Hackschnitzelkessel mit Feinstaubfilter nachgerüstet

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Tobias Grund baute einen gebrauchten Hackschnitzelkessel von 2003 in einer Schreinerei aus und in sein Wohnhaus ein. Nach der Nachrüstung mit einem Feinstaubfilter versorgt der Kessel heute die Flächenheizungen erneuerbar mit Restholz aus dem Wald.

Tobias Grund ist Zimmermann und sanierte für seine fünfköpfige Familie ein über 100 Jahre altes Bauernhaus mit einer Stroh-Einblasdämmung für Dach und Außenwände (siehe Beitrag Haus aus Stroh und Lehm). Die gesamte Baustelle in und um das Haus führte er selbst aus. Für die Temperierung der Räume entschied er sich für Wandheizungen sowie Fußbodenheizung in Küche und Bad. In Verbindung mit Lehmputz und viel geöltem Holz führt dies zu einem angenehmen Raumklima. Dem Lehm-Unterputz mischte er teilweise Strohhäcksel bei, wodurch er dicker wird und schneller aufgetragen werden kann. Nach dem Aufspritzen von etwa drei Zentimeter in einem Zug ließ er die Wandheizung laufen, sodass der Putz schnell trocknete. Danach folgten Oberputz und eine Lehmfarbe.

Reaktivierter Hackschnitzelkessel

Als Wärmeerzeuger wollte Tobias Grund einen Hackschnitzelkessel und informierte sich bei verschiedenen Herstellern. Als er zufällig in einer Schreinerei, die aufgegeben wurde, einen gebrauchten Hackschnitzelkessel von 2003 entdeckte, war er begeistert. „Das war der wichtigste Teil meiner Traumheizung, obwohl ich die Wärmeleistung bei weitem nicht brauche“, erinnert er sich. Der Kessel leistet 30 kW, ein Mehrfaches von dem, was das gut mit Stroh gedämmte Haus von 1910 benötigt. Der Kessel in der Werkstatt hat immer gut funktioniert und war in einem guten Zustand. Weitere Recherchen bestätigten, dass es sich um einen robusten Kessel handelte, für den auch noch Ersatzteile erhältlich sind.

Der Zimmermann informierte sich bei seinem Schornsteinfeger, ob es die Möglichkeit gibt, den Kessel auszubauen, bei sich zuhause wieder einzubauen und ihn dort abgenommen zu bekommen. „Vor Ort hätte er einfach weiterlaufen können“, betont er. An einem neuen Ort muss der Kessel allerdings die aktuellen Emissionsgrenzwerte der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (BImSchV) einhalten. „Das war waghalsig“, gibt Grund zu. „Deshalb wollte ich vorher wissen, ob die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das funktioniert. Das Aus- und Einbauen ist ja auch eine ganz schöne Arbeitsinvestition.“ Zusammen mit einem Helfer baute er den Kessel mit „Ameise“ (= Hubwagen) und Teleskoplader aus.

Aktiver Filter

Um den Kessel wieder zu nutzen, musste der Feinstaub in den Abgasen merklich verringert und ein Filter nachgebessert werden. Als neuen Filter empfahl der Hersteller des Kessels einen aktiven Filter, der elektronisch gesteuert wird. Seit 2006 werden als aktive Filter für Holzfeuerungsanlagen elektrostatische Partikelabscheider verwendet. Sie entfernen bis zu 90 % der Schadstoffpartikel aus dem Rauch. Im Unterhalt werden sie geleert und gesäubert, wie die gesamten Rauchleitungen.

Einbau und Installation

In den kleinen Heizraum in der alten Scheune hievte Grund den Kessel mit zwei Helfern. Er entschied sich für einen elektrostatischen Partikelabscheider mit einer Sägezahnelektrode und flanschte ihn an das Abgasrohr kurz über dem Gebläse an. Dann installierte er alle Leitungen für den Heizkreisverteiler mit der Pumpengruppe für Flächenheizungen und baute überwiegend neue Pumpen ein. Eine alte Pumpe konnte er übernehmen, eine gebrauchte Pumpe kaufte er für den Brauchwasserkessel zu.

Insgesamt baute er das System so auf, wie gehabt. Nun geht jedoch von der Pumpengruppe nur ein Kreislauf ab. Dieser versorgt den Heizverteiler, vom dem wiederum 12 Flächenheizungen abgehen.

