Schadstoffarmer Camping-Anhänger

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Um zusätzlichen Wohn- und Gepäckraum für das bereits vorhandene Wohnmobil zu schaffen, wurde ein Anhänger schadstoffarm und möglichst autark ausgebaut. Dieser Mini-Bio-Camper dient als „Wohnzimmer“, bietet noch einen Schlafplatz für eine Person und Raum für zusätzliches Gepäck.

Der Mini-Bio-Camper ergänzt das bereits vorhandene schadstoffarm und MCS-gerecht ausgebaute Wohnmobil auf Basis einen Kastenwagens, kann aber auch als separater Camping-Anhänger für einen Pkw genutzt werden. In diesem Fall sollte ergänzend noch ein mobiler Gas-Kocher, Wasserkanister und eine tragbare Toilette mitgenommen werden.

Als Basis für den Mini-Camper diente ein neuer Pkw-Kastenanhänger der Fa. Tomplan Typ TFS-S 250 vorn abgeschrägt. Als Zusatzausstattung wurden zwei Seitenfenster, eine Dachluke und eine Seitentür geordert. Der Anhänger ist werkseitig mit einer Heckflügeltür und gegen Aufpreis gebremst und mit Achsstoßdämpfern ausgestattet.

Mit einem Leergewicht von 420 kg blieben für den Ausbau noch rund 330 kg. Der Ausbau selbst wiegt rund 230 kg, so dass eine Zuladung von rund 100 kg möglich ist. Bei Verzicht auf das Solarpaneel samt Akku (Autark-Komponente) kann die Zuladung um weitere rund 50 kg erhöht werden.

1 Fenster und mit Abschirmfarbe gestrichene Innenwände mit Unterkonstruktion aus Holzleisten
2 Elektroinstallation mit Akku und abgeschirmten Elektroleitungen
3 Innenansicht im fertigen Zustand

Ausbau

Der serienmäßige Kastenanhänger besteht aus 25 mm Sandwichplatten (Holz) und wurde komplett innen mit einer lösemittelfreien Abschirmfarbe (YShield Dry54) gegen externe hochfrequente elektromagnetische Felder (z.B. Mobilfunk, WLAN) gestrichen, bevor mit dem eigentlichen Ausbau begonnen wurde.

Als Wärmedämmung wurden lösemittelfreie PE-Platten (X-trem 20 mm) zwischen aufgeschraubte Holzleisten geklemmt. Als Innenverkleidung wurden Holzfaserplatten verwendet. Der gedämmte Boden wurde mit einem weichmacherfreien Vinyl-Fertigboden ausgelegt.

Die 230 V-Innenverkabelung erfolgte komplett mit geschirmten Elektroleitungen.

Auf der Dachschräge vorn wurde ein 80 Wp Solarmodul montiert.  Bei Bedarf kann ein mobiles PV-Solarmodul mit 120 Wp dazugeschaltet werden. Im vorderen Bereich wurde eine 85 Ah AGM-Batterie mit Solarregler und Ladegerät eingebaut. Der Anhänger wurde mit 12 V komplett verkabelt. Somit ist eine autarke Nutzung oder zusätzliche Stromquelle möglich.

Die Möbel wurden aus Paulownia Leimholzplatten hergestellt. Diese Holzplatten sind formaldehydfrei verleimt und enthalten keine Schadstoffe. Außerdem sind sie sehr leicht.

Im Anhänger wurden rechts und links jeweils eine Sitzbank eingebaut. Zwischen den beiden Sitzbänken wurde ein Tisch installiert, der herausnehmbar ist und zusammen mit den Sitzbänken auch als Schlaffläche genutzt kann (ca. 80 x 170 cm). Als Sitzauflagen wurden handelsübliche Sitzkissen verwendet. Als Matratze wird eine Kaltschaum-Auflage verwendet.

Im vorderen Bereich wurden zwei Schränke eingebaut. Im unteren Bereich befinden sich Batterie, Ladegerät, Sicherungen und Solarregler. In einen Schrank ist die tragbare Toilette untergebracht.

Es besteht die Möglichkeit, in den Sitzbänken an die dort vorhandene Stromversorgung Kühlbox(en) o.ä. unterzubringen.

Die Oberflächenbehandlung erfolgte mit einer schadstofffreien Kreidefarbe (yellowchair). Beanspruchte Oberflächen können ergänzend mit einem schadstofffreien Wachs behandelt werden.

Es wurden keinerlei Kleber oder lösemittelhaltige Farben und Lacke verwendet.

4 & 5 Außenansichten

Kosten

Der Kaufpreis des Anhängers betrug 4.900 Euro. Die Kosten für den Ausbau (Material) schlugen mit rund 3.000 Euro zu Buche. Für den Ausbau wurden ca. 250 Stunden und entsprechendes Werkzeug benötigt.

Kontrollmessung

Eine orientierende VOC-Messung hat den schadstofffreien Ausbau bestätigt und somit ist der Mini-Bio-Camper auch für empfindliche Menschen (z.B. MCS, EHS) geeignet.

Weitere Infos und Fotos unter:

Hinweis des IBN:
Nicht alle verwendeten Materialien sind baubiologisch einwandfrei. Jedoch sind beim Ausbau von Wohnmobilen, Wohnwägen oder -anhängern aus verschiedenen Gründen (Bauphysik, Gewicht, es kommt auf jeden Millimeter Platz an u.a.) Kompromisse erforderlich. Sehr gut gelungen ist die hier vorrangig angestrebte Schadstoff- und Elektrosmog-Reduzierung.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bilder: Volkmar Hintze

Autor
Volkmar Hintze

Volkmar

Hintze

Dipl-Ing., Inhaber eines Ingenieurbüros für Schadstoffanalytik & Baubiologie in Salzweg bei Passau

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