Interview mit Manfred Weixlbaum

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Manfred Weixlbaum ist ein Naturbaumeister mit einem Händchen für alle Lehmbaustoffe. Er bietet zudem wohngesunde Baustoffe und seine Eigenmarke „g’sundes Haus“ an.

weixbau gmbh – naturbaumeister

BM. Ing. Manfred Weixlbaum

Loderleiten 25
AT-4432 Ernsthofen

Manfred, Du lebst und arbeitest in Österreich und bist dort ausgebildeter Bautechniker, Baumeister und Sachverständiger. Wann und warum wurdest Du zudem noch Baubiologe IBN?

Ich habe schon seit Beginn meiner Ausbildung zum Bautechniker Kontakt zur Baubiologie. Mein Vater ist Baumeister und hat mich zu Kongressen des IBO Österreich mitgenommen. Bei meiner Ausbildung habe ich dann schon baubiologische Details eingeplant – manchmal haben die Professoren gezweifelt, ob das funktioniert. Als ich mich 2000 als Baumeister mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht habe, war es mir wichtig, mein baubiologisches Grundlagenwissen mit dem Fernlehrgang zu festigen um eine fundierte Ausbildung zu haben. Ganz wichtig ist mir, dass ich Naturbaumeister sein darf und mit natürlichen Baumaterialien arbeite.

Du wurdest 2011 die erste zertifizierte Beratungsstelle IBN in Österreich. Was machst Du als Beratungsstelle hauptsächlich?

Hauptsächlich habe ich Anfragen von Privatkunden. Ich unterstützte sie bei der Baustoffauswahl, bei Neubau und Sanierung. Teilweise mache ich Grundstücksuntersuchungen mit Partnern zusammen und bei Bedarf unterstütze ich beratend. Bei Schimmelschäden betreibe ich Ursachenforschung und arbeite mit weiteren Spezialisten zusammen.

Wie bildest Du Dich weiter?

Ich komme zu den Beratungsstellentreffen des IBN und besuche Weiterbildungen. Auch die Informationen, die jetzt über den Onlinelehrgang kommen, interessieren mich sehr.

Hast Du wichtige Kooperationspartner?

In meiner Gegend gibt es ein Netzwerk von regionalen Firmen. Die meisten arbeiten noch herkömmlich – aber ich versuche durch Gespräche, auch diese Firmen baubiologisch zu begeistern. In Linz gibt es ein Baubiologisches Institut, aus dem sich einige alle drei Wochen treffen, um sich zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu betreuen. Und in Niederösterreich bin ich in einer Gruppe involviert.

Was für Projekte bearbeitest Du als Naturbaumeister?

Wir arbeiten nicht nur im Privatbereich, sondern auch für Gewerbe und öffentlichen Bereich. Wir haben schon einen Kindergarten mit Lehm verputzt, ebenso eine Aufbahrungshalle, wo man eigentlich die raumklimatischen Vorteile nicht braucht – hier waren es künstlerische, ästhetische Gründe. Tadelakt ist eine kleine Leidenschaft von uns – im Badbereich Oasen zu schaffen, als Alternative zu Fliesen, noch dazu fugenfrei. Und schließlich handle ich noch mit Naturbaustoffen vom Lehmbaustoff bis zur Dämmung aus Schafwolle, Flachs oder Schilf. Mit der Eigenmarke „g’sundes Haus“ haben wir ein ganzheitliches Konzept entwickelt, für den Neubau ebenso wie für die Sanierung von bestehenden Gebäuden.

1 Sorptionsfähige Lehmsteine in einem Bürogebäude
2 Lehmputz im Seelsorgezentrum solar city in Linz
3 Wohnraum in einem baubiologischen Wohnhaus

Bietest Du mit „g’sundes Haus“ Planungsleistung und Ausführung an?

Genau. Wir haben vorhandene Dinge zusammengetragen und harmonisch verbunden, um für künftige Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.

Wie beeinflussen sich Deine verschiedenen Tätigkeitsfelder gegenseitig?

Sie ergänzen sich hervorragend. Als Beratungsstelle IBN kann ich je nach Wunsch des Kunden nur beratend auftreten, oder ihn mit Planung und Ausführung weiter begleiten.

Wie kam es, dass Du Dir den Lehm als Lieblingsbaustoff herausgesucht hast?

