Interview mit Stefan Haberlander – Baubiologische Beratungsstelle IBN
Stefan Haberlander Baubiologie & Projektmanagement
Stefan, warum und wann wurdest du Baubiologe IBN?
Die Antwort auf das „Warum“ ist einfach: Es macht mir große Freude, für Menschen gesunde, schöne und angenehme Wohn- und Arbeitsräume zu schaffen. Das Bewusstsein dafür wurde mir im Elternhaus mitgegeben. Mit meinem Vater ging ich schon im Alter von sieben, acht Jahren auf seine Baustellen. Zusammen mischten wir dort auch reine Kalkputze nach eigener Rezeptur. Seitdem war es für mich normal, mit natürlichen, nachhaltigen Materialien zu bauen und zu sanieren. Dennoch wollte ich dieses überlieferte Wissen fachlich fundieren und vertiefen.
Vor rund 15 Jahren bin ich erstmals auf das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN gestoßen. Die Ausbildung habe ich 2019 begonnen – mit dem Ziel, Baukultur, Gesundheit und Nachhaltigkeit ganzheitlich zu verbinden.
Seit wann bist du Baubiologische Beratungsstelle IBN?
Seit 2021 – seit 2026 im eigenen Büro mit einem Mitarbeiter.
Welche Kooperationen sind wichtig für dich?
Bauen ist immer Zusammenarbeit. Vom ersten Gedanken der Bauherrschaft über Planung, Ausführung, Materialwahl bis hin zu behördlichen Abstimmungen – alles hängt zusammen.
Wichtige Partner sind für mich: Bauherren mit einer klaren Vision, Architekten und Fachplaner, qualifizierte Handwerksbetriebe, Baustoffhändler mit nachhaltigem Sortiment und Behörden, insbesondere im Denkmalbereich.
Entscheidend ist für mich weniger, welche Kooperation wichtig ist – sondern wie man sie gestaltet. Transparenz, Respekt und gemeinsame Zieldefinition sind mein Handwerkszeug.

Alte Gebäude bieten auch statische Herausforderungen. Hier sicherten wir die denkmalgeschützte Mühle in Tittmoning
Der Durchmesser des neuen Wasserrads beträgt 5,25 Meter
Der Mühlenbach wird neu zum Wasserrad geleitet und fließt danach unter dem Gebäude weiter
Heute produziert das Mühlrad 24 h am Tag 3,5 kW Strom für die neun im Ensemble eingebauten Wohnungen1 Alte Gebäude bieten auch statische Herausforderungen. Hier sicherten wir die denkmalgeschützte Mühle in Tittmoning2 Der Durchmesser des neuen Wasserrads beträgt 5,25 Meter3 Der Mühlenbach wird neu zum Wasserrad geleitet und fließt danach unter dem Gebäude weiter4 Heute produziert das Mühlrad 24 h am Tag 3,5 kW Strom für die neun im Ensemble eingebauten Wohnungen
Was sind deine Schwerpunkte?
Meiner Arbeit beginnt bei der Bestandsuntersuchung. Mit einem befreundeten Architekten mache ich Machbarkeitsstudien und Planungen für kleinere Umbauten und Erweiterungen. Für größere Neubauten und Bestandsgebäude übernehme ich das Projektmanagement und berate baubiologisch. Ich entwickle nachhaltige Nutzungskonzepte für Bestandsgebäude, saniere Altbauten mit natürlichen Baustoffen, setzte denkmalgerecht instand und bewerte Materialien, Schadstoffe sowie historische Gebäude. Das zeigt Chancen und Möglichkeiten sowie Werterhalt und Wertsteigerung auf.
Warum konzentrierst du dich auf Altbauten?
Ich habe eine große Vorliebe für alte Gebäude. Es erfüllt mich, ihnen eine neue Zukunft zu geben.
Altbauten bringen individuelle Herausforderungen mit sich. Sie verlangen Erfahrung, Improvisationsfähigkeit und schnelle, fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor der Baukunst unserer Vorfahren. Gebäude in beeindruckender Qualität – oft ohne moderne Technik errichtet – machen mich demütig. Es freut mich, meinen Teil zur Weiterführung dieser Gebäudegeschichte beitragen zu dürfen.
Was sind die Herausforderungen im Denkmal?
Im Denkmalbereich geht es um das sensible Zusammenspiel verschiedener Akteure und Anforderungen: Abstimmung mit den zuständigen Behörden, Einbindung spezialisierter Planer und Architekten, Auswahl geeigneter Handwerksbetriebe und Materialwahl im Spannungsfeld zwischen Bestandsschutz und heutiger Nutzung.
Eine zusätzliche Herausforderung ist das oft belastete Image von denkmalgeschützten Gebäuden: „Da darf man ja nichts machen“ oder „Das ist viel zu teuer“. Hier ist Aufklärung wichtig. Denkmalpflege bedeutet nicht Stillstand – sondern qualitätsvolle Weiterentwicklung mit Respekt vor dem Bestand.
Wie wichtig ist dir der von der Bundesstiftung Baukultur eingeführte Begriff der „Goldenen Energie“?
Für mich beschreibt „Goldene Energie“ die Summe aus Materialqualität, Handwerkskunst, Raumklima und Atmosphäre. Ein Gebäude wirkt auf uns – bewusst oder unbewusst. Wenn Konstruktion, Materialien und Nutzung stimmig sind, entsteht eine besondere Qualität. Diese Qualität ist nicht messbar wie ein U-Wert, aber spürbar.
Baubiologie bedeutet für mich daher nicht nur technische Bewertung, sondern auch Sensibilität für Wirkung, Proportion, Licht und Material.
Was war eine besonders schöne Sanierung für dich?
Besonders war die die Transferierung des Huberhofes in der Nähe von Ebersberg. Das war mein erstes größeres Projekt, für das ich die Verantwortung übernahm.
Der Huberhof steht jetzt an einem ganz neuen Ort. Wie kooperativ war das Denkmalamt beim Ab- und Aufbauen?
Das lief über den Architekten. Der Kreisbaumeister hat bewilligt, dass der abgebaute Huberhof im Außenbereich wieder aufgebaut wird. Das war spannend.

