Stampflehmboden

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Die Erbauer der ökologischen Gemeinschaft Schloss Tempelhof wollten im Gegensatz zum amerikanischen Konzept des Earthships so konsequent wie möglich baubiologisch empfehlenswerte Baustoffe verwenden. Deshalb entschieden sie sich auch für mehr Lehm, zum Beispiel im Boden, der möglichst viel Sonnenwärme speichern soll. Bei der Erstellung des dicken Stampflehmbodens gab es einiges zu lernen.

Für eine möglichst geringen Energieverbrauch sollen im Tempelhofer Earthship Wände und Böden möglichst viel Sonnenwärme speichern können. Auch der Boden ist deshalb möglichst massiv ausgeführt. Auf den Bodenaufbau aus Schotter, Schaumglas, Erde und Betonplatte kam deshalb im Wohnbereich ein temperierter Estrich. Polystyroldämmung (XPS) befindet sich nur unter der Wand aus in Autoreifen verdichteter Erde. Dort hätte es sonst beim Verdichten zu sehr gewackelt. Im Wintergarten liegen auf dem Estrich Granitplatten, in der Küche Solnhofer Natursteinplatten. Im Rest des großen Gemeinschaftsraums lädt ein samtweicher Stampflehmboden zur Berührung ein.

1 Im Estrich liegen 32 Meter Leitungen, um ihn zu temperieren
2 Mit den “Klatschen” in zwei Längen wurde die Oberfläche noch einmal von Hand verdichtet
3 Beim Trocknen entstanden zum Teil beträchtliche Risse
4 Sanierung der Risse: Vornässen, Verfüllen und Einschlagen mit dem “Fäustel”
5 Nach der Rissanierung war der Boden immer noch sehr heterogen und recht rau
6 Für eine samtig weiche Oberfläche erhielt der Stampflemboden noch eine Lehm/Öl-Spachtelung

Lehm und Splitt stampfen

Im Herbst 2015 erstellten ihn die Bewohner*innen des Tempelfeldes mit ihren Helfern. Der Lehm dafür stammt vom Aushub für den Bewässerungsteich im Tal. Manfred Kraft, einer der Bewohner, betont stolz: „Es ist komplett eigener Lehmaushub. Das war eine schöne Erfahrung.“ Er zog im Herbst 2015 auf das Tempelfeld. Da er mit dem Traktor die Ackerfräse ziehen konnte und auch im “Ökodorf Sieben Linden” vor Jahren beim Strohballenbau mit Lehm gearbeitet hatte, betreute er die Lehmarbeiten. Er wundert sich fast etwas: „In der Innenausbauzeit des Earthships bin ich zum Lehmmann geworden.“

Kompetenter Berater für den Stumpflehmboden war der Architekt Hans Günther Werheid. Bei Gebäudesanierungen und -restaurierungen hat er viele Erfahrungen mit Lehm gesammelt und auch schon einen neuen Stampflehmboden realisiert. Er gab das Mischungsverhältnis von Lehmaushub und Splitt vor und war bei wichtigen Arbeitsschritten vor Ort, wie dem Einbringen des Lehms, dem ersten Rütteln und dem Stampfen. Manfred Kraft mischte die Materialien mit der Ackerfräse. Dann brachte er mit Helfern die erste Lage ein. „Bei solchen Schwerpunktaktionen waren wir schon mal fünf Leute“, erinnert er sich. Mit der Rüttelplatte verdichten sie die Flächen. Mit dem elektrischen Stampfer bearbeiteten sie die Ränder und egalisierten Erhöhungen. Durch seine kleinere Fläche verdichtet er stärker als die Platte. Die zweite Schicht folgte direkt auf die erste und wurde ebenso verdichtet. Nun war der Lehmboden 8 cm hoch.

