Haus aus leim- und metallfreien Vollholzelementen

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Naturverbundenes Wohnen und Arbeiten in Südtirol, gebaut unter dem Aspekt der Wohngesundheit.

Die Thematik Wohngesundheit, eine klare Trennung von Wohnhaus und Betriebsgebäude, die Nutzung der Südhanglage für erneuerbare Energie, Vollholz als Baustoff und die Integration der Architektur in die umliegende Landschaft: Der Baubiologe IBN und Bio-Elektrik-Unternehmer Leonhard Plattner hatte klare Vorstellungen für sein Bauvorhaben.

Energieautark

Bauherren
Die Bauherren und Unternehmer Bärbl und Leonhard Plattner

Der zertifizierte Baubiologe und naturverbundene Unternehmer wusste bereits vor Planungsbeginn, dass für seine Anforderungen an eine natürliche Lebensweise nur ein Vollholzbausystem in Frage kommen würde. Dazu kommt, dass Leonhard Plattner und seine Ehefrau Bärbl auf einem Bauernhof aufgewachsen sind und damit von Kindheit an einen selbstverständlichen Zugang zu natürlichen Produkten haben. Wohnhaus und Betriebsgebäude sollten die Einstellung der vierköpfigen Familie zu gesundem Wohnen und nachhaltigem Bauen widerspiegeln. Vorbild war die Natur, welche ihre Ressourcen möglichst schonend und ohne große Umwege zu nutzen versteht.

Mondholz aus dem nahen Wald

„Ich habe früher eine Zeitlang bei einem Zimmereibetrieb gearbeitet, und die Arbeit mit dem Rohmaterial Holz hat mir immer gefallen. Darum haben wir das Holz für unser Haus auch selbst im nahen Wald ausgesucht“, so Leonhard Plattner. Die Bauherrenfamilie war bei der Baumfällung, dem Schnitt mit der Wandersäge und der Einbringung dabei. Verwendet wurde ausschließlich Mondholz. Dieses wird unter Berücksichtigung des forstwirtschaftlichen Mondkalenders geschlagen, im Winterhalbjahr bei abnehmendem Mond.

1 Optimale Nutzung der Hanglage für direkte und indirekte solare Energiegewinnung.
2 Vollholz und Lehm sorgen für ein sehr gutes Raumklima.
3 Raumaufteilung
4 Ein Teil des Wohnbereichs hat ein begrüntes Flachdach, der andere ein traditionelles Satteldach.

Ohne Leim und Metall

Unbehandelt wurde das Mondholz einerseits für Tragstrukturen für Decke und Dach sowie für Lattung und Verschalung verwendet, andererseits in seiner ursprünglichen Wuchsrichtung vom Südtiroler Unternehmen holzius zu formstabilen und vor allem leim- und metallfreien Vollholzwänden verarbeitet. Die Grundlage dafür ist ein patentiertes Konstruktionsprinzip, das einzelne Holzteile ohne Leim und Metall miteinander verbindet. Je nach gewünschten Eigenschaften und gestellten Anforderungen kann aus unterschiedlichen Holzarten gewählt werden: Fichte, Weißtanne oder Zirbe, manchmal auch Kiefer oder Lärche.

Die Ästhetik muss nicht zwingend eine Holzoptik sein. Auch Wände mit Lehm- oder Kalkputz lassen sich mit dem Baustoff Vollholz kombinieren. Die Bauherrnfamilie konnte dabei die Produktion der Elemente im Werk mitverfolgen. So entstand im oberirdischen Bereich ein Vollholzhaus in baubiologischer Ausführung mit rund 150 m² Nutzfläche für naturverbundenes und gesundes Wohnen. Der Rohbau konnte durch werksseitige Vorfertigung in kürzester Zeit erstellt werden.

