Ausbau eines historischen Dachstuhls zur Loftwohnung

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Aus Alt macht Neu: Der leere Dachstuhl einer Scheune wird zur Loftwohnung umgebaut und mit neuem Leben gefüllt. Dabei entstand ein charmantes Nebeneinander von Alt und Neu. Gleichzeitig legten die Bauherren großen Wert auf stilvolle Naturmaterialien und gesunde Baustoffe.

Bestandssituation

In einem kleinen Weiler im Landkreis Mühldorf befindet sich ein alter Vierseithof, in dem die Bauherrenfamilie eine zum Wohnhaus ausgebaute Scheune bewohnt. Die großzügige Scheune wurde in der Mitte mit einer Brandwand geteilt, so dass zwei Wohneinheiten in dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude Platz finden konnten. Die Grundfläche der Erdgeschosswohnung beträgt ca. 200 m2 und war beim Kauf des Hauses bereits ausgebaut. Das darüber liegende Geschoss bestand aus einem unausgebauten rund sieben Meter hohen Dachraum mit einem beeindruckenden Holztragwerk.

Hohe Zimmermannskunst im offenen Dachraum

Bereits vom Vorbesitzer wurden Maßnahmen für den Ausbau des Dachstuhls getroffen und einzelne Dachfenster eingebaut, allerdings scheiterten damals die Ausbaupläne an den Gesamtkosten und den vielen Kompromissen, die aufgrund des historischen Tragwerks an vielen Stellen notwendig gewesen wären. Die ursprüngliche Nutzung war schließlich zur Heulagerung bestimmt und bei Errichtung des Gebäudes vor über hundert Jahren dachte wohl niemand daran, dass die Scheune später einmal in einzelne Räume unterteilt werden soll. So wurde die Konstruktion nach den damaligen Erkenntnissen der Statik dimensioniert und mit vielen Querstreben zur Aussteifung versehen – bereits im unausgebauten Zustand ein beeindruckender Anblick.

Die Aufgabe für den Architekten bestand nun darin, zwischen den vielen Pfetten, Querstreben und Holzstützen Räume zu erschaffen und das Volumen zu gliedern, ohne dabei den ursprünglichen Loftcharakter aufzulösen.

Tragwerksplanung und Raumgefüge

Zunächst wurde gemeinsam mit dem Statiker das Tragwerk untersucht und es wurden Bereiche definiert, in denen Balken entfernt, ausgewechselt oder verlagert werden können, um die Räume dadurch besser nutzbar zu machen. Aufgrund der vielen historischen zimmermannsmäßigen Holzverbindungen musste ein Kompromiss zwischen Erhaltung und Neukonstruktion gefunden werden. Der Statiker ermöglichte an den entscheidenden Stellen eine Entflechtung der alten Tragstruktur zu Gunsten der Nutzbarkeit.

Es entstand ein Raumgefüge aus zwei Kinderzimmern mit Schlafgalerie und Badezimmer auf der unteren Ebene und einem Elternschlafzimmer mit Ankleide im Dachfirst. Trotz der neuen Raumaufteilung ist beim Durchwandern der Räume der offene Scheunencharakter nach wie vor spürbar.

Mit großer Sorgfalt wurde darauf geachtet, dass beim Ausbau der Charakter des ursprünglichen Tragwerks nicht nur erhalten bleibt, sondern an besonders charakteristischen Fügungspunkten bewusst in Szene gesetzt wird. Dadurch wurde ein spannendes Zusammenspiel von Alt und Neu geschaffen. Ebenso behutsam wurden auch die Materialien gewählt: Geöltes Eichenholz für die Böden und Türen, weißer Kalkputz für die Wände und schwarzes Schmiedeeisen für alle Schlosserarbeiten.

Tageslichtversorgung

Aufgrund der Gebäudetiefe war die Versorgung mit Tageslicht von großer Bedeutung. Gleichzeitig mussten die neuen Fenster möglichst unauffällig in die historische Fassade integriert werden. Neu eingebaute Fenster im Kniestock ermöglichen Blickbeziehungen zum liebevoll angelegten Garten der Bauherrin. Damit aber auch die innenliegenden Bereiche wie Flur und Treppenhaus ausreichend Tageslicht erhalten, wurden Dachfenster und Lufträume vorgesehen, in denen das Licht stimmungsvoll nach unten fällt, ohne dass auf den ersten Blick erkennbar ist, woher es eigentlich kommt.