Baudaten Stampflehmboden

Flächeca. 50 m2
Aufbau Unterkonstruktionkapillarbrechende Schotterschicht drainiert, Abdichtfolie (Teichfolie), Glasschaumschotter 40 cm, Geotextil, ca. 50 cm Erde, aussteifende Betonplatte 16 cm, Estrich 3 cm mit Heizrohren, Stampflehmboden 10 cm, Lehmspachtel ca. 2 mm
Stampflehmerdfeuchte Mischung aus eigenem Lehmaushub/ Splitt etwa 2/1, 2 Lagen auf 8 cm verdichtet, Dauer ca. 20 Manntage
Risssanierungpastös eingestellte Stampflehm-Mischung
LehmspachtelLehm-Feinputz (Casadobe), Roh-Leinöl. Mischung etwa 50 kg/3l, Dauer ca. 4 Manntage
OberflächenbehandlungRoh-Leinöl satt eingelassen, Carnaubawachsemulsion
Berater StampflehmGünther Werheid, beoPlan, Gerabronn
Berater LehmspachtelDavid Feldbrügge, Lehm-Laden, Hitzacker

Oberfläche klatschen

Damit seine Oberfläche glatt wird, verdichteten sie die Tempelfelder mit selbst gebauten Klatschen aus Holz noch einmal von Hand. Das Ziel war erreicht, wenn sie speckig wurde und die Splittsteine versenkt sind. Für unterschiedlichen Druck gab es Klatschen in zwei Längen. Doch der Erfolg war nicht überzeugend. „Es gab Stellen, die waren schön speckig und es gab Stellen, da haben wir die Splittsteine nicht versenkt bekommen“, beschreibt Kraft das Ergebnis. „Dadurch war der Boden rau und heterogen.“

Zwei Wochen dauerte die Arbeit bis dahin. Es war Mitte Dezember und die Baustelle ruhte, während der Lehm des Bodens und der Wände trockneten. Dabei heizte die Bodentemperierung und zudem lief ein Bautrockner. Während der Trocknung entstanden Risse. Ob der Boden zu schnell trocknete, zu wenig nachgearbeitet wurde oder die Mischung zu fett war, kann nicht mehr gesagt werden.

Sanierung der Risse, Lehmspachtel

Bis Februar bildeten sich drei große Risse mit bis zu 4 cm Breite und eine Menge kleinerer. Zur Sanierung wurden sie vorgenässt, mit einer pastöseren Stampflehmmischung verfüllt und die Füllung mit Fäusteln glattgehämmert. Danach wurde abgewogen, ob es besser ist, den rauen Boden in diesem Zustand zu versiegeln oder die Oberfläche noch zu veredeln. Nach Rücksprache mit dem Lehmbauer und Baubiologen IBN David Feldbrügge fiel die Entscheidung auf eine Veredelung in Form einer Lehm/Öl-Spachtelung. Damit hatte er auch schon einen historischen Stumpflehmboden saniert. Manfred Kraft und ein Helfer spachtelten die Mischung auf den abgekehrten und vorgenässten Boden in 1,5 – 3 mm Stärke auf. „Man muss zügig arbeiten“, betont er. Denn auf dem stark saugenden Boden zieht der Spachtel schnell an. Damit sich das Finish mit dem Untergrund dauerhaft verbindet, braucht es viel Kraft. Um diese feine Oberfläche vor Feuchtigkeit zu schützen, strich er Leinöl mit dem Quast und abschließend Carnaubawachs-Emulsion auf. Das Ergebnis überzeugt alle. „Wir laufen oft mit Strümpfen oder barfuß. Und besonders barfuß ist der Boden super, weil er nicht ganz eben ist“, ist er begeistert. „Wir sind jetzt echt glücklich damit.“

www.earthship-tempelhof.de
www.Lehm-Laden.de

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bilder: Tempelhof e.G

Autor

Achim

Pilz

freier Journalist, Kurator, Juror und Berater, Baubiologe IBN und Chefredakteur des Baubiologie Magazin.

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