Nach Abschluss der Arbeiten kam der Bezirksschornsteinfeger zur Feuerstättenschau und führte eine Rauchgasmessung durch. Ohne Nachregulieren erreichte der Kessel die Grenzwerte, sodass der Schornsteinfeger den Feuerstättenbescheid ausstellen und die Heizung abnahm.

1 Haus Grund wurde 1910 erbaut und wird seit 2021 nach der energetischen Sanierung von einem weitergenutzten Hackschnitzelkessel beheizt
2 Vor der Sanierung gab es im Erdgeschoss einen zentralen Kachelofen und im Obergeschoss mehrere Nachtspeicheröfen
3 Der neue Filter ist oberhalb des Gebläses auf der Rückseite der Rauchgasleitung angeflanscht
4 Der Pufferspeicher fasst 1.500 Liter
5 In der Küche legte Tobias Grund Heizleitungen im Boden. Der Rücklauf temperiert den Sockel (= Wärmebrücke), um hier die Bildung von Tauwasser zu vermeiden
6 Integrierte Heizschlaufen trocknen den Lehmputz schnell
7 Nach der Sanierung gibt es in der gesamten Wohnung angenehme Strahlungswärme

Einfache Nutzung

Der Kessel heizt nun seit 2021 in der ehemaligen Scheune. Nebenan lagern die Hackschnitzel. Tobias Grund verwendet gerne Hackschnitzel aus dem angrenzenden Wald, die sonst keinen anderen großen Nutzen haben. „Dann bleibt besseres Material für andere Zwecke“, begründet er dies. Hackschnitzel, bei denen Feuchtegrad und Rindenanteil variieren, können allerdings auch eine Herausforderung für den Filter sein. „Da muss ich schon schauen, dass die Einstellung entsprechend passt“, bestätigt er. Bei feuchten, rindenhaltigen Hackschnitzeln muss er den Filter entsprechend häufiger säubern. Eine Leuchtdiode signalisiert, wenn er gereinigt werden soll. Das ist etwa einmal im Monat. „Neue Kessel sind sicher noch komfortabler bei der Säuberung und der Ascheleerung“, gibt er zu bedenken. Aber grundsätzlich ist er sehr zufrieden. Der Kessel sei einfach einzustellen. Er springt nur alle paar Tage mal an und lädt den 1.500 Liter fassenden Speicher, bis er wieder voll ist. „Nach meiner Information ist das verschleißschonend und verursacht weniger Emissionen, wenn er selten angeht“, betont er.

Der Schornsteinfeger hat Ende Januar 2023 erneut die Abgaswerte gemessen und war begeistert: von den an diesem Tag von ihm gemessenen Heizungen hatte der alte Kessel die besten Werte.

Zukunft mit Nahwärmenetz

Aktuell baut der Zimmermann den oberen Teil der Scheune zu Kinderzimmern aus. Auch diese werden dann mit Wärme aus dem Kessel versorgt. Für die Zukunft denkt er über ein Nahwärmenetz nach, in dem auch die Nachbarin mit Wärme versorgt wird. Mit der Rettung des Kessels vor der Verschrottung hat er bereits einen enkeltauglichen Weg beschritten, der Ressourcen schont und sich zukünftig immer mehr rentieren wird. Darauf ist er auch etwas stolz: „Mit Mut ist es hier gelungen, vom typischen ‚Alles was neu ist, ist gut’ wegzukommen.“

Daten gebrauchter Hackschnitzelkessel

Leistung: 30 kW
Baujahr: 2003
Umnutzung: 2021
Hersteller: Binder (Firma bietet inzwischen nur noch höhere Leistungsklassen an)
Fabrikat: RRK 2249
Filter: Airjekt 1 von Kutzner und Weber
Speicher: 1.500 l

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2 Comments

  1. So geht renovieren und sanieren!

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  2. Gutes Beispiel: Aus alt mach’ emissionsarm & nutze die Ressourcen weiter!

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Titelbild: Adobe Stock
Abbildungen: Achim Pilz

Autor

Achim

Pilz

freier Journalist, Kurator, Juror und Berater, Baubiologe IBN und Chefredakteur des Baubiologie Magazin.

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