Camperausbau VW T3 – schadstoffarm & umweltfreundlich
2020 kauften wir spontan einen alten VW T3 Postbus von 1987, außen und innen bereit für jede Menge Selbstverwirklichung. Das war dann auch der Startschuss für die Umsetzung einer ganz besonderen Idee: Wie wäre es, diesen Camper-Ausbau so ökologisch, baubiologisch und ressourcenschonend wie möglich zu gestalten?
Öko-Upcycling-Projekt
Wir leben mittlerweile in einer umweltgefährdenden Überflussgesellschaft. Deshalb war unser erster Wunsch, Dinge beim Camper-Ausbau wiederzuverwenden, aufzuwerten, ihnen ein zweites Leben zu schenken und damit am Ende auch noch Geld zu sparen.
Das Grundprinzip unseres Wirtschaftssystems basiert größtenteils auf einem linearen Modell: Cradle-to-Grave, von der Wiege ins Grab – viele Produkte werden als Einwegprodukte für eine kurze Lebensdauer hergestellt – ohne technischen oder biologischen Kreislauf. Deshalb war unser zweiter Wunsch, den Camper-Ausbau so zu gestalten, dass vieles rückbaubar und weiter nutzbar oder wenigstens fachgerecht kompostierbar ist.
Im klassischen Ausbau von Reisefahrzeugen werden sehr oft künstliche Materialien verbaut: synthetische Dämmungen, lösemittelhaltige Kleber oder Lacke, beschichtete Verbundwerkstoffe. Diese Materialien können einerseits Schadstoffe ausdünsten, andererseits sind sie aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht feuchteausgleichend. Und damit entstand unser dritter Wunsch, beim Camper-Ausbau Materialien zu verwenden, die schadstoffarm sind und für ein gesundes Raumklima sorgen.

Der erste Schritt für den Innenausbau ist die zweilagige Beschichtung mit Sprühkork, um zukünftig Wärmebrücken zu reduzieren.
Die eigentliche Dämmung besteht aus Hanfdämmmatten, die sich ohne Spezialwerkzeug in die richtige Größe schneiden lassen.
Diese Dämmmatten - 40 und 60 mm stark - werden zuerst zwischen die Holme bzw. die hölzerne Unterkonstruktion geklemmt ...
... und anschließend mit einem Juteseil vor dem Herausfallen / Einsacken gesichert.
Rustikal statt clean: Bereits während des Ausbaus versprüht der T3 den von uns gewünschten Charme eines individuellen, naturfokussierten Projekts.1 Der erste Schritt für den Innenausbau ist die zweilagige Beschichtung mit Sprühkork, um zukünftig Wärmebrücken zu reduzieren.2 Die eigentliche Dämmung besteht aus Hanfdämmmatten, die sich ohne Spezialwerkzeug in die richtige Größe schneiden lassen.3 Diese Dämmmatten – 40 und 60 mm stark – werden zuerst zwischen die Holme bzw. die hölzerne Unterkonstruktion geklemmt …4 … und anschließend mit einem Juteseil vor dem Herausfallen / Einsacken gesichert.5 Rustikal statt clean: Bereits während des Ausbaus versprüht der T3 den von uns gewünschten Charme eines individuellen, naturfokussierten Projekts.
Dämmung: nachwachsend
Die Wahl des Dämmmaterials hat den größten Einfluss auf Nachhaltigkeit und Raumklima. Zudem ist dabei auf folgenden Sachverhalt zu achten: Die blecherne Außenhaut des Campers wirkt wie eine Dampfsperre. Feuchtigkeit kann also nicht von innen nach außen austrocknen und ohne geeignete Maßnahmen können in der Dämmung Kondensat und Feuchteschäden entstehen.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich die für uns beste Lösung gefunden habe: Ein zweilagiger Aufbau mit diffusionsoffener, hygroskopischern und kapillaraktiver Wärmedämmung aus nachwachsendem Naturmaterial. Direkt am Blech befindet sich aufgesprühter Kork, anschließend folgt eine 40 mm bzw. 60 mm dicke Hanfmatte. Auf dem Boden liegen Dämmkorkplatten.
Der von uns verwendete Sprühkork wird als Trockenprodukt in Papiersäcken geliefert und enthält keine Konservierungsmittel. Mit Wasser vermischt und anschließend mittels Trichterpistole und geliehenem Kompressor aufgebracht, wirkt er außerdem schalldämmend und schwingungsentkoppelnd, somit konnten wir auf Alubutyl (Verbundwerkstoff aus Butylkautschuk und Aluminiumfolie), wie er häufig im Wohnmobilausbau verwendet wird, verzichten.