Die architektonische Lösung basiert einerseits auf der optimalen Integration des großvolumigen Baus in die Landschaft unter Berücksichtigung der umliegenden bäuerlichen Gebäude. So befinden sich vor allem die 100 m² Büroflächen sowie die weiteren Räumlichkeiten für die Werkstatt und das Magazin vorwiegend unter der Erde oder begrünten Vordächern. Andererseits sind das energieautarke Konzept und die Unabhängigkeit von zukünftigen Energiepreis-Entwicklungen wesentliche Elemente des nach Süden ausgerichteten Baus auf 1.100 m Meereshöhe: Der Wärme- und Strombedarf wird aus 18 Solar-Hybridkollektoren sowie 18 Photovoltaik-Modulen gewonnen, die zugleich als Brüstung der begrünten Terrasse des Wohnhauses dienen.

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe und ein riesiger Regenwasserspeicher (75.000 Liter) ergänzen das System. Der Tank dient nicht nur bei Regenarmut als Langzeit-Wasserspeicher, sondern wird auch als Energiespeicher genutzt. Durch die Wärmepumpe kann die Energie aus dem Wasserspeicher so lange herausgeholt und für die Bodenbeheizung genutzt werden, bis das Wasser darin gefriert. Erreicht wurde ein Energieverbrauch <30 kWh/(m²a) und die KlimaHaus-Zertifizierung der Klasse A.

Haustechnik: Gesund und smart

Die Materialien im Innenraum werden von naturbelassenem Holz und vom Lehm bestimmt und wirken zur Freude der Familie offen, luftig und warm. Für ideale Luftfeuchtigkeit sorgen die offenporigen und unbehandelten Oberflächen. Als Leonhard die Baubiologen-Ausbildung abgeschlossen hatte, war für ihn klar, dass auch die Elektroinstallation baubiologischen Kriterien entsprechen muss: Dass sich die heutige Vorstellung eines Smart Home mit all seinen Funkquellen und dem damit einhergehenden Elektrosmog mit dem Gesundheits-Grundsatz beißt, war dem Messtechniker klar.

„Digitalisierung in Ehren, doch muss die Haustechnik meiner Meinung nach so gebaut werden, dass sie nicht der Gesundheit schadet und wir nicht davon abhängig werden.“ Ohne große Mehrkosten hat er darum sämtliche Kabel abgeschirmt und mit einem Funk-Bus System ergänzt. So muss die Familie Plattner trotz moderner Gebäudeautomatisierung nicht aufs gesunde Wohnen verzichten.

Eckdaten Bauprojekt

Baujahr2016
Bauweise
  • Massive Bauweise aus leim- und metallfreien Vollholzelementen (holzius GmbH)
  • Verarbeitung von insgesamt 100 Tonnen Holz zu Wänden, Balkendecken, Dach, Lattungen und Schalung
Energie und Haustechnik
  • Autarke Deckung des Wärme- und Strombedarfs aus Photovoltaik- und Solar-Hybrid-Modulen, kombiniert mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und 75.000 Liter Regenwasser
  • Holzspeicherofen im Wohnraum als Zusatzheizung
  • Elektroinstallation nach baubiologischen Richtlinien, Bio-Elektrik KG, Jenesien
Beheizte FlächenBüro 100 m², Wohnung 150 m²
Beheiztes Bruttovolumen
1.070 m³
Mittlerer U-Wert der Gebäudehülle [ Um ]0,24 W/m²K
Gebundenes CO2
100 Tonnen. Dies entspricht etwa jenem CO2-Ausstoß, der bei einem Mittelklasse-PKW mit einer Fahrleistung von rund 900.000 km entsteht.
Klimahausangaben
  • Energieeffizienzklasse Gebäudehülle: A
  • Gesamtenergieeffizienzklasse: Gold
Planung
  • Architektin Christine Pfeifer, Baubiologin IBN, LO-Feng Shui Beraterin und Trainerin
  • Architekt Norbert Dalsass, Brixen
Vollholzelementeholzius, Prad am Stilfserjoch, Südtirol,
www.holzius.com

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Titelbild: holzius/Arnold Ritter
Foto 1 und 2: holzius/Arnold Ritter
Grafiken 3 und 4: Pfeifer Planung

Autorin
Christine Pfeifer

Dr. Christine

Pfeifer

arbeitet als Architektin, Baubiologin IBN und LO-Feng-Shui-Beraterin in Eppan (Südtirol).

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