1 Gesprühter Hanfkalk füllt auch verwinkelte Konstruktionen zuverlässig hohlraumfrei aus. 2 Die Unterkonstruktion im Bestandsgebäude für den gesprühten Hanfkalk.3 Der Hanfkalk wird mit einer speziellen Sprühmaschine mit hohem Druck auf die Wand aufgebracht.4 Auch auf unebene Bruchsteinwände kann die Innendämmung aus Hanfkalk aufgetragen werden.5 Direkt nach dem Auftrag ist die Oberfläche noch uneben, diese wird anschließend abgezogen.6 Die abgezogene Wand hat eine ebene Oberfläche mit der charakteristischen Struktur von Hanfkalk. Der Putz kann direkt aufgetragen werden. 7 Eine spezielle Sprühmaschine wirft den Hanfkalk mit hohem Druck an die Bestandswand.
Hygrothermische Simulation
Dass eine solche dauerhafte Innendämmung mit Hanfkalk möglich ist und erfolgreich realisiert werden kann, zeigen unter anderem hygrothermische Simulationen. Damit kann das Verhalten von Wärme und Feuchte in einem Bauteil berechnet werden – nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern über Jahre hinweg. Berücksichtigt werden unter anderem die Materialeigenschaften, wechselnde Außentemperaturen und -feuchten, das Raumklima (inklusive der Nutzung und der damit einhergehenden Feuchteproduktion), die Auswirkungen von Schlagregen, der Wandaufbau, der Feuchtegehalt im Bestand und verschiedene Jahreszeiten
Das Ergebnis einer solchen Simulation zeigt, ob in einer Wand dauerhaft und über einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit anfällt. Berechnet wird kein einzelner Taupunkt, sondern der dynamische Feuchte- und Temperaturverlauf innerhalb des Bauteils über mehrere Jahre.
Untersuchungen mittels hygrothermischer Simulationen mit dem Simulationsprogramm WUFI (Wärme und Feuchte instationär) verschiedener Varianten einer Hanfkalk-Innendämmung für ein mit Lehm ausgefachtes Sichtfachwerk zeigen, dass bei sorgfältiger Ausführung eine dauerhaft funktionierende Konstruktion möglich ist.
Dank seiner hygrothermischen Eigenschaften lässt Hanfkalk unter bestimmten Voraussetzungen selbst höhere Dämmstärken und damit einen verbesserten Dämmstandard zu. Trotzdem ist vor allem das lokale Klima sowie die Ausrichtung der Wandmit der dazugehörigen Schlagregenbelastung zu beachten, da dies entscheidende Kriterien für die langfristige Schadensfreiheit darstellen. Somit ist stets der Einzelfall zu betrachten und von einem sachkundigen Planungsbüro zu beurteilen und zu planen, wobei vor allem eine sorgfältigeDetailplanungerforderlich ist.
Baustoff der Zukunft
Hanfkalk ist weit mehr als ein alternativer Dämmstoff. Er ist ein ganzheitlicher Baustoff für Neubau und Sanierung, der Dämmwirkung, Feuchteregulation und Wohngesundheit in einem Material vereint. Für Bauherrschaften, die bauphysikalisch funktional, baubiologisch dauerhaft sinnvoll und nachhaltig sanieren wollen, bietet Hanfkalk also eine attraktive und zukunftsfähige Lösung – gerade dort, wo andere Dämmstoffe an Grenzen stoßen.
Baudaten
Fachwerkhaus in Franken, ehemaliger Zehnthof
| Baujahr | ca. 1750 |
| Bauherren | Stefanie Lenhard und Henrik Lerp |
| Besonderheiten | Eichenfachwerk, Denkmalschutz |
| Energetische Sanierung | ca. 140 m² Innendämmung mit gesprühtem Hanfkalk |
| Erreichter Dämmstandard | U-Wert 0,33 W/(m²K) |
| Außenwand | Außenputz (Bestand), Fachwerk (Bestand), gesprühter Hanfkalk 14 cm (im Mittel), Wandheizung mit Lehmputz |
| Förderung | Einzelmaßnahmenförderung durch die BAFA |
| Ausführungsdauer | 4 Tage |
| Ausführung | Hanfingenieur Henrik Pauly |
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