Die Hanfmatten enthalten Stützfasern auf PLA-Basis und Soda als Brandschutzmittel (PLA = biologisch abbaubare Polymilchsäure). Vor die Matten haben wir ein Juteseil gespannt – ein Fundstück aus der Garage des Schwiegervaters – und sie so gegen das Herausfallen und Einsacken gesichert.

Das grobe Jutegewebe im Hochdach sorgt später für eine schöne Untersicht.
Die Innenverkleidung an den Wänden besteht aus alten Mangeltüchern aus Leinen, die auf Holz- oder bestehende Kunststoffplatten getackert werden.
Ökologisch lasiertes Holz aus Einwegpaletten, im Abstand befestigt, bildet die Verkleidung am Dach.
Das Ausziehbett, ebenfalls größtenteils aus dem Holz der Einwegpaletten, ist im nicht sichtbaren Bereich komplett unbehandelt. 
Das Herzstück im Bulli: die Küchenzeile.6 Das grobe Jutegewebe im Hochdach sorgt später für eine schöne Untersicht.7 Die Innenverkleidung an den Wänden besteht aus alten Mangeltüchern aus Leinen, die auf Holz- oder bestehende Kunststoffplatten getackert werden.8 Ökologisch lasiertes Holz aus Einwegpaletten, im Abstand befestigt, bildet die Verkleidung am Dach.9 Das Ausziehbett, ebenfalls größtenteils aus dem Holz der Einwegpaletten, ist im nicht sichtbaren Bereich komplett unbehandelt. 10 Das Herzstück im Bulli: die Küchenzeile.
Innenverkleidung: recycelt
Im Grunde ist es ein Zusammenspiel aus Dämmung, Innenverkleidung und Konstruktion, das eine Austrocknung zum Fahrzeuginnenraum ermöglicht. Die gesamte Dämmebene ist nach innen gut belüftet: Im Hochdach haben wir zuerst Jutegewebe gespannt, das mal Teil der Tischdeko unserer Hochzeit war. Somit ergab sich eine schöne Sicht auf die Schattenfuge der im Abstand von ca. 1 cm befestigten Holzlatten. Diese Holzlatten stammen von Einwegpaletten, auf denen Solarmodule und Wechselrichter transportiert wurden. Auseinandergenommen und von Nägeln befreit, haben wir die Latten mit einer gebraucht gekauften Abricht- und Dickenhobelmaschine etwas dünner gemacht und farblich behandelt. Der Farbton sollte dunkel sein, wie bei Kaffee oder schwarzem Tee, aber nachdem erste Versuche mit diesen Lebensmitteln scheiterten, haben wir dann doch eine lösemittelfreie Lasur verwendet.
An den Wänden wurden entweder die bestehenden Kunststoffplatten oder dünne Sperrholzplatten von uns großzügig mit Lüftungslöchern versehen. Auf diese Platten haben wir anschließend alte Mangeltücher aus Leinen getackert, die ich via Kleinanzeigen gefunden habe.
Selbstverständlich ist es ergänzend vor allem bei kalten Außentemperaturen wichtig, stets auf richtiges Heizen und Lüften zu achten, um im Fahrzeuginnenraum hohe Luftfeuchten zu vermeiden und die Austrocknung der Innenausstattung einschl. Wärmedämmung zu unterstützen.
Innenausbau: aufgemöbelt
Das Prinzip gebrauchter und natürlicher Materialien zieht sich natürlich auch durch den gesamten Innenausbau!
Zum Beispiel: Der Bodenbelag ist aus Linoleum, den wir bei einer Bodenlegerei als Restposten und zugeschnitten für ein paar Euro für deren Kaffeekasse bekommen haben. Die Küchenzeile ist ein altes Buffet aus den 50er oder 60er Jahren, das von uns gekürzt und etwas leichter gemacht wurde. Das Waschbecken ist regionales Kunsthandwerk aus gebranntem Ton, der Wasserhahn und alle Kleiderhaken waren im Familienbesitz.
Außerdem: Die Vorhänge und der Himmel über dem Fahrerhaus sind aus altem Leinenstoff genäht oder aus unserer früheren Wohnung. Das Holz ist entweder einlagiges Massivholz oder ebenfalls Palettenholz und blieb im nicht sichtbaren Bereich komplett unbehandelt. Dachfenster, Abwasser- und Wassertank haben wir auf Kleinanzeigen gefunden, die Lampen sind aus Emaille und hingen im Schuppen des Schwiegervaters bzw. lagen im Wertstoffhof eines italienischen Dorfes.
