Casa Nido familiar – Ökohaus in Spanien

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Auch in Spanien etabliert sich die Baubiologie vor allem dank der langjährigen professionellen Arbeit des IBN-Partnerinstituts „Instituto Espanol de Baubiologie IEB“. Davon zeugt neben vielen weiteren Projekten dieses Ökohaus mit seiner einzigartigen organischen Form.

Bei diesem Planungsauftrag in der Nähe der Stadt Huesca war eine besondere Herausforderung das schmale Grundstück, das recht eng zwischen den Nachbarhäusern liegt. Das Dach bildet eine Art Welle und ermöglicht auf der erhöhten Ostseite ein weiteres Stockwerk unter dem Dach mit weitem Ausblick auf die umgebende Landschaft.

Die Haustüre befindet sich auf der Westseite. Der zentrale und größte Raum hat entsprechend der Dachform verschiedene Höhen und wird zum Wohnen, Essen, Kochen und Spielen genutzt. Von hier aus gibt es Zugänge zu zwei Schlafzimmern, dem Badezimmer, zur Speisekammer und zu einer halb gewendelten Treppe, die ins offene obere Stockwerk führt.

Die gesamte Nutzfläche beträgt 120 m2 (EG 100 m2, OG 20 m2). Das Volumen des Gebäudes ist aufgrund seiner fast ovalen Form sehr kompakt und somit aufgrund seines guten A/V-Verhältnisses (Außenfläche/Volumen) ideal zur Einsparung von Baumaterial und Energie.

1 Südwesten mit Nebeneingang zum Garten
2 Südosten
3 Süden
4 Grundriss 3D

Bauweise

Die 25 Leitlinien der Baubiologie sollten bestmöglich eingehalten werden. 

Das Bauwerk ist auf Streifenfundamenten aus Stahlbeton errichtet. Als Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit dienen EPDM-Folien. Auf den verdichteten Böden zwischen den Streifenfundamenten wurde als kapillarbrechende Schicht 20 cm Flusskies, darauf eine PP-Folie und eine 15 cm dicke Bodenplatte aus Biobeton (aus Sand, Kies, hydraulischem Kalk und PP-Fasern) aufgebracht. Auf diesen Unterbau wurde als Wärmedämmung eine 8 cm dicke Mischung aus Naturkorkgranulat, Kalk und feuchtem Sand geschüttet. Nach Trocknung wurden Kastanienholzböden verlegt. Lediglich für die Böden in der Küche und im Badezimmers wurden Terrakottafliesen verwendet.

Die tragenden Wände sind aus 30 cm dicken, mit Kalk und Hanf vermischten Lehmsteinen („Cannabric“) gemauert. Der U-Wert, also Wärmedurchgangskoeffizient für diese Wände beträgt 0,56 W/m2K, was für das Klima in Deutschland zu hoch, für die klimatischen Verhältnisse in Spanien aber völlig ausreichend ist ist. Diese Steine dämmen nicht nur recht gut, sondern bieten auch eine gute Wärmespeicherung und halten deshalb das Haus im Sommer angenehm kühl. Der Außenputz besteht aus Luftkalk. Die gesamte Außenfassaden wurden mit Silikatfarbe gestrichen.

Die Hauptbalken der Decke und des Daches ruhen auf zwei zentralen Holzstützen aus Fichtenholz. Für die Innenwände wurden 10 cm dicke Lehm-Hanf-Steine verwendet, die sich außer der bereits erwähnten guten Wärmespeicherung durch sehr gute akustische Eigenschaften auszeichnen. Diese Lehmsteine haben eine raue, aber recht gleichmäßige Oberflächenstruktur, auf die man sehr gut direkt, also ohne Haftmittel oder Armierungsgewebe putzen kann. Der Innenputz besteht aus heimischem Lehm mit abgerundeten Kanten und Ecken und in verschiedenen Farbtönen. Nur in den kleinen Fächern oberhalb der Küchenarbeitsplatte und im Spritzwasserbereich des Badezimmers wurden Kacheln verlegt.

Da sich der Fußboden des oberen Stockwerks in einem offenen Bereich befindet, der mit dem Erdgeschoss in Verbindung steht, ist er recht einfach ausgeführt: Auf den Holzbalken liegen 10 mm dicke Naturkorkstreifen, 22 mm dicke Kiefernholzdielen, 2 cm dicker Kokosfilz und darauf weitere schwimmend verlegte Holzdielen.

Das Dach mit unterschiedlich starkem Gefälle besteht aus einer Holzschalung (Nut und Federbretter), die auf die Balken geschraubt sind, Kraftpapier und einer 20 cm dicken Wärmedämmschicht aus Naturkorkgranulat mit Kalk und feuchtem Sand. Darauf wurden Geotextil, EPDM-Folie, ein weiteres Geotextil und Polypropylen-Noppenfolie als Unterbau für 20 cm Mutterboden verlegt. In diese Bodenschicht wurden rasterartig unbehandelte Kiefernholzbretter gelegt, um die Erde vor einem möglichen Abrutschen zu hindern. Diese Bretter sollen mit der Zeit verrotten. Bis dahin werden die Wurzeln der Gründachpflanzen den Boden halten. Als Gründachpflanzen wurden immergrüne Pflanzen und Lilien gewählt, die mit ihren Wurzelzwiebeln viel Wasser speichern und so Trockenperioden gut überstehen. 

Die Fensterstürze sind aus Massivholz. Das gesamte Holz für Fenster und Türen besteht aus Douglasienholz, das mit natürlichen Ölen und Harzen behandelt wurde. Die Jalousien bestehen aus Holzlamellen, die mit 2 Gurten auf einfache Weise von außen aufgerollt werden können.

5 Esstisch mit attraktivem Ausblick in den Garten
6 Treppe zum Obergeschoss
7 Blick vom Obergeschoss Richtung Küche
8 Spielecke und Ausgang zum Garten

Heizung

Spanien hat ein wärmeres Klima und ermöglichst somit eine einfachere Haustechnik. Das Heizungskonzept ist deshalb schnell erklärt: Das Haus verfügt über einen Solarkollektor und einen Biomassekessel für die Fußbodenheizung und die Warmwasserbereitung im Winter. Ergänzend wurde im Wohnzimmer ein kleiner Holzofen für den gelegentlichen Gebrauch installiert. Schön anzusehen ist der gemauerte und mit Kalkputz verputzte Schornsteinkopf auf dem Dach.

Fazit

Die Familie fühlt sich sehr wohl in ihrem neuen, gesunden Zuhause. Aufgrund seiner einzigartigen Form ist das Haus aus jedem Blickwinkel, sowohl von innen als auch von außen gesehen, äußerst vielfältig und erfreulich überraschend. Es ist ein Beispiel für organische Architektur: eine Besonderheit unter den konventionellen Gebäuden des Wohnbezirks.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Abbildungen: Xavier D’Arquer Blanc (Doble Estudio)

Autorin

Petra

Jebens-Zirkel

Architektin, Baubiologin IBN und Präsidentin des Instituto Espanol de Baubiologie IEB in Spanien

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Über die Baubiologie

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