Im Bauernhaus von 1880-90 wurden fünf Ferienwohnungen saniert und umgebaut, im Heuboden finden fünf weitere Ferienwohnungen Platz
Auch im hinteren Teil des Stadels mit der Bundwerkfassade gibt es jetzt eine Wohnung5 Im Bauernhaus von 1880-90 wurden fünf Ferienwohnungen saniert und umgebaut, im Heuboden finden fünf weitere Ferienwohnungen Platz6 Auch im hinteren Teil des Stadels mit der Bundwerkfassade gibt es jetzt eine Wohnung
Im Außenbereich zu bauen ist der Traum vieler. Wurde auch eine Kläranlage erstellt?
Ja, auch eine Klärgrube. Das volle Programm.
Wie ist die Kernsanierung des Bauernhauses für deine Familie gelaufen?
Ebenso begeistert hat mich die Kernsanierung unseres Bauernhauses nach baubiologischen Kriterien – inklusive Tag der offenen Tür. Die Resonanz der Besucher hat gezeigt, wie groß das Interesse an gesundem und nachhaltigem Bauen im Bestand ist. Ein zweiter Tag der offenen Tür ist am 20. Juni 2026 geplant. Dann kann man sich unser Zuhause im fertigen Zustand ansehen.
Welche interessanten Baumaterialien kamen zum Einsatz?
Die Fassadendämmung auf der Nord- und Südseite ist aus Hanf-Kalksteinen. Die Ostseite ist innen mit einer Hanf-Kalkschüttung gedämmt. Das Bauholz kommt aus der Nähe und aus dem eigenen Wald, selbst geschlagen im Winter bei abnehmendem Mond. Die Fenster sind aus Kiefernholz, der Fußboden aus massiver Fichte. Es gibt Flächenheizungen in Wänden und Fußböden. Verputzt wurde innen und außen mit reinem Sumpfkalkmörtel. Für das Dach haben wir gebrauchte Ziegel kreislaufgerecht per Hand recycelt.

