Empfangstheke im Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

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Dem IBN ist es ein besonderes Anliegen, Bau- und Wohnkultur zu fördern. Ohne ein gutes Handwerk mit künstlerischem Anspruch ist dies undenkbar. Was liegt deshalb näher, als Besucher*innen mit einer Empfangstheke zu „begrüßen“, bei der alle sofort spüren und sehen, dass sie etwas Besonderes ist und viele Ansprüche der Baubiologie in sich vereint.

Ausgesuchte und luftgetrocknete Hölzer aus der Region, geschwungene Formen, handwerkliche Perfektion gepaart mit künstlerischem Anspruch, geölte Oberflächen, die diesem Möbelstück nicht nur einen edel anmutenden Glanz verleihen, sondern zudem auch strapazierfähig sind. Angefertigt hat dieses Einzelstück Heinz Steinmeyer, Kunstschreiner, Holzingenieur, Baubiologe IBN und Hersteller von Naturfarben. Bereits 1977 hat er als einer der Ersten den Fernlehrgang Baubiologie absolviert, seitdem ist er ein unverzichtbarer Wegbegleiter der baubiologischen Entwicklung und des IBN als Berater, Autor, Referent und Kunstschreiner; bereits 1978 hat er das Eingangstor des alten Institutsgebäudes in Neubeuern geschaffen.

Die Empfangstheke ist nicht nur ein Kunststück im materiellen Sinne, sondern sie steckt auch voller Symbolkraft. Das Gestaltungsthema der Empfangstheke lautet „Eine Brücke zwischen Stadt und Land“. Die Empfangstheke soll mit ihrer Symbolkraft dazu beitragen, dass der 2014 vollzogene Schritt des IBN vom Land (Neubeuern) in die Stadt (Rosenheim) gut gelingt. Die Empfangstheke besteht aus folgenden 6 Teilen:
• 2 stützende Säulen in der vertikalen Ebene in den Holzarten Ahorn und Kirschbaum
• 2 Platten in der horizontalen Ebene in der Holzart Nussbaum als Schreibtischplatte und einer Thekenplatte in Ahorn
• 2 Sockelteile in Eschenholz aus je 12 Teilen und 3 Teilen

Die große runde Säule

Die große runde Säule ist das Symbol für das Land. Das Land ist die Grundlage als Natur von allem biologischen Leben. Alle Lebewesen werden von dem Land geboren, ernährt und gestorben. Als Säule verbindet sie die Erde mit dem Himmel bzw. die Erde mit der Sonne. Die runde Säule steht und ruht in sich selbst und ist somit eine „Trägerin für das Leben“.

Die Säule besteht aus 60 Holzteilen: 6 x 10 – das ist die Zahl der universellen, schöpferischen Liebe, die rundherum in allen Ebenen des Lebens zum Ausdruck kommt. Davon sind 24 Teile aus Ahorn – die innere Quersumme ist wieder die Zahl 6, die Zahl der Liebe. 24 Teile sind auch die schmalen Kirschbaumleisten im Maßverhältnis von 1 : 5 zu den Ahornteilen. Der Sockel besteht aus 12 Teilen in der Holzart „Esche“, zusammen also 60 Teile. Die Esche wird astrologisch der Sonne zugeordnet. Die Sonne ist die Kraftquelle in unserem Sonnensystem, das 1. Lebensprinzip als Grundlage für das biologische Leben. Bei dieser Arbeit ist das Eschenholz für den Sockel der Säule bestimmt, der aus 12 Teilen in Form eines 12-Ecks besteht. Damit formt sich symbolisch eine Beziehung zu der 12-er Teilung der Jahresbahn der Sonne im astrologischen Tierkreis und beschreibt Entwicklungen, Metamorphosen vom Widder bis zum Fisch. Das sind die Jahreszeiten vom Frühjahr bis in den Winter, die Entfaltung der Pflanzen aus dem Samen zu Samen bildenden Lebewesen, natürlich auch auf das menschliche Leben bezogen, welches irdisch zwischen Geburt und Tod verläuft. Bei dieser Arbeit, ist das schöne sonnige Eschenholz mit einem dunklen Grauton behandelt und beschreibt damit symbolisch auch den Zeitgeist der Industriegesellschaft. Dies soll nicht als eine Wertung verstanden werden, denn durch den Kontrast hebt sich das Objekt von der Umgebung des Bodens ab und tritt somit viel klarer in Erscheinung.

Auf diesem Sockel ruht die runde Säule aus Ahornholz mit schmalen Kirschbaum-Adern. Die einzelnen Leisten sind 6 cm breit, 5 cm davon sind Ahorn und 1 cm ist aus Kirschbaum. Der Ahorn ist ein Jupiterholz und der Kirschbaum als süßes, saftiges Obstholz ein Mondholz. Kulinarisch formuliert könnte man sagen, hier wirkt der Jupiter mit einer Brise Mond in dem Lebensmenü.