1 Dachfenster bringen viel Licht ins Dachgeschoss
2 + 3 Neues Fenster integriert in alte Fassade
4 Flur und Treppenhaus
5 Zusammenspiel von Alt und Neu
6 Gut sichtbare Treppe dank transparentem Geländer
7 Eichenholzboden im Badezimmer
8 Das Entfernen der Gefache einer Zwischenwand ermöglicht ein großzügiges Schlafzimmer
9 Kinderzimmer

Bauphysik, Wärmeschutz und baubiologische Materialwahl

Eine besondere Herausforderung war die Wärmedämmung der Außenwände, die aus technischen und gestalterischen Gründen von innen erfolgen musste. Bei Innendämmung spielt vor allem die Bauphysik eine große Rolle: Um Bauschäden zu verhindern, darf der Taupunkt nicht zu weit nach innen verlagert werden, ansonsten droht eine Durchfeuchtung der Wärmedämmung. Gleichzeitig muss Wasserdampf, der in die Dämmung eindringen kann, wieder nach innen abgeführt werden können. Die Wahl fiel daher auf Kalziumsilikatplatten, die verputzt und mit einer diffusionsoffenen Silikatfarbe gestrichen wurden. Dadurch konnten alle Anforderungen an Bauphysik und Wärmeschutz erfüllt werden und das auch noch mit Materialien, die baubiologisch empfehlenswert sind.

Auch bei den Bodenbelägen wurden nur baubiologisch unbedenkliche Produkte eingesetzt. Die Eichendielen wurden nicht verleimt und nur mit natürlichem Hartöl behandelt – ein optimaler Schutz für den Boden ohne chemische Lösemittel und Zusatzstoffe.

Die Offenheit der Bauherren für natürliche Baumaterialien und ihr Streben nach einer stilvollen Landhausarchitektur ermöglichten eine ideale Kombination aus Raumgestaltung und Wohngesundheit. So konnte ein Projekt realisiert werden, das auch in Zukunft als Vorbild für weitere Sanierungen dienen kann.

Dachausbau in Aubenham, Bayern

Baujahr1925
Ausbaustufe vor der SanierungOffener Dachraum über zwei Geschosse mit historischem Holztragwerk und Zimmermannsmäßigen Holzverbindungen. Dachdeckung bereits erneuert, Aufsparrendämmung, Nut und Federschalung, Dachfenster teilweise schon eingebaut. Außenwände aus massivem unverputzten Ziegelmauerwerk, außenseitig mit Kalkzementputz verputzt und weiß gestrichen. Stahlbetonbodenplatte (ohne Aufbau)
Außenwände, saniertAußenputz (Bestand), Ziegelmauerwerk (Bestand), Ausgleichsputz auf bestehendem Mauerwerk 40 cm, Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten 8 cm, Innenputz Kalkputz, Anstrich mit diffusionsoffener Silikatfarbe
Tragwerk und ZwischendeckeUnbehandeltes Konstruktionsvollholz und Brettschichtholzträger, teilweise Ertüchtigung des bestehenden Tragwerks mit gehobeltem Fichtenholz
BodenbelägeEichendielen bzw. Eichenparkett, geölt mit naturbelassenem Bio-Hartöl
FensterHolzfenster mit Dreischeibenverglasung
HeizsystemStückholzofen als Ergänzung zur bestehenden Zentralheizung
PlanungArchitekt Florian Baubin, B.A. + M.Eng., Traunstein
StatikIB Dipl. Ing. Wolfgang Heindl, Kirchdorf
AusführungFa. Villa Plus GmbH, Ampfing

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  1. Ein schönes Projekt! Die stimmungsvollen Bilder und der informative Text machen Lust, mehr davon zu sehen.

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Quellenangaben und/oder Fußnoten:

Bilder: Florian Baubin

Autor
Florian Baubin

Florian

Baubin

Architekt und Baubiologe IBN in 83278 Traunstein

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