Der denkmalgeschützte Holzblockbau des Huberhofs wurde abgebaut undsamt Erweiterung auf einem neuen Grundstück wieder aufgebaut
Das Gesamtgebäude sieht aus wie aus einem Guss
Auch im Inneren erzeugen die alten Bohlen Atmosphäre
Übergang zwischen Alt und Neu7 Der denkmalgeschützte Holzblockbau des Huberhofs wurde abgebaut und samt Erweiterung auf einem neuen Grundstück wieder aufgebaut8 Das Gesamtgebäude sieht aus wie aus einem Guss9 Auch im Inneren erzeugen die alten Bohlen Atmosphäre10 Übergang zwischen Alt und Neu
Toll – eigenes Holz, selbst geschlagen! Und dann mit dem Pferd aus dem Wald geholt?
Mein Vater rückt Holz mit seiner Kaltblutstute. Da hat er sich einen Traum erfüllt. Unser Holz holten wir aber mit dem Traktor aus dem Wald.
Woran arbeitest du gerade?
Aktuell begleite ich mehrere Altbausanierungen in unterschiedlichen Leistungsphasen – vom baubiologischen Konzept bis zur Umsetzung.
Parallel entwickeln wir nachhaltige Nutzungskonzepte für leerstehende Gebäude im ländlichen Raum. Mein Ziel ist es, historische Substanz zu erhalten und wirtschaftlich tragfähige Perspektiven zu schaffen.
Den ländlichen Raum zu fördern, ist äußerst nachhaltig. Wie kommst du zu diesem Schwerpunkt?
Ich bin in Waging am See aufgewachsen. Dort gibt es viele leerstehende Bauernhäuser. Die gilt es zu aktivieren und den ländlichen Wohnungsbau zu fördern.
Was ist deine Vision?
Meine Vision ist es, Baukultur, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Ich möchte dazu beitragen, dass der Bestand wieder stärker wertgeschätzt wird – insbesondere im ländlichen Raum. Historische Bauernhäuser und Altbauten bergen enormes Potenzial. Wenn wir es schaffen, diese Gebäude qualitätsvoll zu sanieren und sinnvoll umzunutzen, schaffen wir nicht nur Wohnraum, sondern bewahren Identität und Geschichte. Baubiologie ist für mich keine Zusatzleistung, sondern eine Haltung. Es geht um Verantwortung gegenüber den Menschen, die in den Gebäuden leben und arbeiten – und gegenüber den Gebäuden selbst.

Der eigene Bauernhof wurde neu mit recycelten Ziegeln gedeckt
Die Öffnungen in der Bestandsfassade erhielten wir weitgehend
Mit einer neuen Dämmung aus nachhaltigen Hanf-Kalksteinen erreicht der Hof KfW Effizienzhaus 70 Standard
Die Ostseite dämmten wir innen mit einer selbst hergestellten Mischung aus Hanfschäben und hydraulischem Kalk11 Der eigene Bauernhof wurde neu mit recycelten Ziegeln gedeckt12 Die Öffnungen in der Bestandsfassade erhielten wir weitgehend13 Mit einer neuen Dämmung aus nachhaltigen Hanf-Kalksteinen erreicht der Hof KfW Effizienzhaus 70 Standard14 Die Ostseite dämmten wir innen mit einer selbst hergestellten Mischung aus Hanfschäben und hydraulischem Kalk
Das umgebaute Denkmal der Familie Haberlander in Taching am See öffnet am Samstag, 20.06.2026 von 14 bis 17 Uhr seine Türen.
Treffpunkt: Salling 3, 83373 Taching am See
Eintritt frei – keine Anmeldung erforderlich
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Über die Baubiologie
Die Baubiologie beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt. Wie wirken sich Gebäude, Baustoffe und Architektur auf Mensch und Natur aus? Dabei werden ganzheitlich gesundheitliche, nachhaltige und gestalterische Aspekte betrachtet.
25 Leitlinien
Für einen schnellen, aufschlussreichen Überblick haben wir in 25 Leitlinien der Baubiologie die wichtigsten Parameter herausgearbeitet, sortiert und zusammengefasst. In 15 Sprachen, als PDF oder als Plakat erhältlich.


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