Der Jupiter bewirkt Wachstum, Expansion, Fülle, Freude und Begeisterung, sowohl sinnlich materiell, als auch geistig. Da er in dem 3. Feuerzeichen Schütze herrscht, geht es ganzheitlich gesehen natürlich auch um eine geistige Entfaltung des menschlichen Bewusstseins im Einklang mit der Natur und der Biosphäre der Erde.

Das Jupiterprinzip besitzt auch eine starke soziale Komponente, eine Bindekraft, die auf sozialer Ebene alles zusammenhält. Auf gesellschaftliche Verhältnisse übertragen gehören hier auch die Rechte und die Rechtsprechung dazu. Symbolisch können dadurch Entwicklungsprozesse im ökosozialen Bereich gefördert werden, angefangen bei Kindergärten, Schulen, aber auch im Siedlungs- und Städtebau. Übertragen wir diese Prinzipien und die Gestaltung auf die Baubiologie, so ist es sinnvoll, Begeisterung, Wachstum, Freude und Wohlstand in einem guten, fürsorglichen und liebevollen Verhältnis mit uns selbst, unserer Umwelt, mit der Natur und Mutter Erde zu fördern. Deshalb sind die Ahornleisten mit Kirschbaum kombiniert, weil dieses Holz dem Mond entspricht. Der Mond herrscht im Krebs, dem ersten Wasserzeichen (Emotionen) und symbolisiert das Weibliche, mütterliche Prinzip, also das Gebären, Ernähren und Erhalten der Nachkommen. Natürlich auch das empfindende Wesen, voller Mitgefühl für das Leben und die ganze Schöpfung.

Die Menschheit in dem neuen Wassermann-Zeitalter kann sich als eine planetare Gemeinschaft erfahren, die aus Einsicht und Mitgefühl nicht nur „linkshirnig“, sondern neuronal weiter entwickelt „ganzhirnig“ mit den biologischen Systemen der Erde kommuniziert. Das wäre wohl eine der größten Revolutionen auf diesem Planeten, die durch die Integration der neuronalen Polaritäten von linker und rechter Gehirnhälfte bei uns Menschen damit endlich, ohne Gewalt und Unterdrückung, eine neue planetare Ordnung zur Entfaltung bringt, die sich im Einklang mit den kosmischen Prinzipien in unserem Sonnensystem befindet.

Auf ganz natürliche Weise führt das zu ökosozialen Entwicklungen, ohne „Störfeuer“ wie Machtstreben (Egobetonung), Unterdrückung, Vorschriften usw.

Thekenplatte

Der Walnussbaum ist der Baum der Weisheit und dem Uranus zugeordnet. Man sieht an seinen Früchten eine große Ähnlichkeit mit der Form des menschlichen Gehirns. Der Baum hat eine eigenwillige Dominanz, wie sie bei dem Uranusprinzip auch oft zum Ausdruck kommt. Die Farbgebung des Holzes bewegt sich von einem dunklen, farbenkräftigen Kernholz mit einem kontrastreichen Übergang in eine helle, weißliche „Splintzone“ am äußeren Rand des Holzes. Mit einer hochwertigen Oberflächenbehandlung kommt das Holz edel, gediegen, vornehm und richtig schön zur Geltung, besonders in Kombination mit Ahorn und Kirschbaum.

In dieser Symbolsprache ist gerade das Nussbaumholz für die Arbeitsplatte als Verbindung und Brücke zwischen Stadt und Land gut geeignet. Die Nussbaumplatte besteht aus 27 Holzteilen. Auch hier wieder die zahlenphilosophische Entsprechung mit der inneren Quersumme 9 als Zahl der Weisheit und der Erneuerung, wie das die Weisheit unserer Sprache durch das Wort „Neu-n“ zum Ausdruck bringt.

Die kleine Säule

Die „Stadt“ wird symbolisch durch das „Bugteil“ repräsentiert, als zweite Stütze neben der runden Säule. Dieses Element besteht aus denselben Holzarten und -teilen wie die runde Säule, mit Ausnahme des Sockels, der hier aus 3 Eschenstücken zu einem asymetrischen Stück verleimt
wurde. Das vordere größere Teil hat 7 Ahorn-/Kirschbaum-Leisten und das hintere Teil besteht aus 5 von diesen Leisten. Die Verschiebung hat das Verhältnis von 7 : 5.