Da wollte ich von Anfang an hin. Als wir die Baufirma mit 20 Mitarbeitern übernommen haben, haben wir anfangs alle möglichen Leistungen angeboten, bis mir klar wurde, dass ich das nicht bin und meinen Traum auch zu 100 % beruflich umsetzen möchte. Ich wollte keinen Sondermüll mehr verbauen. Es liegt an jedem einzelnen, wieder die richtige Richtung einzuschlagen. Ich möchte baubiologische Projekte umsetzen, und so habe ich bereits 2001 mit der Verarbeitung von Lehmputz angefangen. Das war für uns der richtige Weg.

Welchen Lehmbaustoff verwendest Du am häufigsten?

Da gibt es nicht wirklich eine Vorliebe. Mir ist es wichtig, dass Lehm überhaupt bei einem Gebäude zum Einsatz kommt, egal ob als Putz, gestampft, im Wand und Bodenbereich oder als Lehmsteinmauer. Wenn der Bauherr nicht die Möglichkeit hat, alles mit Lehm auszuführen, versuchen wir, diesen Baustoff in den wichtigen Räumen einzubringen.

Was heißt das konkret?

Das heißt, im Schlafzimmer, im Wohnbereich und in den Kinderzimmern.

Welches Projekt hat Dir besonders gut gefallen?

Die Innengestaltung einer neuen Kirche. Der Lehmputz bildet da einen Kontrast zur modernen geradlinigen Architektur. Die von den Architekten vorgegebene lebendige, unebene Oberfläche ist uns perfekt gelungen. Ein weiteres interessantes Projekt war der Umbau eines dreigeschossigen Bürogebäudes. In den Büros haben wir Wandheizungen in Lehm eingeputzt. Gleichzeitig wird die Wandheizung im Sommer als Kühlung verwendet. Ein Teich auf dem Grundstück kühlt die aktivierten Bauteile.

Ein ganz interessantes Einfamilienhaus war ein Holzriegelbau mit einer Strohdämmung. Innen und außen haben wir eine baubiologische Winddichtung aus einem mit Lehm geschlämmten Flachsvlies eingebaut, ganz ohne Folien. Ich bedanke mich bei meinen Kunden, dass wir solch schöne Projekte machen dürfen.

Du stampfst auch Lehmwände, die aus ästhetischen Gründen immer häufiger nachgefragt werden. Was empfiehlst Du, um die doch meist recht hohen Ausführungskosten zu reduzieren?

Wenn man Stampflehm richtig verarbeitet und einsetzt, ist er großartig. Die Herstellung ist ein Handwerk und auch eine Kunst. Bei Bildhauern etwa spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Jede Wand und jeder Boden ist ein Unikat, das man auch schätzen darf. Wenn ich die Ästhetik, die Lebensdauer und die gesundheitlichen Vorteile im Innenraum den Kosten gegenüberstelle, würde ich nicht von hohen Kosten sprechen.

Bei der Ausführung kann man sparen, indem man den Bauherr miteinbindet und auch handwerklich mitarbeiten lässt. Wenn er einen passenden Lehm aus der Baugrube hat, würde ich den auch vor Ort verarbeiten.

Beratung zur Selbsthilfe bietest Du also auch an?

Ja, genau.

Auch Lehmböden erfahren eine Renaissance im Neubau. Du hast einen gestampft. Was hast Du dabei gelernt?

Das war in einem privaten Neubau ein Erdkeller mit Ziegelgewölbe zum Lagern von Lebensmitteln – mit vier Quadratmetern genau die richtige Größe. Mit großer Begeisterung waren meine Mitarbeiter und ich am Werken. Als wir fertig waren, war es ein optischer Hingucker und die Bauherren waren sehr zufrieden.

Was gefällt Dir persönlich am Lehm?

Das Material ist genial zu verarbeiten. Wenn ich an einem Tag nicht fertig werde, kann ich am nächsten Wasser zugeben und weiter arbeiten. Ich habe keinen Verlust und habe so viele Möglichkeiten ihn zu gestalten. Die Form kann rund oder eckig sein, das Erscheinungsbild glatt oder körnig. Einmalig, wie man mit einem natürlichen Baustoff so geniale Oberflächen herstellen kann.

Vielen Dank für das Interview, Manfred!

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bilder: Manfred Weixlbaum

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Soll "Beratungsstellen" beworben werden?: ja

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