Nassestrich oder Trockenestrich?
Antwort
Aus baubiologischer Sicht sind – jeweils unter Berücksichtigung einiger Kriterien – beide Estricharten vertretbar. Im Einzelfall ist zu entscheiden, welcher Estrich besser geeignet ist. Dabei sind unter anderem folgende Fragen zu klären:
- Wie viel Zeit steht für die Austrocknung zur Verfügung? Während bei Trockenestrichen der Bodenbelag sofort verlegt werden kann, sind bei Nassestrichen Trockenzeiten von mehreren Wochen erforderlich.
- Welche Anforderungen bestehen an den Trittschall?
- Welcher Bodenbelag ist vorgesehen?
- Werden die Arbeiten im Zuge einer Generalsanierung durchgeführt? Bei einzelnen kleinen Räumen oder sukzessiver Sanierung ist der Einbau von Nassestriche i.d.R. unwirtschaftlich.
- Ist eine Fußbodenheizung vorgesehen?
- Welcher Zeit- und Kostenrahmen steht zur Verfügung?
- Ist Eigenleistung vorgesehen? Nassestrich eignet sich dafür in der Regel nicht.

Stromleitungen, Wasser- und Heizungsrohre
Bodenaufbau mit Kalksplitt und Holzweichfaserplatten
Unterbau links für Holzboden / rechts für Fliesen
Kreuzlager noch ohne Dämmschüttung
Bodenaufbau für Fliesen mit Holzspänedämmung
Übergang von Böden für Holzboden und Fliesenboden
Massivholzbodenverlegung auf fertig gedämmtes Kreuzlager
In Gipsplatten vor Ort eingefräste Rillen zur Aufnahme von Heizrohren
Fertig verlegte Heizrohre1 Fertig verlegte Stromleitungen, Wasser- und Heizungsrohre2 Bodenaufbau mit Kalksplitt und Holzweichfaserplatten3 Unterbau links für Holzboden / rechts für Fliesen4 Kreuzlager noch ohne Dämmschüttung5 Bodenaufbau für Fliesen mit Holzspänedämmung6 Übergang von Böden für Holzboden und Fliesenboden7 Massivholzbodenverlegung auf fertig gedämmtes Kreuzlager8 In Gipsplatten vor Ort eingefräste Rillen zur Aufnahme von Heizrohren9 Fertig verlegte Heizrohre
Gängige Nassestriche sind Zementestriche und Anhydritestriche:
- Zementestriche sind sehr robust und gut für Feuchträume geeignet. Sie neigen aber beim Trocknen zum „schüsseln“ und „schwinden“ und benötigen eine vergleichsweise lange Austrocknungszeit (mind. 4 Wochen) – während dieser Zeit muss gut gelüftet werden. Bei größeren Flächen müssen Fugen eingeplant werden.
- Anhydritestriche (auch Calciumsulfatestriche oder Gipsestriche genannt) sind hingegen nicht für Feuchträume geeignet. Es gibt sie auch als selbstnivellierende Fließestriche. Die Einbringung ist bei großen Flächen sehr wirtschaftlich, sie trocknen spannungsarm und bleiben dadurch sehr eben. Die Trocknungszeit ist im Vergleich zu Zementestrichen etwas kürzer.
- Mit gesundheitsschädlichen Emissionen ist bei Nassestrichen in der Regel nicht zu rechnen, soweit keine emittierenden Wärmedämmstoffe oder Kleber verwendet werden. Zement als Bindemittel ist jedoch sehr energieintensiv und verursacht entsprechend hohe CO2-Emissionen. Es wird viel Feuchtigkeit in das Bauwerk eingebracht, was zu Schimmelproblemen führen kann. Vor Verlegung des Bodenbelags muss gemessen werden, ob der Estrich ausreichend trocken ist.
Gängige Trockenestriche für verklebte Bodenbeläge (wie z. B. Fliesen oder Kork) basieren meist auf Gipsfaserplatten oder zementgebunden Platten, aber es gibt auch Formplatten aus Ton oder Lavasteinen.
- Bei Gipsfaserelementen oder zementgebundenen Platten gibt es Ausführungen mit oder ohne unterseitige Kaschierung z. B. mit Holzweichfaserplatten. Die Stufenfalzplatten werden mit Versatz verlegt und miteinander verschraubt oder verklammert.
- Ton- oder Lavastein-Formplatten sind vergleichsweise schwer, was sich gut auf den Trittschall auswirkt. Sie werden z.B. in Kombination mit einer Trockenschüttung (z. B. Perlite, Holzspäne, Kalksplitt, sandgefüllte Wabenkartonplatten) und Holzfaserplatten verlegt.
- Angeboten werden auch Trockenestriche mit ausgefrästen Leitungskanälen zur Aufnahme von Rohren für eine Fußbodenheizung.
- Massivholzböden können auch schwimmend verlegt werden. Oft die beste Option dafür ist deren Verlegung ohne Estrich auf einen Kreuzlagerbodenaufbau (Holzlattengerüst über Kreuz) oder auf profilierte Lagerhölzer mit dazwischenliegenden Holzweichfaserplatten. Bei dieser Variante können Massivholzböden auf die Holzlager bzw. -latten leimfrei und damit emissionsfrei geschraubt oder genagelt werden.
Fazit
Die wesentlichen Vorteile von Nassestrichen:
- i.d.R. günstigerer Preis bei verklebten oder schwimmend verlegten Bodenbelägen (außer bei kleinen Flächen/Räumen).
Die wesentlichen Vorteile von Trockenestrichen:
- es wird keine Feuchtigkeit in das Gebäude eingebracht
- der fertige Bodenbelag kann sofort eingebaut werden, da keine Trockenzeiten eingehalten werden müssen
- sie ermöglichen ein vergleichsweises sauberes Arbeiten z.B. in bewohnten Gebäuden.
Welcher Fußbodenaufbau genau der richtige im Einzelfall ist, sollte mit erfahrenen Fachleuten geklärt werden. Gerne können Sie sich an die Baubiologischen Beratungsstellen IBN wenden.
Beantwortung der Frage und Fotos: Stefan Schön, Baubiologische Beratungsstelle in 92355 Velburg
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