Was krabbelt denn da? – Teil 1

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Von unliebsamen Mitbewohnern, Panikmache und unnötigen Gifteinsätzen: Fast jeder hatte schon mal unliebsame Mitbewohner. Viele Betroffene wanken zwischen Panik, Ekel und Scham.

Dabei gilt zu bedenken: Wo wir es warm und wettergeschützt haben und unser Grundbedürfnis nach Nahrung gedeckt wird, finden es auch andere Lebewesen toll. In nur wenigen Fällen hat dies tatsächlich etwas mit „Unsauberkeit“ zu tun. Bei allen Versuchen, die nicht eingeladenen Gäste wieder los zu werden, darf der Sinn oder auch Unsinn unserer Maßnahmen nicht aus dem Blick verloren werden. Auch der Natur- und Artenschutz muss oben auf der Agenda stehen.

In der Biologie gilt „sag niemals nie“ – es können auch sehr ungewöhnliche Besiedlungen durch Tiere vorkommen. Deshalb ist es unbedingt notwendig, jeden Befall genau zu analysieren. Sprich: Die Tiere sollten unbedingt bestimmt werden. Telefonische und schriftliche Analysen funktionieren häufig nicht. Meist kann man Insekten nicht mal genau mit bloßem Auge bestimmen. Dazu bedarf es eines Auflichtmikroskops, um die Aderung der Flügel, die Haarstellungen oder die Fußlappen zur Bestimmung heranziehen zu können.

Nur so kann aber in vielen Fällen der Schadensursprung, der Grund der Besiedlung und die tatsächliche Gefahr abgeschätzt werden. Denn nicht von jedem Insekt geht tatsächlich auch eine Gefahr für Gesundheit oder Bausubstanz aus. Und Gift hilft bei einigen Insekten gar nicht, andere kommen trotzdem immer wieder.

Deshalb Achtung!

  • Meist sind nur speziell dafür ausgebildete Biologen (Zoologen, am besten mit Schwerpunkt Entomologie; Genetiker, Immunbiologen oder Virologen können da meist nicht helfen) in der Lage, die Bestimmung professionell durchzuführen.
  • Eine „Bestimmung“ der Tiere am Telefon oder schriftlich ohne Sichtung ist schlicht nicht möglich.
  • Zur Bestimmung müssen die Tiere immer komplett erhalten sein.
  • Achtung, wenn die Tiere zur Bestimmung in Küchenkrepp, Alufolie oder ähnlichem dem Dienstleister zugeschickt werden: Eine professionelle Bestimmung kann bei gequetschten Insekten meist nicht erfolgen.
  • Achtung, wenn gleichzeitig Mittel zur Bekämpfung verkauft werden: Für die Mittel und deren Anwendung entstehen häufig Kosten im vierstelligen Euro-Bereich. Deshalb sollte immer geprüft werden, ob der Anbieter seriös ist und ob er ein Interesse daran hat, auch „ungefährliche“ Tiere zu bestimmen.
  • Achtung bei deutschen Namen (Trivialnamen): Häufig gibt es verschieden Namen für das gleiche Tier oder ein Name für verschiedene Tiere. Deshalb sollte der Dienstleister immer (auch) den systematischen Namen nennen.
  • Auch natürliche „Bekämpfungsmittel“ wie Kieselgur, Backpulver, Neemöl sollten nicht im Außenbereich angewendet werden, weil andere (nützliche und geschützte) Arten dadurch ebenfalls ungewollt bekämpft werden.
  • Aufpassen, dass man natürliche „Bekämpfungsmittel“ wie Kieselgur ohne „Wirkverstärker“ kauft. Häufig handelt es sich dabei um zugesetzte chemische Insektizide.
  • Falls ein Gifteinsatz vorgeschlagen wird: Zweitmeinung einholen, von Dienstleistern, die keine Gifteinsätze im Angebot haben.

Warum sich eine Bestimmung lohnt

Habe ich vor meiner Haustüre ein Raubtier (oder gar mehrere), möchte ich natürlich wissen, um welches Raubtier es sich handelt, denn nur dann kann ich in Erfahrung bringen, ob Gefahr droht und ob Handlungsbedarf besteht. Ein Tier der Familie der Hunde, ein Tier der Familie der Katzen, ein Tier der Familie der Bären, …? Natürlich interessiert es mich dann auch, ob es sich um Tiere der Gattung Vulves (hierzu gehören die meisten Füchse) oder der Gattung Canis (Wolfs- und Schakalartige), um ein Tier der Gattung Lynx (Luchse), der Gattung Felis (echte Katzen, hierzu gehört u. a. die Hauskatze) oder die Gattung Panthers (Pantherartige; hierzu gehören Löwen, Tiger, Panther, …) …, handelt.

Jeder sollte wissen, dass mit Hauskatze, Europäischem Wolf, Rotfuchs und Panther unterschiedlich umzugehen ist. Genauso ist es bei den vielen verschiedenen Arten der Insekten.

Die Klasse der Insekten sind die artenreichste Klasse der Tiere. Bis jetzt hat man fast 1 Millionen Insektenarten beschrieben, das sind über 60 % aller bisher beschriebenen Tierarten. Man geht davon aus, dass es ein Vielfaches mehr an Insektenarten gibt. Die Ordnung der Käfer hat über 350.000 beschriebene Arten in 179 Familien.

Allerdings gibt es in unseren Gefilden immer weniger Exemplare einer Art, deshalb ist es wichtig, diese für das gesamte Ökosystem so nützlichen Tiere – v. a. im Freien – unbedingt zu schützen.

Fazit

Krabbeltier ist nicht gleich Krabbeltier. Und: Nur durch Bestimmung können wir unsinnige Gifteinsätze, die uns und dem Ökosystem schaden, vermeiden.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Titelbild: Christine Ehm

Autorin

Christine

Ehm

Dipl.-Biologin, Chemikerin und Leiterin einer Baubiologischen Beratungsstelle IBN in 79771 Klettgau

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