Radonsicheres Bauen ist gesetzliche Vorschrift

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Radonschutzmaßnahmen und Qualitätssicherung: Seit Ende 2018 gilt das neue Strahlenschutzgesetz (StrSchG). Die gesetzlichen Regelungen zur Messung von Radon-Konzentrationen in fertiggestellten Innenräumen zeigen klar die Bedeutung der Qualitätssicherung beim Schutz vor Radon auf.

Die Grundlagen, Anforderungen und Möglichkeiten rund um das radonsichere Bauen und Sanieren sind vielen Fachplaner*innen, Bauherr*innen und ausführenden Betrieben noch nicht ausreichend bekannt. Fallen die Radonwerte höher aus als erlaubt, kann dies unter Umständen auch rechtliche und finanzielle Folgen haben. 

Wie ist der aktuelle Stand der Gesetzeslage? Was genau wird vorgeschrieben? Wo und wie muss gemessen werden? Welche Kontrollen wird es geben? Wann und wie muss saniert werden? Welche Maßnahmen sind im Neubau oder bei Sanierungen im Bestand sinnvoll und haben sich bewährt? Was muss beachtet werden, wenn bei Maßnahmen im Bestand zugleich eine Sanierung hinsichtlich Energiesparmaßnahmen geplant ist? Viele offene Fragen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Radonschutz lässt noch zu wünschen übrig. Jährlich werden Tausende von Wohnungen und Häusern neu gebaut oder saniert, zwar unter Berücksichtigung von energetischen Kriterien, jedoch ohne gleichzeitig auf ausreichenden Radonschutz zu achten. Dabei ist längst bekannt – z.B. durch Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt LfU (2009 – 2012) – dass energetische Sanierungen ggf. zu Erhöhungen von Schadstoffen und Radon in Innenräumen führen können. Eine bauliche Vorsorge ist also gesundheitlich relevant.

Gesundheitliche Risiken

Bislang wird davon ausgegangen, dass Radon samt seiner ebenfalls radioaktiven Zerfallsprodukte Pollonium, Bismut und Blei bei langfristiger Einwirkung hauptsächlich das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, stark erhöhen kann. 

Gesetzliche Regelung

Das neue Strahlenschutzgesetz kann hier online nachgelesen werden – in Teil 4, Kapitel 2 geht es um Radon.

Aktueller Kenntnisstand

  • Der Referenzwert für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze beträgt 300 Bq/m³ im Jahresmittel
  • Der Radonwert in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen soll also im Jahresmittel 300 Bq/m³ nicht überschreiten.
  • Bis Ende 2020 werden vom Gesetzgeber Radonvorsorgegebiete festgelegt und veröffentlicht, in denen spezielle Maßnahmen ergriffen werden sollen.
  • Alle Arbeitsplätze, die sich in ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten in bodennahen Stockwerken befinden, also im Erdgeschoss und Keller, unterliegen der Messpflicht.
  • Langzeitmessungen erfolgen bevorzugt mit Kernspurexposimetern, die mindestens 3 Monate lang während der Heizperiode oder besser ein Jahr lang vor Ort bleiben.
  • Für private Haushalte gibt es eine dringende Empfehlung zur Messung. Der Gesetzgeber appelliert an die Eigenverantwortlichkeit und Eigenschutz der Bürger für die eigene Gesundheit zu sorgen.

1 Radon-Schutzfolie auf der Sauberkeitsschicht (folgende Arbeitsschritte: Wärmedämmung und Bodenplatte)
2 Radon-Bodenluftmessung

Eigene praktische Erfahrungen

In unseren Projekten verwenden wir neben Kernspurexposimetern vor allem aktive Radon-Messgeräte, die in kürzerer Zeit orientierende Messungen der Raumluft und Bodenluft ermöglichen. Mit vorbeugenden Maßnahmen bei Neubauten haben wir gute Erfolge erzielt. So wurden radondichte Schutzfolien unter der Bodenplatte verwendet und alle erdberührenden Bauteile und Durchdringungen wurden gasdicht ausgeführt. Die erforderlichen Maßnahmen bei Sanierungen im Bestand können je nach vorliegender Bausubstanz umfangreicher werden. Die Herausforderung im Bestand besteht darin, die Eintrittspfade für Radon zu ermitteln. Abdichtungsmaßnahmen können die Radonkonzentration im Innenraum nur dann ausreichend reduzieren, wenn möglichst alle Leckagen gefunden wurden. Oftmals ist eine Kombination mit erhöhtem Luftwechsel sinnvoll, jedoch hat auch dies praktische Grenzen. Eine weitere Variante stellt im Sanierungsfall die Absaugung der Bodenluft dar. Hiermit soll verhindert werden, dass Radon ins Gebäude eindringt. Diese Maßnahmen sind häufig sehr wirksam, jedoch gleichzeitig auch mit entsprechenden Kosten versehen. Welche Abhilfen sinnvoll sind, ist fallweise zu entscheiden. Eine Erfolgskontrolle durch Nachmessungen ist erforderlich.

Die Radonkonzentrationen in Innenräumen werden von mehreren Faktoren maßgeblich beeinflusst: Standort und Radongehalt in der Bodenluft, Bausubstanz und Bauqualität, jahreszeitliche und wetterbedingte Schwankungen. In Stadtbereichen scheint auch eine großflächige Bodenversiegelung eine Rolle zu spielen. Je nach Zustand der Bausubstanz finden wir aber auch in Stadtbereichen Altbauten mit geringen und gleich daneben mit erhöhten Radonwerten. Klarheit verschaffen nur fachgerechte Messungen vor Ort.

Weitere Informationen

Wer mehr über Radon erfahren möchte, kann bei fundierten Seminaren folgender Institutionen teilnehmen:

  • Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN
  • Verband Baubiologie VB
  • Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB

Eine Weiterbildung zur Radonfachperson findet regelmäßig beim Berufsverband Deutscher Baubiologen (VDB) in Zusammenarbeit mit dem Verband Baubiologie (VB) sowie an der Bauakademie Sachsen in Dresden statt.

Eine Liste von Radonfachpersonen gibt es beim VDB (Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V.)

Das Bayerische Landesamt für Umwelt LfU in Augsburg veranstaltet jährlich ein Radon-Netzwerk-Treffen.

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Verband Baubiologie VB
verband-baubiologie.de

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bilder: Pamela Jentner

Autorin
Pamela Jentner

Pamela

Jentner

Dipl. Biologin, Baubiologische Messtechnikerin IBN, Radonfachperson (SMUL, LfU), Vorstandsmitglied Verband Baubiologie VB, Orange Pep GmbH, 85354 Freising

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