Sind Borate/Borsalze in Baustoffen gesundheitsschädlich?

Mir liegen unterschiedliche Informationen zu folgenden Fragen vor: Sind Borate verboten oder dürfen sie verwendet werden? Sind sie gesundheitsschädlich oder nicht? Wissen Sie Rat?

4 Kommentar(e)

Antwort

Vorab zum grundsätzlichen Verständnis: Borate sind Salze, sie gasen also nicht aus, können aber als Staub oder Staubbestandteil eingeatmet werden. Sie werden z.B. Dämmstoffen, Holzschutzmitteln und Farben als Flamm-, Insekten- und/oder Pilzschutz hinzugefügt.

Borate sind seit einigen Jahren laut CLP-Verordnung und REACH als reproduktionstoxisch, also die Fruchtbarkeit beeinträchtigend, eingestuft, dürfen aber bei entsprechender Kennzeichnung und Konzentration (< 5,5 %) nach wie vor eingesetzt werden. Aus gesundheitlichen Gründen sollte man deshalb als Verarbeiter wie als Verbraucher darauf achten, dass man keine Borate oder borsalzhaltige Stäube einatmet (v.a. nicht über einen längeren Zeitraum). Borate sollten also in keinen Produkten enthalten sein, die mit der Innenraumluft in direktem Kontakt stehen, also z.B. nicht in Innenraumfarben.

Für den Einsatz von Boraten im Außenbereich sehen wir wenig Probleme. Man sollte allerdings vermeiden, dass es durch Regen zu Auswaschungen von Boraten kommt, damit sie nicht in größeren Mengen z.B. im Garten(wasser) landen. Wissen sollte man, dass Borate z.B. in Holzschutzmitteln häufig in Kombination mit anderen giftigen Inhaltsstoffen, z.B. Pestiziden eingesetzt werden.

Als Zusatz in Wärmedämmmaterialien sehen wir keine Probleme, soweit diese fachgerecht ein- und ausgebaut werden (Atemschutzmaske!) und sie zur Innenraumluft hin dicht eingebaut sind (z.B. mittels Dampfbremse), was heutzutage Standard ist. Ist dies (z.B. in älteren Gebäuden) nicht der Fall, sollte man nachrüsten, wie z.B. Fugen/Risse dauerelastisch abdichten.

Diese Frage wurde Ihnen von Josef Spritzendorfer, Baustoffexperte und Betreiber der „Europäischen Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (EGGBI)“ beantwortet. 

Weitere Informationen der EGGBI zu „Borate in Bauprodukten

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4 Kommentare

  1. Vielleicht gibt es ja auch Stoffe, die Borate ersetzen können. In dieser Richtung sollte einmal geforscht werden.

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    • Selbstverständlich wurde hierzu geforscht und längst werden Alternativen eingesetzt wie z.B. Molke, Soda oder Ammoniumphosphate. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit und langfristige Haltbarkeit von Ammoniumphosphaten gilt allerdings als noch nicht abschließend geklärt. Ergänzend sei hierzu erwähnt, dass es auch viele Produkte wie z.B. Wärmedämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen gibt, die (teilweise aufgrund ihrer Beschaffenheit) keine Brandschutz- bzw. Insektenschutzmittel enthalten.

      Ihr IBN

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  2. Sehr geehrter Herr Hefele,
    ich gebe Ihnen grundsätzlich recht- toxikologisch bedenkliche Stoffe sollten möglichst nicht in Gebäude eingebracht werden.
    Konkret besteht bei Boraten lediglich ein “Restrisiko” beim Einatmen von Stäuben – relevant bei fachgerechter(!) Verarbeitung ausschließlich beim Einbau, Rückbau und bei Umbaumaßnahmen –
    aber nicht in der Nutzungsphase des Gebäudes!
    Ein “Ausgasen” und damit eine Raumluftbelastung mit “toxischen Stoffen” wie bei vielen anderen Flammschutzmitteln findet bei “dem “erlaubt ohnedies limitierten Einsatz von Boraten” nicht statt.
    Nicht zu unterschätzen ist jedoch für viele der emotionale Faktor beim Wissen um “Schadstoffe” im Gebäude, der unabhängig von toxikologischen Aussagen individuell eine kategorische “Ablehnung” vollkommen rechtfertigt.
    Meine Bedenken betreffen bei allen Bauprodukten aber stets primär “Emissionen” von vielen gesundheitsgefährdenden Stoffen aus zahlreichen Produkten, die auch im verbauten Zustand raumluftwirksam sein können. Ich lege daher meinen Schwerpunkt auf die Forderung nach umfassenden, glaubwürdigen Emissionsprüfberichten von Bauprodukten, unabhängig wo und wie sie verbaut werden, und nur sekundär auf “Inhaltsangaben”, wenn die Produkte nicht in unmittelbaren Kontakt mit dem Gebäudenutzer (sei es als Kontaktallergen oder als “einatembare” Schadstoffe) treten.

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  3. borsalze als brandschutzmittel in dämmstoffe,ist kein Material das ich im meinen Haus weder innen noch außen verbauen möchte. Dürfte auf keinen Fall als baustoff zugelassen sein.

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