Das Leben in der Stadt holt sich alles, was es elementar zum Leben braucht, immer vom Land. Ohne Land kann die Stadt nicht überleben! Aufgrund ihrer Eigendynamik werden sich in der Stadt andere Lebensformen entwickeln, die sich von natürlichen Lebensstilen unterscheiden. Durch die Entfernung von den natürlichen Grundlagen entstehen künstliche kollektive Bedürfnisse, woraus unsere heutigen ego-inflationären Tendenzen guten Nährboden erfahren. Die Form als Bugteil symbolisiert eine Tendenz, sich von dem Ursprünglichen, Runden, in sich Ruhenden, Vollkommenen zu entfernen. Die Weisheit unserer Sprache formuliert das mit dem entsprechenden Wort: „Fort-Schritt“, d.h. immer weiter fort schreiten, sich immer mehr entfernen von dem Ursprünglichem. Aber, sind wir doch froh, dass es so eine Polarität überhaupt gibt! Denn nur dadurch ist ewige Wandlung, natürliche Entwicklung in Verbindung mit kulturellem Fortschritt möglich. Es erscheint durchaus als sinnvoll, diese Gegensätze oder Polaritäten miteinander so zu verbinden, dass die Eigenart von jeder der beiden Komponenten bewahrt bleiben kann und gleichzeitig ein ganzheitlicher Konsens als Hintergrundfeld wirksam
wird.

Inzwischen leben mehr Menschen in den Städten als auf dem Land. Für die Baubiologie ist das eine Herausforderung und Chance, aus einem ursprünglichen Widerstand gegenüber städtischen Ballungsgebieten und deren ökologischen Folgen, dem Zeitgeist gemäß Dialogbereitschaft und „baubiologische Entwicklungshilfe“ für diese Siedlungsformen anzubieten. In der astrologischen Tradition charakterisiert das Wassermann- Potenzial diese Entwicklungen, gemäß dem Motto: „Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile“. Sobald wir uns wieder unserer Einheit mit dem Leben, mit der Erde als Lebewesen und dem Kosmos als Intelligenz, Geist und Bewusstsein bewusst werden, uns also „erInnern“, wer wir sind, d.h. die Verbindung über unser Inneres wahrnehmen, werden wir erkennen, dass jeder von uns eine Brücke ist, die beide Welten verbindet, nämlich Geist und Materie, Intelligenz und Gestalt.

So ist die Gestaltung der Eingangs- Theke ein archetypisches Artefakte, welches die Baubiologie nicht als Gegensatz zu der „fortschreitenden Zivilisation“ positionieren möchte, sondern eine Brücke darstellt, um die vielen gegensätzlichen Teilaspekte des „großen Ganzen“ als eine wunderbare Einheit erkennen lässt, für ein planetares, menschenwürdiges Leben, sei das in Form von wohnbiologischen Häusern, oder in Form von großen Städten, wo Gärten und Parkanlagen neben gesunden Siedlungen den Menschen auch Erholungsräume und Wohlfühlzonen bieten können. Natürlich bleibt das eine Frage der kollektiven Einstellung und der Bereitschaft, wie das organisatorisch möglich und realisierbar ist! Hierzu spielt nun das 6. Element von dieser Eingangstheke eine wichtige symbolische Rolle, die Thekenplatte. Während unterhalb der Nussbaumplatte als Brücke für die Polung von Stadt und Land der nach oben strebende Ahorn = Jupiter = Feuerelement 24 mal abwechselnd mit dem Kirschbaumholz = Mond = Wasser polarisiert schwingt, was die Gegensätze von Feuer und Wasser repräsentiert, existiert über der Nussbaumplatte dieser Konflikt nicht mehr. Hier ist nur noch das einheitliche Feld des Wohlwollens, der Fülle und der Begeisterung von Jupiter vorhanden, ohne Gegensatz von Feuer und Wasser. Und diese Platte ist wieder aus 6 Teilen verleimt, also, wie eingangs schon erwähnt, über die Zahl der Liebe miteinander verbunden. Und weil dieses Prinzip sich in der horizontalen Ebene befindet, kommt es, wie die Weisheit der Sprache dies mit dem Wort „Überall“ (= über dem All) beschreibt, im Laufe der Zeit auch überall zur Wirkung.

Schlussfolgerung

Machen wir uns als Baubiologen und Erdenbewohner also bewusst, dass wir in dieser Welt in doppelter Hinsicht Brückenbauer sind. Zum einen bedarf es einer Integration der Gegensätze in uns selbst, aus der Einsicht über das 4. hermetische Prinzip der Polarität, das in unserer Welt immer und für jeden gültig ist. Damit lässt sich schon viel erreichen, doch bewegen wir uns mit dieser Einsicht immer in den horizontalen Ebenen, und die Tore in die höheren Bewusstseinsebenen bleiben immer noch unzugänglich. Wenn wir uns aber in dieser Einsicht mit dem „planetaren oder kosmischen Einheitsfeld“ verbunden fühlen, können wir gleichzeitig auch vertikale Bewegungen mit unserem Bewusstsein gestalten und das Leben als reale Einheit erfahren.

Mit anderen Worten: Ganzheitliches Denken hat auch ein Bedürfnis nach ganzheitlichem Fühlen und Handeln, um sich als Ganzheit zu erleben. Möge die Eingangstheke im IBN-Gebäude in Rosenheim für diese Themen immer wieder Begeisterung wecken.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Fotos: IBN

Autor

Heinz

Steinmeyer

Dipl.-Ing. (FH) Holztechnik, Kunstschreiner, Baubiologe IBN, Steinmeyer Naturfarben

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