Bei der Matratze mussten wir ein paar Abstriche machen, denn der Wunsch nach einer Naturfasermatratze überstieg insofern das Budget, als dass wir die teure Matratze hätten auseinanderschneiden und kürzen müssen. Also wurde es dann doch eine laut Hersteller schadstoffgeprüfte und einigermaßen nachhaltige Kaltschaummatratze.

Mein persönliches Highlight ist das Waschbecken aus gebranntem Ton, regional von einem Künstler aus aus Dresden.
Was in keiner gesunden Campingküche fehlen darf? Eine große Auswahl an Gewürzen - und der entsprechende Platz dafür.
Kompromisse auf kleinstem Raum: Die Kühlbox lässt sich nur ausziehen, wenn das Bett eingeklappt ist.
Nach insgesamt einem halben Jahr reiner Ausbauzeit glücklich über das Ergebnis ...
... und seitdem seit Jahren unterwegs.11 Mein persönliches Highlight ist das Waschbecken aus gebranntem Ton, regional von einem Künstler aus aus Dresden.12 Was in keiner gesunden Campingküche fehlen darf? Eine große Auswahl an Gewürzen – und der entsprechende Platz dafür.13 Kompromisse auf kleinstem Raum: Die Kühlbox lässt sich nur ausziehen, wenn das Bett eingeklappt ist.14 Nach insgesamt einem halben Jahr reiner Ausbauzeit glücklich über das Ergebnis …15 … und seitdem seit Jahren unterwegs.
Elektrik: autark
Die Elektrik ist größtenteils neu, denn da wir beide remote arbeiten, muss hier alles reibungslos funktionieren.
Auch wenn der Platz im Bulli überschaubar ist, haben wir dennoch versucht, alle Komponenten so weit wie möglich vom Bett entfernt unterzubringen, mit Ausnahme einer Leselampe. Den Wechselrichter schalten wir händisch nur bei Bedarf an. Drei Lithium-Batterien (mit einer Gesamtkapazität von 300 Ah) und zwei fest angebrachte 120 Watt Solarpaneele machen uns zu 100 Prozent autark.
Fazit: wohlfühlend
Alle Maßnahmen haben dazu geführt, dass wir uns ressourcenschonend, schadstoff- und kunststoffarm einen alten VW T3 komplett nach unseren Bedürfnissen ausbauen konnten. Es gibt noch viel mehr zu erzählen, aber alles weitere würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.
Der Bulli hat uns mit diesem Ausbau in den letzten Jahren zu einigen der schönsten und abgelegensten Ecken dieser Welt geführt. Es ging rauf bis ins Pamir-Gebirge oder durch den Irak, wir erreichten den Oman und verliebten uns in Georgien. Wir bleiben meistens wochen- oder gar monatelang in einer Region und durchfahren dabei so ziemlich jedes Klima: Wüste mit bis zu 45 Grad, Subtropen mit hoher Luftfeuchtigkeit, staubige Steppen und so weiter. Nichts davon beeinflusst den Ausbau signifikant, stattdessen sorgt der Fokus auf feuchtigkeitsausgleichende Materialien für ein angenehmes Raumklima.
Mir ist natürlich bewusst, dass die rollende Behausung selbst nichts zum Schutz der Umwelt beiträgt, denn der Schadstoffausstoß eines Verbrenners und der Mikroplastikeintrag durch Reifenabrieb bleiben trotz Öko-Ausbau. Dennoch ist die Entscheidung für einen solchen Ausbau ein Shift im Mindset. Naturmaterialien sind nachwachsend und oft emissionsärmer in der Herstellung, der Erdölverbrauch wird minimiert. Man kommt außerdem einer Kreislauf- und Recyclingfähigkeit viel näher, kann u. a. durch Regionalität den CO2-Verbrauch senken und erschafft auch noch ein möglichst gesundes Wohnumfeld.
Und: Mit jeder Nachfrage bei Herstellern, Suche nach ökologischen Materialien und Umsetzung eines nachhaltigen Projekts zeigt man der Industrie, dass ein Bedarf besteht! Jede und jeder kann so selbst Teil eines Wandels sein – selbst, wenn es wie in diesem Fall erstmal „nur“ ums Camping geht.
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