Wasserschäden in Gebäuden sanieren – Teil 1

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Wasser- und Feuchteschäden in Gebäuden haben viele verschiedene Ursachen. Die Folgen sind oft sichtbarer oder unsichtbarer Schimmelbewuchs. Zu einer sach- und fachgerechten Sanierung gehören neben dem richtigen Umgang mit Versicherungen eine vorherige gründliche Untersuchung, ggf. die Zweitmeinung einer/eines unabhängigen Sachverständigen und eine Erfolgskontrolle als Nachweis zur Abnahme der Arbeiten.

Wenn Bausubstanz oberflächlich oder auch tiefergehend durchfeuchtet wird und die Feuchte für mehr als drei Tage einwirkt, kann der Schaden i.d.R. nicht mehr ausschließlich durch Trocknungsmaßnahmen behoben werden. Denn nach drei Tagen mit Feuchte beginnen Schimmelpilze zu wachsen und oft kommt es früher oder später zu Geruchsentwicklungen.

Ursachen für Wasserschäden in Gebäuden 

  • Regeneintritt durch Leckstellen am Dach, bei Dacharbeiten, bei Überflutungen oder Hochwasser
  • Regeneintritt bei Undichtigkeit an einer Regenrinne oder deren Überlauf z.B. bei Verstopfung
  • Wasseraustritt aus wasserführenden Trinkwasser- oder Heizungsrohren bei Rissbildung, Korrosion, Anschlussundichtigkeiten, Schlauchplatzern etc.
  • Wasseraustritt aus einem Abflussrohr bei Verstopfung, Abriss, Rissbildung oder Kanalrückstau
  • Wasseraustritt aus Aquarien, überlaufenden Wannen oder Spülbecken
  • Wassereintritt durch undichte Silikonfugen
  • Spezialfälle sind Feuchtebelastungen von Baumaterialien bei Neubauten und bei Sanierungen durch das Verdunsten von Anmachwasser für Mörtel, Putze, Beton und Estrich
Schimmelbefall durch Wasser aus dem mehrere Meter entfernten Badezimmer. Unter dem Estrich lief es bis zur gegenüber liegenden Wand und durchfeuchtete sie.

Allmähliche Schäden

Bei kleinen Undichtigkeiten an Rohren oder undichten Fugen sind die Folgen zunächst nicht oder nur versteckt sichtbar. Das Wasser sickert über längere Zeit in Wände, in Schächte oder unter den Estrich – bis man etwas bemerkt, vergehen oft Wochen, manchmal Monate. Dann jedoch zeigen sich an den Oberflächen der Wände in Bodennähe feuchte Stellen mit oder ohne Schimmelbewuchs oder Feuchtespuren in Form von Salzausblühungen oder Trockenrändern. Sind Tapeten, Gipskartonplatten bzw. Gipsputz, Lehmputz oder Leimfarben betroffen, dann wächst der Schimmel meist sehr schnell und bei Trockenbauwänden natürlich auch unsichtbar innerhalb der hohlen Wandkonstruktionen. In Holzhäusern oder Gebäuden mit Dämmstoffen auf Holzbasis, Holzwerkstoffplatten oder mit Trockenbaukonstruktionen aus Holz wachsen außer den Schimmelpilzen sehr oft auch Holz zerstörende Pilze wie echter Hausschwamm oder brauner Kellerschwamm. Das passiert sehr oft gerade bei Allmählichkeitsschäden oder anderen sehr lange anhaltenden Feuchteeinwirkungen, die zunächst unentdeckt bleiben.

Schäden durch Hausschwammpilze können teuer werden, deswegen sind sie in der Regel bei den Versicherungen ausgeschlossen. Sie müssen jedoch zur Vermeidung größerer Schäden auf jeden Fall umfassend saniert werden.

Wenn Holz- und Holzwerkstoffe verschimmeln, dann entsteht meist ein typischer Geruch nach Waldpilzen, der sich schon bemerkbar machen kann, lange bevor man den Befall tatsächlich sieht. Oft gewöhnen sich die Bewohner nach und nach an den Geruch und bemerken deshalb den Schaden gar nicht. 

Feuchte in Trittschalldämmung

Selbst bei den Schäden aufgrund eines erkennbaren Wasseraustritts können sich zusätzliche Probleme ergeben, deren volles Ausmaß man zunächst nicht ermisst – wenn z.B. ausgetretenes Wasser durch eine Randfuge unter den Estrich oder in den Bodenaufbau läuft, dann ist es ja erst einmal weg.

Die meisten Betroffenen denken sich nichts dabei, wischen das oberflächlich sichtbare Wasser auf und leben erst einmal unbeschwert weiter. Das Wasser hat sich jedoch in der Bausubstanz großflächig verteilt, bei Boden- und Deckenkonstruktionen aus Beton in der Regel unterhalb des Estrichs in der dortigen Dämmebene. Dort beginnt dann das Dämmmaterial bzw. der in der Bauphase mehr oder weniger mit eingebaute Staub zu schimmeln.

Dämmlagen unter dem Estrich sind in Deutschland fast überall in Gebäuden ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vorhanden. Heutzutage sind meist Polystyrolplatten und Mineralfasermatten verbaut, auch Polyurethan-Dämmplatten sind gebräuchlich. Vorhanden sind aber auch viele andere Dämmstoffe: Perlite-Granulat, Korkplatten mit und ohne Bitumen, Korkgranulat, Holzspäne, Holzweichfaserplatten, Blähtonkügelchen und vieles andere mehr. Laufend kommen neue Materialien auf den Markt.

Jedes Material erfordert andere Sanierungsmaßnahmen. Gemeinsam ist allen Materialien nur, dass sie mit der eingedrungenen Feuchte und den immer mit eingebauten Stäuben aus der Einbauphase dem Schimmel gute Wachstumsbedingungen bieten.

Lange unbemerkt verlaufender Wasserschaden im Badezimmer eines Fertighauses: Schimmelpilze und Hausschwamm haben die gesamten Bodenbalken bis in angrenzende Räume befallen und geschädigt.

Geruch und Hygiene

Bemerkt wird der Schaden meist erst dann, wenn es anfängt, nach Fäulnis und nach Schimmel zu riechen. Unterschiedliche Gerüche entstehen deshalb, weil anfangs bei hoher Feuchte zuerst Bakterien gut wachsen, die allerdings bei abnehmender Feuchte absterben und verwesen. Erst in dieser Phase bekommen Schimmelpilze die Überhand.

Schimmel und Bakterien in Baumaterial und in dessen Hohlräumen können eine Belastung der Raumluft mit Partikeln und Stoffwechselausgasungen bewirken und damit die verschiedensten Gesundheitsprobleme verursachen bzw. verstärken. Genaueres dazu ist noch nicht ausreichend erforscht, solche Keimbefälle sind jedoch immer ein hygienisches Problem. Das Umweltbundesamt (UBA) geht in seinen Veröffentlichungen jedenfalls bei länger andauernder Feuchte an Bauteilen meist von einer problematischen Situation aus und empfiehlt in der Regel deshalb eine restlose Entfernung der verkeimten Materialien.

Hinweise zu Teil 2

In Teil 2 zu diesem Beitrag geht es vor allem darum, was man als Betroffene/r tun sollte, warum man fachliche Hilfe braucht und wie wie der richtige Umgang mit den Versicherungen ist.

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1 Kommentar

  1. Sehr guter Artikel! Danke dafür. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Autor
Uwe Dippold

Uwe

Dippold

Baubiologe IBN und Schimmelsachverständiger

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