Baubiologische Möbel
Möbel spielen in unserem Wohnumfeld eine zentrale Rolle. Sie verbinden Ästhetik und Funktionalität und erleichtern uns das tägliche Leben. Nicht umsonst wird ihnen in der Baubiologie eine besondere Rolle zugeschrieben. Was bringt es, wohngesund zu bauen, wenn am Ende schadstoffbelastete Möbel in den Wohnungen und Häusern stehen? Wo bleibt der Nachhaltigkeitsgedanke, wenn nach wenigen Jahren Möbel auf dem Sperrmüll landen?
Baubiologische Möblierung
Aus baubiologischer Sicht empfiehlt es sich, beim Möbelkauf auf eine Reihe von Kriterien zu achten. Oft können nicht alle Kriterien 100%ig erfüllt werden, die nachfolgenden Empfehlungen sind deshalb als Orientierungshilfe und Anregung zu verstehen:
- Je emissionsärmer die Materialien desto besser für das Raumklima. Auf chemische Inhaltsstoffe sollte deshalb möglichst verzichtet werden. Häufig ist bei Möbelherstellern keine Volldeklaration beispielsweise zu enthaltenen Klebstoffen und Oberflächenbeschichtungen erhältlich, deshalb im Zweifel auf Möbel aus nachweislich natürlichen Materialien zurückgreifen. Beispiele baubiologisch empfehlenswerter Materialien werden in unserer Frage & Antwort „Welche Materialien eignen sich für Möbel und Küche“ detailliert beantwortet.
- Auf Wegwerfmöbel verzichten – zeitlose, langlebige, qualitätsorientierte Einzelmöbel oder Einbauschränke bevorzugen. Für modische Akzente oder Abwechslung eignen sich Bilder, Pflanzen, kleinere Aufstell- und Dekorationsobjekte oder Artefakte ohnehin besser.
- Der Begriff Möbel stammt aus dem Lateinischen und geht auf das Wort mobilia zurück, was so viel wie beweglicher Gegenstand bedeutet. Möbel – abgesehen von Einbaumöbeln – sind somit grundsätzlich veränderbar und transportierbar. Zerlegbarkeit (Umzug), Austauschbarkeit (Reparatur, Austausch Fronten) und Modularität (Nachkauf, Erweiterung) sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.
- Im gewerblichen Bereich werden sogenannte Mietmöbel angeboten. Zudem gibt es immer mehr Rücknahme-Angebote, bei denen gebrauchte Möbel weiterverwendet oder recycelt werden. Auch der Secondhand-Handel oder der Antiquitätenmarkt bieten oft gute Alternativen, die dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft gerecht werden.
- Mittlerweile ist auch der Möbelmarkt globalisiert. Wo einzelne Teile herkommen oder unter welchen Arbeitsbedingungen sie hergestellt werden, ist häufig auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Im Zweifel deshalb besser lokal oder regional hergestellte Möbel bevorzugen, die unter gesicherten und fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Jeder Möbelkauf setzt ein Zeichen, egal ob dabei industrielle Methoden und Prozesse zum Einsatz kommen oder ob traditionelles, regionales Handwerk und kleine Designer unterstützt werden.
Echtes Handwerk
Wie vielfältig die Möglichkeiten des Möbelhandwerks sind, zeigt jedes Jahr aufs Neue der Bundeswettbewerb „Die Gute Form“ auf. Dort werden die besten Gesellenstücke des Tischler- und Schreinerhandwerks des jeweiligen Ausbildungsjahrgangs gekürt. Die angehenden Gesellinnen und Gesellen können dabei ihre handwerklichen Fähigkeiten und gestalterische Kompetenz unter Beweis stellen.

Bundessieger David Schaab, Kaffeemaschinenregal – Esche Edelstahl
Finn Goerke, „Kukka“ Sideboard – Weißtanne, Multiplex, Kupfer
Kim Justus Grünthaler, Runder Schreibtisch – Esche, Linoleum
Decker Lina, Gepolstertes Loungesitzmöbel – Rüster, Stoff aus recycelten PET-Flaschen
uergensen Jakob, Highboard – Eiche, Eiche furniert, Mineralwerkstoffplatte
Reddoehl Paula, Sideboard – Esche, Buntschiefer
Herr Annika, Nähsideboard – Nussbaum
Reiter Markus, Ausstellungsstück „Otto“ – Apfelholz, handgeschöpftes Papier, Mineralwerkstoffplatte1 Bundessieger David Schaab, Kaffeemaschinenregal – Esche Edelstahl2 Finn Goerke, „Kukka“ Sideboard – Weißtanne, Multiplex, Kupfer3 Kim Justus Grünthaler, Runder Schreibtisch – Esche, Linoleum4 Decker Lina, Gepolstertes Loungesitzmöbel – Rüster, Stoff aus recycelten PET-Flaschen5 Juergensen Jakob, Highboard – Eiche, Eiche furniert, Mineralwerkstoffplatte6 Reddoehl Paula, Sideboard – Esche, Buntschiefer7 Herr Annika, Nähsideboard – Nussbaum8 Reiter Markus, Ausstellungsstück „Otto“ – Apfelholz, handgeschöpftes Papier, Mineralwerkstoffplatte
Das Siegerstück 2025 von David Schaab „Kaffeemaschinenregal“ wurde beispielweise nur aus massiver Esche und Edelstahl hergestellt. Das filigrane Möbelstück ist intelligent konstruiert und sehr funktional. Den dritten Platz belegte Finn Goerke mit seinem Sideboard aus Weißtanne, Multiplexplatte und Kupfer. Spielerisch wird hier ein Ablage- und Aufbewahrungsmöbel mit moderner Lichttechnik kombiniert.
Den Publikumspreis konnte Lena Decker mit ihrem gepolsterten Loungesitzmöbel für sich gewinnen. Sie selbst schreibt: „Ich wollte ein außergewöhnliches Möbelstück entwerfen, das sich von den klassischen Gesellenstücken abhebt. Ein Besuch im Vitra Museum inspirierte mich, den Entwurf kompromisslos nach meinen Vorstellungen umzusetzen. Ein zentrales Element bilden traditionelle Holzverbindungen. Ich wollte die Vielseitigkeit und Präzision des Handwerks zeigen, wie einzigartig und lebendig dieser Beruf ist.“
Die Ausstellung zeigt auf eindrückliche Weise, wie hochwertig und vielseitig handwerklich hergestellte Möbel sein können.
Fazit
Möbel haben das Potenzial, weit mehr als nur funktionale Objekte zu sein. Sie können Teil eines nachhaltigen Gesamtkunstwerks werden, das Ästhetik, Umweltbewusstsein und Qualität miteinander verbindet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Einrichtungsstil eher schlicht und puristisch oder romantisch und verspielt ist. Mit dem Fokus auf nachhaltige wohngesunde Materialien und eine solide Qualität können Möbel einen langanhaltenden wertvollen Beitrag für ein gesundes Raumklima leisten.
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Über die Baubiologie
Die Baubiologie beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt. Wie wirken sich Gebäude, Baustoffe und Architektur auf Mensch und Natur aus? Dabei werden ganzheitlich gesundheitliche, nachhaltige und gestalterische Aspekte betrachtet.
25 Leitlinien
Für einen schnellen, aufschlussreichen Überblick haben wir in 25 Leitlinien der Baubiologie die wichtigsten Parameter herausgearbeitet, sortiert und zusammengefasst. In 15 Sprachen, als PDF oder als Plakat erhältlich.

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